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Der Israelit · 1899-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1899)
Date
1899-09-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1608 Wasser sehr knapp ist, kann man besonders von Baumwolle, die viel Wasser braucht, diesmal nichts erhoffen. Alle Erntemethoden, ebenso wie die Methode des Dreschens in Cypern, sind noch uralt, wie sie in der Bibel beschrieben werden und gegen die Einführung von Dreschmaschinen sträuben sich die Kolonisten, weil sie behaupten die Ochsen wollten das Stroh von dieser Maschine nicht fressen. Die Kolonisten sind im Allgemeinen nicht zufrieden und sehnen sich nach England zurück. Der Vorsteher der Kolonie, früher Schneidermeister in London, hat sein Terrain verkauft und ist nach dort zurückgekehrt, zwei andere wollen ihm folgen. Es wird nöthig sein, aus Palästina jüdische Arbeiter von den Kolonien anzusiedeln, wenn die Ansiedelung in Cypern gedeihen soll. In der letzten Zeit ist die Gesundheit der Kolonisten recht schlecht gewesen, besonders sehr viele Fieberfälle sind zu beklagen, auch Sonnenstich ist oft vorgekommen, doch ist erfreulicherweise keine Krankheit tödtlich verlaufen. Feuilleton. ans dein jDhetlo. Von Dr. H. Sigmundsohn. 6) Nachdruck verboten. IV. Vevez Kaiser Inzwischen waren l<> Jahre verstrichen, in Mähren wurden die Familiengesetze aufgehoben und nichts stand Perez im Wege, in seiner Heimath ein Weib sich 311 erwählen. Perez verließ Ungarn und kam mit einigen Ersparnissen in E. an. Dort hatte das letzte Decenium viel Veränderungen und Umwälzungen hervorgerufen. Man zählte 1857 und die Gemeinde E. hatte einen deutfchredenden Rabbiner mit langen Haaren als Nachfolger Rabbi Mendeit sich erwählt. Der neue Rabbiner ließ sich Herr Dr. titulircn und war einer von jenen dunklen Ehrenmännern, denen für Geld alles feil. Die Alten waren dem Väterglauben wohl noch treu, doch die Jungen schlossen sich ihm unl so williger an, als sie doch durch den neuen Apostel einem Leben der Genußsucht und der Zügellosigkeit fröhnen konnten, und dabei brave Juden blieben, wie der Herr Dr. versicherte. Perez nahm zu seinem größten Erstaunen die Umwandlung wahr, die vor sich gegangen, und schloß sich 5 der jungen Generation um so bereitwilliger an, als er auch im Innersten deren Anschauungen huldigte. Perez errichtete sich in dem Häuschen, das sein Vater ihm vererbte, eine Werkstätte, fand aber noch Zeit genug, um mit seinen Freunden und Gesinnungsgenossen das Wirthshausleben voll und ganz auszukoften. Auch im äußern Menschen des Perez vollzog sich ein Wandel; er ging stets nach der neuesten Mode gekleidet. Das Schritthalten mit der Mode war das Ablegen veralteter Gebräuche — ein Schlagwort des freireligiös gewordenen Perez — war aber nur ein Mittel zum Zweck, um eine reiche, vornehme, gebildete (gebildete gleichbedeutend mit Befreiung von den hemmenden Banden des Glaubens und der heiligen Gebräuche) Braut zu erreichen. Sein Auge fiel auf die Tuchschererstochter Kunigunde (Keleh) Rosenstiel aus der nahen Kreisstadt P., die er gelegentlich eines Einkaufes bei dem Tuchmacher Berl Reb Jacobs in P. kennen lernte. Im Wirthshause weihte er seine Freunde in seinen Zukunftsplan ein, seine leichtsinnigen Freunde bestärkten ihn sogar darin, ganz besonders aber redete ihm sein Freund Jacob zu dieser Parthie zu, der sich an Kunigunde wegen eines ihm zu Theil gewordenen Korbes gern rächen wollte. Jacob hatte sich im Jahre vorher um Kunigunde beworben, doch der klavierspielenden und französisch parlirenden Kunigunde war Jacob nicht gebildet genug. Mit Salonanzug und weißen Handschuhen bekleidet, machte sich Perez auf und ging nach P. Dort angekommen, schritt er schnurstracks auf sein Ziel, auf Reb Berls los, in dessen Wohnzimmer er Kunigunde am Klaviere sitzend antraf. Nach kurzem höflichem Gruße begann Perez aufs Knie sich niederlassen, die wohleinstudirte Liebeserklärung : „Mein Leben ist düster und finster, ohne Licht, ich bin verwaist, ohne Vater und Mutter, ohne liebevolles Wesen, fließt mein ganzes Dasein freudlos dahin. Sie, mein vielgeliebtes und hochverehrtes Fräulein, treueste, vielgeschätzte Kunigunde, Sie allein können mein Leben erhellen und erleuchten, können mein armes Herz erfreuen und erquicken, wenn Sie mir die Hand für's Leben reichen wollen, 0 seien Sie doch mein; mein für immer und ewig." Die so angeredete Kunigunde konnte vor Schrecken nichts erwiedern und erholte sich erst als Perez seinen Sermon ausgesprochen; da erst begann sie erleichtert aufzuathmen und wollte das Zimmer verlassen, doch Perez versperrte ihr den Eingang. Ein Hilfeschrei Kunigundens rief den Vater und die Brüoer aus dem nahen Geschüftslokale herbei. Perez widerholte auch vor Vater und Brüder seine Liebesschwüre, Kunigundes Vater, ein nüchterner, ruhiger Mann, versuchte es, Perez das lächerliche seiner Ideen auszureden, ersuchte ihn seines Weges zu gehen, doch

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