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Der Israelit · 1899-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1899)
Date
1899-09-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1601 Es ist schade, daß Holland wenige oder keine wohlhabende Glaubensgenossen zählt, die sich principiell geneigt zeigen, diese Einrichtung zu unterstützen, so daß die Existenz dieser isr. Fröbelschule, welche mit soviel Geschick und Sorgfalt errichtet wurde, leider noch lange nicht gesichert ist. Es wäre sehr zu bedauern, wenn diese Schule wieder einginge, da die kleinen Kinder in derselben in echt jüdischer Weise erzogen, die Anfangsgründe des Hebräischen erlernen und zur Erfüllung jüdischer Gebote angehalten werden. Sie ist somit ein Segen für die Gemeindeglieder. Wir hoffen, daß diese Zeilen edle Glaubensgenossen veranlassen werden, oer Anstalt thatkräftig unter die Arme zu greifen, auf daß sie in die Lage kommt, ihr hohes Ziel zu erreichen. Rußland. Petersburg, 16. Sept. Die mannigfachen Bedrückungen, welche die russischen Unterhanen jüdischer Konfession in Rußland zu erfahren haben, beginnen allmählich von dem beffern Theil der russischen Jnttlligenz als ein arger Anachronismus empfunden zu werden. Die Mißstimmung über die Verwaltungschikanen, welchen die Juden täglich ausgesetzt sind, hat sich bereits so fühlbar gemacht, daß sich das Hauptorgan der orthodoxen Kirche, der „Zerkowny Wjestnik" veranlaßt gefühlt hat, einen Beitrag zur „Lösung der jüdischen Frage" zu bringen. Diese orthodox-russische Lösung ist so originell, daß wir sie unfern Lesern nicht vorenthalten wollen. Wir erfahren, daß sich der „Schlüffel" zur Lösung der Weltfrage in den „Händen der orthodoxen Kirche" befindet. Das Leben des Judenthums und die Grundgesetze des russischen Staates als eines christlichen und orthodoxen Reiches gründeten sich auf die Offenbarung, und deßhalb könne sich der Zutritt der Juden zum russischen Staaisthum nicht eher vollenden, als bis der Jude die in der Offenbarung niedergelegten Grundlagen des Staats- und Gesellschaftslebens durch das „Prisma des orthodoxen Bewußtseins" sehen wolle. „Hieraus ergibt sich der Imperativ, nach welchem die russischen Juden zuerst orthodox werden müssen, ehe sie vollberechtigte russische Staatsbürger werden können." — Zugleich macht das leitende russische Kirchenblatt die Enthüllung, an welche wohl bisher kein Mensch in Rußland gedacht hat, daß die Masse der jüdischen einfachen Volkes eine wahre und aufrichtige Hinneigung zur russischen Orthodoxie habe. Ihr gefalle das patriarchalische Leben der russischen Geistlichkeit, die Pracht des russischen Gottesdienstes, sie sei ergriffen von den „Segnungen Gottes,'die auf der russischen Kirche ruhen und so deutlich hervortreten, daß sie selbst der größte jüdische Skeptiker nicht zu leugnen wagt." Nun, wir möchten der Redaktion des „Zerkowny Wjestnik" nicht anrathen, die einfachen polnischen Juden über ihre „Hineigung zur orthodoxen Kirche" zu befragen; sie könnte zu grausam aus allen ihren Himmeln geriffen werden! Daß bei dieser „Hinneigung" nicht große Massenübertritte der Juden zur Orthodoxie stattgefunden haben, erklärt das Blatt einfach daraus, daß die reichen Juden ihre armen Volksgenossen unter Androhung materieller Nachtheile daran verhindern. Das Blatt des Herrn Pobedonoszew schlägt deßhalb Folgendes vor. Es soll zunächst ein Gesetz erlassen werden, welches verbietet, daß Juden, welche zur Orthodoxie übergetreten sind, dafür von ihren Familienangehörigen enterbt werden. Zweitens sollen arme übergetretene Juden gratis Kronland zum Eigenthum erhalten (also eine kleine Staatsprämie für den Glaubenöwechfe!) und drittensoll der Staat dafür sorgen, daß für die übergetretenenJuden reichlich Schulen und Kirchen errichtet, die Arbeitsunfähigen unter ihnen in Asylen vei pflegt werden. So gewinnt es fast den Anschein daß die Staatskirche sich anschickt, mit Hochdruck die Bekehrung der Juden zu betreiben. Begeistert ruft unser Kirchenblatt aus, daß gerade Rußland die göttliche Mission habe, den hohen Akt der Welttheokratie zu vollziehen und das von Gott verworfene jüdische Volk wieder zu seinem Schöpfer zurückzuführen. Wer die russischen Juden kennt, der weiß natürlich, daß den Bestrebungen des „Zerkowny Wjestnik" kein Erfolg bejchieden sein kann. Aber dies schließt natürlich nicht aus, daß, sobald einmal die Losung allgemein wird, der jüdischen Masse zu helfen, „ihre Hinneigung zur Orthodoxie zum Ausbruch zu bringen" , die Polizeichikanen gegen die, welche eine derartige „Hinneigung" nicht fühlen, immer ärger werden. Der „Zerkowny Wjestnik" bemüht sich, das 19. Jahrhundert zu einem würdigen Abschluß in seiner Manier zu bringen. Grodrro, 6. September. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Von der furchtbaren Feuersbrunst, die unsere Stadt Grodno am 22./3. August er. heimgesucht hatte, ist in den verschiedensten Zeitungen des In- und Auslandes berichtet worden. Es gelang aber noch keinem Berichterstatter, die Folgen des schrecklichen Brandes, die Roth und das Elend, wahrheitsgetreu zu schildern. Und wir fühlen uns ebenso wenig dazu befähigt, trotzdem wir in unmittelbarer Nähe des Jammers leben. Die herzzerreißenden Details des traurigen Bildes ohne jede Beleuchtung lassend, wollen wir in allgemeinen Umrissen hervorheben, daß hunderte von Familien, die vordem in mehr oder weniger bevorzugter materieller Lage lebten, plötzlich brod- und obdachlos geworden und fortan nur auf die Mildthätigkeit der Mit-

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