Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 96 (4.12.1899)
- Date
- 1899-12-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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2003 viergliedrige Commission, die in Gemeinschaft mit dem Vorstande das Nöthige für eine demnächst einzuberufende besondere Sitzung des Curatoriums vorbereiten soll. Die Sympathieen für die in ihrer Art einzig in Deutschland dastehende Anstalt sind offensichtlich im Wachsen; das spricht sowohl der Vorstandsbericht, als auch der in der Sitzung vorgelegte Bericht des Zweigbureaus der Anstalt in Frankfurt a. M. aus, und das wird durch die Summe der jährlichen und einmaligen Beiträge aus ganz Deutschland auch zahlenmäßig in höchst erfreulicher Weise bewiesen. Hamburg. Die Einweihung des von den Eheleuten Martin Heiman und Frau gegründeten „Heimanstiftes" hat in feierlicher Weise ftattgefunden. Das Grundstück, welches in der Breitenfelderftraße in Eppendorf liegt, ist vom Senat und Bürgerschaft inl Frühjahr 1899 dem Ehepaar zum Bau von Freiwohnungen unentgeltlich überwiesen worden. Der Bau des ersten Gebäudes konnte noch in diesem Frühjahr begonnen und dank der trockenen Witterung im Sommer auch beendet werden, so daß dasselbe uunn'ehr auch in Benutzung genommen werden kann. Die Gcsammtausführung, welche allen Anforderungen der modernen Hygiene entspricht, hat in den Händen unserer bewährtesten Architekten gelegen. Das Gebäude zeigt sich schon weithin in stattlicher Erscheinung, es enthält außer der Kastellanwohnung 40 Wohnungen, zwei- resp. dreigelassig, die bereits alle vergeben sind und demnächst bezogen werden sollen. Das Gebäude liegt in einem großen, parkartigen Terrain, welches allerdings nach den Bestimmungen der Stifter in einigen Jahren durch Errichtung neuer Stiftsgebäude verkleinert werden wird, cs sind 4—5 solcher Gebäude mit ea. 200 Wohnungen in Aussicht genommen. Das schöne Werk verspricht somit bedürftigen, namentlich armen Leuten eine segensreiche Einrichtung zu werden und es ist nur zu wünschen, daß die im rüstigen Alter noch lebenden Stifter eine lange Reihe von Jahren F ende an ihrem Liebeswerke haben mögen. Neubranderivurg, 29. Nov. Unser Museum hat in letzter Zeit wieder mehrere, zum Theil recht werthvolle Zugänge erfahren; für die Leser des „Israelit" erwähnenswerth ist darunter folgendes: ein ovaler Agalftein, auf dem in Gold ein jüdischer Sabbaileuchler in feiner, schöner Abbildung zu sehen ist; die in hebräischen Buchstaben ausgedrückte Umschrift sautet in^deutscher Überschrift: „Anzuzünden die Lichter des Sabbats." Der mit anderen silbernen Ringen gemeinsam gefundene Ring, dem dieser Stein entstammt, gehört seiner Entstehung nach der Zeit des arabischen Handels an, der um das Jahr 1000 sich auch bis in unsere Gegend erstreckte. kanten, 28 Nov. Gestern wurde den Schülern hiesiger isr. Schule wieder einmal das Vergnügen zutheil, die gewohnte Chanukah-Schulfeier zu begehen. Nach Beendigung des Gottesdienstes begann die Feier in der festlich geschmückten und beleuchteten Schule. Zuerst verrichtete eine Schülerin ein Gebet, dann wurde die Feier mit dem schönen Chanukah-Liede begonnen. Den rechten Charakter erhielt erst die Feier durch einen längeren Vortrag des Herrn Lehrer Kauffmann Dann wechselten Msang, Vorträge der Kinder und Spiel mit einander ab, sodaß der Abend für die anwesenden Eltern und Kinder als ein amüsanter Chanukah-Abend bezeichnet werden darf. Rußland.? Petersburg. Ueber die jüdischen Verhältnisse sind schon seit längerer Zeit nur Dinge von untergeordneter Wichtigkeit zu melden. Ob die Veränderung im Ministerium des Inneren eine gute fein wird, wie man allgemein hofft, bleibt auch noch abzuwarten. Einige nicht unwichtige kleinere Ereignisse wollen wir immerhin vermerken. Die Gerichtszeitung pnblicnt eine Senatsentscheidung, wonach diejenigen Juden, die außerhalb des Ansiedelungsrapons Wohnrecht haben, auch in den Dörfern rc. Land erwerben dürfen. — Der Wald bei Kieff, den man in dieser Stadt als Spaziergang benutzt, darf nach der neuesten Verfügung dis Polizeiminifters von Kieff nicht mehr von Juden ohne spezielle polizeiliche Erlaubniß betreten werden. — Der Odessaer Verein „Tmd" wird in P^ris zur Wiltausstellung auch eine Kollektion seiner Schülerarbeiten ausstellen. — Die Talles- Weber in Dubrowno haben gestrikt, um höhere Löhne zu erhalten. Bei dieser Gelegenheit erhielten sie von den Herren Lourie und ^riedeberg in Moskau die Mittel, uin eine Kooperativgesellschaft zu gemeinsamer Fabrikation zu bilden. )I. Odessa. (Eine s p ecialjüdische mittlere Lehranstaltmit staatlichenRechten — als einzige in Rußland.) ES dürfte wohl Wenigen bekannt sein, daß in Rußland und zwar in der jungen, aufblühcnden Großstadt Odessa, eine unter dem Ressort des Finanzministeriums stehende reinjüdische Massige Commerzschule mit den Rechten einer staatlichen mittleren Lehranstalt existiert, welche ihre Pforte des Wissens der lernbegierigen jüdischen Jugend zu jeder Zeit aufzuschließen vermag, ohne auf irgend welche Einschränkungsbedenken Rücksicht nehmen zu müssen. Wenn man den Umstand in Betracht zieht, daß infolge des einschränkenden Procentsatzes alljährlich einige Tausend jüdischer Knaben vergebens um Aufnahme in die allgemeinen mittleren Lehranstalten sich bemühen — mögen sie auch glänzende Fähigkeiten aufzuweisen haben — so kann man wohl die Existenz einer derartigen, staatlicher Rechte sich erfreuenden