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Der Israelit · 1899-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1899)
Date
1899-09-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1600 Verbrechens-Paragraph in die denkträgen Volksmaffen sickere und dort zur Ueberzeugung werde. Im Bewußtsein, seine Pflicht zu thun, fordert der Abwehrverein die gesammte Intelligenz Oesterreich- Ungarns auf, zu dieser hochernsten, die Existenz von Millionen Mitbürger bedrohenden Frage Stellung zu nehmen. Nicht aber durch einen Protest oder durch papierene Resolutionen Stellung zu nehmen, sondern durch die Thal. Was die Gegner durch ihre Privat- Enqueten im voraus unternommen haben, muß nun durch alle die Gerechtigkeit suchenden Bewohner Oesterreich-Ungarns paralysirt werden: Es muß durch ihre vereinten Bemühungen, durch Erlangung eingehender gerichtlicher Untersuchungen der Beweis erbracht werden, daß diese versteckte und doch so offene Beschuldignng im Prozesse von Polna ebenso eine niederträchtige Verleumdung war, wie dies seinerzeit im Prozesse von Tisza Eszlar zur Evidenz nachgewiesen worden ist. Mögen diesmal nicht die Großen achselzuckend an dem Unglücke der Kleinen vor übergehen, in der Meinung, sie würden durch die Sache nicht tangirt. Es ist ebensogut auch ihre Sache, denn die Anschuldigung geht diesmal gegen Alle, denen die Fundamental-Gesetze ihres mosaischen Glaubens heilig sind. Für den Verein zur Abwehr des Antisemitismus: Der Vorstand. Schade nur, daß dieser Verein während der monatelangen wüsten Agitation in Polna geschlafen hat und erst jetzt, wo ihm das Dach über dem Kopf brennt, aufzuwachen scheint. Red. Galaiitha. Am 31. August fand hier im Beisein der Lokalbehörde die besonders feierliche Einweihung der neuerbauten orthodoxen Synagoge statt. Wahres Lob verdient diese Gemeinde, denn nur mit sehr großer Anstrengung konnte dieser Prachtbau aufgesührt werden. Die größte Anerkennung gebührt unstreitig Herrn Max Kalisch, Präses der Gemeinde, der, außerdem daß er sehr große materielle Opfer brachte, den ganzen anderthalbjährigen Bau persönlich leitete und mit riesiger Mühe und großem Zeitverlust das schöne Werk vollbrachte. Unter den vielen hochherzigen Spendern hat sich besonders Herr Victor Steiner ausgezeichnet, indem er allein das EHpn pi» schenkte. Herr Bernat Kalisch, Schüler der Preßburger Jeschiba, hielt im Namen des jugendlichen Arrangierungskomitees am Eingänge der Synagoge eine schöne ungarische Begrüßungsrede, Herr Oberrabbiner Hermann Duschinski eine einstündige großartige Festrede,' er hob die Nothwendigkeit der Erbauung dieses Tempels hervor und dankte den erschienenen Behörden für ihre Unterstützung. Am Festbankett betheiligten sich über 200 Personen. Dolina. Ein tragisches Ereigniß, welches unsere Glaubensgenossen in größte Aufregung versetzte, spielte sich Samstag am 9. auf öffentlicher Straße ab. Zwei Maurer, Christen, passirten ein Haus, neben welchem drei erwachsene Knaben saßen; einer der Maurer verlangte von den Knaben Zündhölzer, worauf die Knaben antworteten, daß sie Samstags keine bei sich tragen; der Maurer drohte nun, die Knaben zu mißhandeln. Ein jüdischer Fiacermann Namens Abraham Hersch Sternberg, der gerade vorbei ging, fragte die Maurer was sie eigentlich von den Knaben wollten, worauf einer von ihnen den Juden am Arme packte und der zweite ihm ein Messerstich in die Herzgegend versetzte. Das Herz durchbohrt stürzte Sternberg bewußtlos zu Boden/ohne wieder zum Bewußtsein zu gelangen. Der Mörder wurde dem Gericht überliefert. Der Ermordete hinterlreß eine arme Wittwe mit sechs unerwachsenen Kindern, von denen das älteste kaum 10 Jahre zählt, und jeden Lebensunterhalt entbehren. Deshalb stellen wir die ergebenste Bitte an Sie, diesen tragischen Vorfall in Ihrem gesch. Blatte zu veröffentlichen, um wohlthätige Glaubensgenossen zu veranlassen, daß sie die Wittwe des Ermordeten mit Spenden unterstützen. Die Spenden nimmt der Verein „Bnei Zion" in Dolina, Galizien, grrn entgegen. Frankreich. Paris. Die „Aurore" veröffentlicht eine sensationelle Nachricht. Der Generalissimus der französischen Armee, General Jamont, hat an den bekannten Abgeordneten Leon Bourgois, der ihn zu seiner Beförderung beglückwünschte, geschrieben: d'estime, que ne faut pas plus de juifs dans l’armee und an einer anderen Stelle desselben Briefes; de m'emploierai de tont mon pouvoir a les faire disparaitre. Das heißt auf Deutsch: Ich will keine Juden in der Armee und ich werde mein möglichstes thun, um sie aus der Armee zu verdrängen. Wenn der Generalissimus solche Worte schreibt, dann stehen den jüdischen Offizieren in Frankreich schwere Tage bevor, dennoch glauben wir nicht, daß ihre Rechte ernsthaft angetastet werden dürfen. Holland. Haag. Seit einigen Jahren beschäftigt man sich in Holland mit Plänen behufs Errichtung israelitischer Schulen. Einen kleinen Erfolg vermag Haag aufzuweisen, wo seit einem Jahre eine Fröbel-Einrichtung besteht, es ist dies von großer Bedeutung, da viele Eltern früher ihre Kinder in Fröbelschulen Andersgläubiger sandten, welche Schulen eine ausgesprochene religiöse Farbe haben. Die Schule ist auf Kosten eines unbekannten edlen Glaubensgenossen errichtet worden und steht unter der Verwaltung einer Commission, zusammengesetzt aus den Herren Oberrabbiner Dr. P. Lewenstein, S. L. Levisson und I. Abrahams.

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