Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 76-77 (28.9.1899)
- Date
- 1899-09-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1602 Menschen angewiesen find. Zur Linderung der Noth haben die vom Unglücke verschont gebliebenen Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde die größten Opfer gebracht und mit einem Aufwand von seltner Energie, wie es dem Menschen nur in kritischen Momenten eigen ist, sich der Ausgabe der Hilfeleistung gewidmet. Es gelang ihnen denn auch zunächst die Abgebrannten in Wohnungen unterzubringen und ein Hilfskomitee zu bilden, an dessen Spitze Seine Exzellenz der Gouverneur von Grodno steht und haben wir allen Grund zur Hoffnung, daß die an unseren Glaubensgenossen seit jeher gerühmte Eigenschaft der Mildthätigkeit auch in diesem Falle sich bewähren werde. Die Sammlungen und das Hilfswesen für die Abgebrannten dem genannten Hilfskomitee überlassend, meinen wir Endesunterzeichneten, in unserer Eigenschaft als Rabbiner der Stadt Grodno die Verpflichtung zu haben, Mittel zu finden, die große Noth, die der Schaden verursacht, den die jüdische Gemeinde erlitten, nach Möglichkeit zu lindern. Es find nämlich dreizehn Gotteshäuser, darunter eine alterthümliche Synagoge, ein Prachtgebäude, eingeäschert worden. Diese Synagoge war vom großen Rabbiner Vst ne>» ^tid n, welcher in der jüdischen Literatur unter dem Namen vrsb bekannt ist, vor 350 Jahren aufgerichtet worden. Dieser große Schaden ist um desto schwerer zu ersetzen, weil, im Gegensätze zur Sammlung für die Abgebrannten, bei welcher Juden verschiedenster Gesinnung und selbst Nichtjuden sich betheiligen, wir in diesem Falle nur auf den Beistand solcher Glaubensgenossen rechnen dürfen, deren Herz für die Nothwendigkeit von Gotteshäusern leichter zugänglich ist. Die Mittel der hiesigen Gemeinde selbst sind durch die oben angeführte freigebige Thätigkeit zu Gunsten der Abgebrannten sehr erschöpft und reichten nicht hin, um nur auch ein Gotteshaus, selbst in bescheidenster Ausführung, wieder herzuftellen. Wir wenden uns deshalb an unsere mildthätigen Brüder, mit der innigsten Bitte, uns beizustehen und durch Unterstützung zu ermöglichen, unsere Gotteshäuser wieder aufzurichten, auf daß unser armes Volk in den kummervollen Tagen, in denen es lebt, heilige Stätten hat, wo es das Herz erleichtern kann, und auf daß in freudigen Tagen, auf die wir im Vertrauen auf Gott immer hoffen, dort Dankeslieder und Lobgesänge erschallen mögen. Die Spenden bitten wir an einen der Unterzeichneten Vorstandsmitglieder der genannten großen Synagogen befördern zu wollen. Eliokim Shapira, Wolf Margolis, Abraham Gelbart, Rabbiner der isr. Gemeinde in Grodno (Rußland), Joseph Frumk.in, Oscher Wilner, Chajm Landau, Vorstand der isr. Gemeinde daselbst. Auch wir sind auf Wunsch der Unterzeichneten gerne bereit, für diesen hochheiligen Zweck Spenden entgegenzunehmen und an die obengenannten Herren abzuführen. Red. d. „Isr." Nikolajew. Abgesehen von den Unruhen, die jüngst die jüdische Bevölkerung von Nikolajew getroffen haben, hat sich im Hospital dieser Stadt ein Vorfall ereignet, der den seltsamen Geisteszustand gewisser Vertreter der russischen Cultur beleuchtet. Vor einiger Zeit wurde ein Arzt jüdischer Abkunft zum Chef der Klinik ernannt. Der Municipalrath annulierte die Ernennung. Seit diesem Vorfall bekundete ein Theil des ärztlichen Personals des Hospitals häufig Feindseligkeiten gegen die israelitischen Aerzte. Letzthin schickten die Unzufriedenen eine Deputation an den Verwaltungsrath mit der Forderung: 1. daß der jüdische Arzt Davidson nicht mehr den Chefarzt vertreten sollte im Falle der Abwesenheit dieses letzteren; 2. daß Juden nicht mehr zu Aerzten am Hospital ernannt werden sollten. Der Verwaltungsrath hielt nicht für nöthig, den Forderungen Folge zu leisten. Die abschlägige Antwort des Verwaltungsrathes verschärfte noch mehr die Beziehungen zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Aerzten der Anstalt. Die Feindseligkeiten nahmen bald einen schlimmeren Charakter an, und letzthin drang der Unterarzt der Klinik Filippowitsch mit einem Messer auf Herrn Davidson ein. Glücklicherweise hatte der Vorfall kein tragisches Ende. Türkei. Gypern. Dem „Jewish Chroniele" entnehmen Wir aus einem Bericht über die gegenwärtige Situation der Kolonie Margo folgende Einzelheiten. Die Ernte ist beendigt ttnd die Mähmaschine, die man aus England sandte, kam noch zur rechten Zeit, um bei der Weizenernte sich sehr nützlich zu machen. Leider war das Ernteergebnis kein befriedigendes, einmal weil das Wetter ungünstig war und der Regen ausblieb, dann weil zur Ernte die Arbeitskräfte sehr theuer bezahlt werden mußten. Gesäet war Weizen, Gerste und Wicken, das eingeerntete Ergebniß war für jeden Theil Land, d. h für jeden Kolonisten 80 Kele Weizen, 100 Kele Gerste, 15 Kele Hafer und 15 Kele Wicken. Einen Theil der Aussaat hatte das landwirthschaftliche Departement der Negierung geliehen und als es jetzt nöthig wurde dieses Quantum zurückzugeben, zeigte es sich, daß vielfach, besonders bei Hafer, der eingeerntete Ertrag nicht ausreichte, um dieses Quantum zu decken. In diesen Fällen haben also die Kolonisten nicht einmal so viel geerntet, als die Aussaat betrug. Auch die Wickenernte war sehr schlecht. Die Kolonisten haben nun Sesanr und Baumwolle gesäet und beide Pflanzungen f gaben im Allgemeinen guten Ertrag; aber da das