Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 76-77 (28.9.1899)
- Date
- 1899-09-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1598 „jüdische Frechheit^, der mit der Drohung vor den schlimmen Folgen dieser „Preßflegelei" schließt. Sämmtliche ultramontanen Provinzblätter drucken schleunigst diesen Artikel nach und das etwa aufsproffende Wohlwollen für das Judenthum anläßlich der erlittenen unverdienten Schläge wird im Keime zu ersticken gesucht. Umsonst sind die von wirklich jüdischen Zeitungen schon so unendliche mal abgegebenen Erklärungen, daß wir mit dieser gotteSleugnerischen Journalistenbande, von denen der eine oder der andere zufällig von einer jüdischen Mutter geboren, nichts gemein haben, umsonst der Hinweis auf die ungerechte Generalisirung, umsonst die Entrüstung weiter jüdischer Kreise, die am allerwenigsten solche Aufreizungen wünschen, daS Centrum ficht das Alles nicht an, es bleibt bei seiner „jüdischen Frechheit" und kommt demgemäß zu dem Trugschluß, daß es den Juden doch ganz recht geschehe, wenn ihnen hie und da einmal draufgehauen wird. Haben sie es, so deduciren sie, nicht gerade bei dieser Gelegenheit verdient, dann ist es wenigstens eine gerechte Strafe für die Verspottung unserer Religion in ihren Blättern. Wie können wir uns nun vor einem derartigen Uebelwollen schützen? Nach unserer Ansicht gibt es, da man auf katholischer Seite es nicht einsehen will, daß das Judenthum in allen seinen Richtungen der theilweise katholisch und thetlweise evangelisch getauften Firma Levysohn-Mosse u. Cie. fernsteht, dafür nur ein Mittel: Alle jüdischen Leser von Zeitungen, die sich in jüdischem Besitz befinden oder deren Redacteure Juden sind, haben auf das Strengste darauf zu achten, daß in diesen Blättern die Verächtlichmachung fremder Kulten und fremder Religionsgebräuche unterbleibt. Finden sie solche in den von ihnen gehaltenen Organen, so haben sie zunächst dem betreffenden Blatte eine Verwarnung zu ertheilen. Ist die Verwarnung ohne Erfolg, so haben sie mit einer Aufgabe des Abbonnements zu antworten. Wir wissen ganz gut, daß die jüdischen Besitzer von Zeitungen vielfach an derartigen Dingen ganz schuldlos sind, oft haben sie vertragsmäßig auf ihre nichtjüdischen Redacteure in Bezug auf die Gestaltung des Inhaltes gar keinen Einfluß, oft meinen die christlichen Redacteure solcher Blätter, ihren jüdischen Chefs, die ihre eigenen Blätter oft nur oberflächlich lesen, einen besonderen Gefallen zu erweisen, wenn sie gegen das christliche Bekenntniß gehörig losziehen. Das kann uns aber nicht hindern, die vorgeschlagene Maßnahme zu empfehlen. Mögen die jüdischen Herren Verleger sich vorsehen. Der Ernst der Zeit erfordert Abhilfe. Hat das Centrum dann immer noch das Bedürfnis, bei aller Toleranz nebenbei ein wenig Antisemitismus zu treiben, so wollen wir wenigstens auch nicht den allerentferntesten Anlaß dazu bieten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Berlin, 25. Sept. Ueber das durch den Draht bereits gemeldete furchtbare Unglück in der Synagoge zu Leucyca berichtet die „Lodzer Ztg.Kurz nach 8 Uhr vorigen Mittwoch Abend stieß aus Unvorsichtigkeit eine Israelitin, die sich auf der ersten Gallerie der Synagoge befand, wo ein starkes Gedränge herrschte, da daselbst mehrere Hundert Frauen zum Gebet versammelt waren, eine kleine brennende Lampe um, wobei sich das in derselben enthaltene Petroleum ergoß und in Brand gerieth. In Anbetracht der Gefahr, die ganz unbedeutend war, begannen die übrigen auf der Gallerie befindlichen Frauen zu schreien, und bald ertönten die Rufe: „Feuer! Feuer!" im ganzen Gotteshause. Es herrschte sofort eine unbeschreibliche Verwirrung. Alles suchte so schnell wie möglich den Ausgang zu erreichen, um ins Freie zu gelangen. Die Frauen, auf deren Gallerie das Unglück entstanden war, schrieen und brängteu gewaltsam dem Ausgange zu, obgleich jede Feuersgefahr ausgeschlossen war, da man inzwischen die Flamme erstickt hatte. Auf der Treppe stürzten einige von der Gallerie eilenden Frauen und verbarrikadirten auf diese Weise mit ihren Körpern den Ausgang. Mit elementarer Gewalt stürzten die übrigen nach, und so kam es, daß die unten liegenden Frauen als Leichen aus der Synagoge getragen werden mußten. 51 Frauen in den verschiedensten Altersstufen sielen dieser Katastrophe zum Opfer. Gleichzeitig wurden in dem schrecklichen Gedränge fünf Kinder erdrückt, so daß die Zahl der Opfer 56 beträgt. Außerdem haben 15 Personen mehr oder weniger schwere Verletzungen davongetragen. An dem Unglück trägt nur die Unbesonnenheit Schuld, da eine Brandkatastrophe völlig ausgeschlossen war. Am Orte der Katastrophe erschien sofort die alarmirte freiwillige Feuerwehr, welche die Leichen der erdrückten Frauen aus der Synagoge herausholte. Gleichzeitig wurden die Schwervermundeten auf den Wagen der Feuerwehr nach Hause geschafft. Den Verwundeten wurde sofort ärztliche Hilfe zu Theil. LU. Berlin, 17. Sept. An die Spitze meines Berichtes über die heutige Sitzung der Repräsentanten, setze ich folgenden Brief einer Vorsteherin einer höheren Töchterschule, welcher durch Herrn Dr. Minden verlesen wurde: Sehr geehrte Frau.' „Fräulein D. erinnert sich Ihrer als sehr liebenswürdigen Schülerm und ist gern bereit, Ihre Kleine in ihre Anstalt auszunehmen. Nur möchte Fräulein D. noch einmal darauf aufmerksam machen, daß sie Kinder anderen Glaubens nur tdann ausnehmen kann, wenn der Geist, der in der AnstaltMerrschl, und die christliche Beeinflussung der