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Der Israelit · 1899-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1899)
Date
1899-09-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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599 Kinder, die nicht ausbleiben kann, den Grundsätzen der Eltern nicht entgegenarbeitet. Um einen Zwiespalt zwischen den Kindern und unliebsame Erörterungen zu vermeiden, nimmt Fräulein D. seit einiger Zeit nur Kinder auf, welche von der neunten bis zur ersten Klasse attd) am christlichen Religionsunterricht theilnehmen sollen. Würde das mit Ihren Wünschen für die Zukunft Ihres kleinen Mädchens übereinstimmen. so werden wir Ihre Kleine als angemeldet eintragen und Bitten nur noch um kurzen Bescheid."- In Betreff der im Dezember statt findenden Ergänzungswahl des Gemeindevorstandes (es scheiden aus die Herren: Justizrath Meyer, Dr. Lachmann, I. E. Isaak, Geheimrath Boas und Solwitz) beschließt man, eine Kommission einzusetzen. Gewählt werden die Herren: Juftizrath Apolant, Stadtrath Weigert, Louis Sachs, Leonh. Sachs, Manheimer und Opvenheim. Eine Stiftung der Frau Anna Heß im Betrage von 3000 Mark wird entgegengenommen. — Bei dem Punkt der Tagesordnung: Nachbewilligung sür Reparaturen im Krankenhause in Summa 33 620 M. entsteht eine heftige Debatte, über welche ich eingehend zu berichten unterlaffe, da sie eine rein Berlinische Angelegenheit ist. — Die Zuwendung des Herrn Hugo Deutsch im Betrage von 6000 Mark dürfte auch weiteren Kreisen Interesse abgewinnen. — Die Zinsen dieser Stiftung sollten jährlich auf das Pflegegelderkonto übertragen werden und zur Deckung der Mehrkosten dienen, die durch Verpflegung nicht - jüdischer Kranken über den üblichen Betrag hinaus entstehen. Gespannt erhoben die Berichterstatter ihre Köpfe über die Tribüne, aber das Unglaubliche hier wird's Ereigniß, Herr Landgerichtsrath Löwe beantragt Verlegung in die geheime Sitzung. Ist mir auch so recht, sagte Herr Justizrath Meyer. Tableau! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 21. Sept. (Zum Mädchenmord in P o ln a.) Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien hat in seiner am 20. Sept. d. I. abgehaltenen Plenarsitzung einhellig beschlossen, dem Minister-Präsidenten, dem Justizminister, dem Cultusminister und dem Stadthalter in Niederösterreich den nachfolgenden Protest zu überreichen: Wir protestiren hiermit ans das feierlichste und entschiedenste gegen die von antisemitischer Seite in den Polnaer Prozeß hineingetragene tendenziöse Beschuldigung, daß das Iudenthum oder irgend eine jüdische Serie den Ritualmord oder den rituellen Gebrauch von Menschenblut lehre oder übe oder jemals gelehrt oder geübt habe. Wir hegen zwar das volle Vertrauen, daß die öfter reichische Regierung die uns als staatlich anerkannter Konfession;ustehenden Rechte auch gegenüber dieser allerschänd lichsten Verleumdung, welcher noch vor wenigen Jahren in Ehina Hunderte von Christen zum Opfer gefallen sind, wahren werde. llnscr Veriratien in die Maßnahmen der Regierung kann uns jedoch nicht hindern, unserer Empörung über die unserer altehrwürdigen Religion zugefügte Schmach Ausdruck zu geben. Wir haben geschwiegen, so lange man nur die materiellen Interessen unserer Glaubensgenossen durch Verdächtigungen und Verleumdungen zu schädigen suchte. Heute aber wird in frecher Weise Hand gelegt an unser Heiligstes, an unsere Religion: und da werden wir, wie unsere Väter es gethan haoen, mit Gut und Blut für die Ehre und Reinheit unserer Religion eintreten und sie gegen den schändlichen Anwurf der Blutbeschuldigung vertheidigen. Wien, am 20. September 1899. Der Vorstand Das Rabbinat der israel. Cultusgemeinde der israel. EultuSgemeinde Wien. Wien. Der Verein gegen den Antisemitismus erläßt folgenden Aufruf: Der Prozeß in Polna hat Dank der wohlwollenden Nachsicht des Vorsitzenden einem Märchen zur Auferstehung verholfen, durch das eine schwere Beschuldigung auf das gesammte Judenthum fällt. Dr. Baxa hat zwar „das Wort nicht ausgesprochen", aber sowohl er, wie die sogenannten Sachverständigen haben durch sehr deutliche Umschreibungen zu verstehen gegeben, daß dem Morde rituelle Zwecke zu Grunde liegen, und die Nachricht von dieser angeblich bewiesenen Thatsache ist in die Welt hinausgegangen. An den Verein zur Abwehr des Antisemitismus kam aus Petersburg folgende Depesche: „In antisemitischen „Nowoje Wremja" folgende Telegramme aus Wien: Am Gericht Kuttenberg bewiesen, daß Mord christlichen Mädchens von jüdischem Arbeiter religiösen Zwecken verübt; Mädchen durch Schlag betäubt, dann Kehle durchschnitten, Blut abgezapft, da bei Leiche kein Blut gefunden. Ganz Böhmen Ausschreitungen gegen Juden erwartet. Regierung Truppen gesendet; Juden maffenhaft Güter verkaufen, nach Wien auswandern. Redaction „Wosched" erbittet dringend sofort Aufklärung: umständlich telegraphiren, um neuer antisemitischer Preßagitation vorzubeugen". WaS in Petersburg angestrebt wird: einer neuen antisemitischen Preßagitation vorzubeugen, deren nächstes Ergebuiß die antisemitische Propaganda der That wäre, soll und muß in erster Linie dort veranlaßt werden, wo die Blutbeschuldigung zu neuem Leben auferweckt worden ist. Diesmal gilt es, mit vereinten Kräften vorzugehen, um den Feinden der Juden die Möglichkeit zu benehmen, in die Welt hinauszurufen: „In Polna ist der Ritualmord vor Gericht bewiesen worden." Es muß über die Sache volles Licht gebracht werden; es darf hier kein Präcedenzfall geschaffen werden, der dieser gefährlichen, das gesammte Judenthum bedrohenden Anschuldigung eine auch nur scheinbare Berechtigung geben könnte. Diesmal tritt an alle unsere christlichen Gesinnungsgenossen und ganz speciell an die Judenschaft die gebieterische Pflicht heran, wie Ein Mann aufzustehen, Alles aufzubieten, um den Fall klar zu stellen und so zu verhindern, daß der Glaube an diesen jüdischen

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