Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 96 (4.12.1899)
- Date
- 1899-12-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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than und Beifall in allen besseren Kreisen gefunden. Ob es vom Konsistorium politisch klug war, jetzt vor Thorschluß die Rabbinerwahl vorzunehmen, darüber läßt sich streiten. Jedoch wird jeder zugeben müssen, daß so lange die Mitglieder des Konsistoriums ihr Amt inne haben, sie nicht blos berechtigt, sondern sogar verpflichtet sind, die dringenden Amtsgeschäfte zu erledigen. Und eine dringende Angelegenheit war eben die Besetzung der hiesigen Oberrabbinerstelle." Sechs Tage nach dieser ttfowon Mn Meinungsäußerung am 10. November fand die, mit großer Spannung erwartete Konsistoriumwahl statt, deren Ergebniß, entgegengesetzt der „llnus pro omnibus“ zu Gunsten des Konsistoriums ausfiel. Von den 3460 eingeschriebenen Wählern, erhielten die Herren Arthur Moch, Kaufmann in Hagenau 2257, Ferdinand Oppenheimer, Lederfabrikant in Straßburg 1713, Leon Schwarz, Bankier in Straßburg 1599, Aron Durlach, Kaufmann in Straßburg 991 und Lazarus Ducas, Kaufmann in Straßburg 934 Stimmen. Diesem Wahlergebniß gemäß hätte man meinen dürfen, daß die friedliebende Mn Meinung als vox popoli vox dei sich geltend machen und die zwei ersteren Meinungen verdrängen wird. Zur großen Ueberrafchung veröffentlichte die „Straßburger Post" in der gestrigen Nachmittagsnummer eine vierte Meinung, die wörtlich lautet: Die von dem israelitischen Konsistorium für den Bezirk Unter-Elsaß getroffene Wahl in Sachen, der Besetzung der Oberrabbinerstelle in Straßburg hat den einhelligen Beifall der hiesigen israelitischen Gemeinde nicht gefunden. Eine mit über hundert Unterschriften bedeckte Petition an'S Ministerium bittet, den von dem Konsistorium unternommenen Schritt nicht zu bestätigen. Die Bittschrift geht einerseits von dem Gedanken aus, daß das Konsistorium nicht wohl daran gethan habe, von seinem formellen Rechte sozusagen noch in der letzten Minute vor Thoresschluß Gebrauch zu machen, ohne einer so großen und bedeutenden Gemeinde, wie die Straßburger es ist, Gelegenheit zu geben, sich in der Personensrage schlüssig zu werden. Anderseits macht sie Bedenken gegen den vom Konsistorium bezeichnten Oberrabbiner geltend, der vor acht Jahren, als die Besetzung der Stelle ebenfalls in Frage stand, seitens der hiesigen Gemeinde avgelehnt worden sei. Diesen vier öffentlichen Meinungen erlaube ich mir noch eine, von einem „nervösen, sonst aber friedliebenden Zeitungsleser" geäußerte fünfte Meinung! beizufügen: seit längerer Zeit, schon seit Einweihung der Synagoge in den letzten Wochen, kann man kaum eine hiesige Zeitung zur Hand nehmen, ohne mit den, die hiesigen Israeliten ja wohl, aber nicht die breite große Oeffentlichkeit interessirenden, durchaus internen Angelegenheiten der Synagoge inkommodirt zu werden. Solche Angelegenheiten lassen für den uninteressirten Leser nur den einen Schluß zu, daß im „Gemeindeleben" der hiesigen Israeliten nur Hader und Zwietracht herrsche. Wie dem -nun auch sei, in jeder Familie giebt es von Zeit zu Zeit „große Wäsche", aber man wäscht sie nicht öffentlich vor aller Leute Augen. Darum wäre es wohl an der Zeit, wenn alle die so sehr verbesserungsbedürftigen, aber doch internen Gemeindeangelegenheiten der israelitischen Gemeinde, wie das Fehlen einer „Verwaltung", Religionsschule, schlechter Chorgesang, die Rabbinerwahl, Verwaltungs- und Konsistorialwahl und tute die großen und kleinen Schmerzen sonst noch heißen mögen, nicht mehr länger öffentlich in den Tageszeitungen herüber und hinüber erörtert wurden. Wenn schon durchaus Manches „gedruckt" sein muß, so vergieße man Ströme von Druckerschwärze durch Cirkuläre und durch die israelitischen Spezialzeitungen. Dieser fünften Meinung schließt sich Ihr Correspondent ganz und gar an, zumal der „Israelit", der in den meisten hiesigen jüdischen Familien ein unentbehrlicher Hausfreund geworden ist, gerne bereit ' ist, den religiösen Gemeindeangelegenheiten seine Spalten zu erschließen. Es ist deßhalb wahrlich nicht nöthig, politische Tagesblätter darum zu bitten. Hannover, 7. Nov. (Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem) Am 5. November 1899 fand die diesjährige Curatoriums-Sitzung zu Hannover statt. Der Vorsitzende, Herr Jultizrath Dr. Verend gedachte zunächst mit warmen Worten des verstorbenen Mitgliedes und stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Semtni H. Oppenheimer — Hannover, dessen Andenken die Versammlung in üblicher Weise ehrte. An seiner Stelle wur^e der bisherige Schriftführer, Herr Senator Fischer— Linden und an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Herrn Eugen Ro^enstiel— Berlin wurde Herr Dr. Heinr. Meyer Cohn in Berlin zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Neu in das Curatormm cooptirt wurden Herr Landrichter H a m m er sch la g—Hannover und Herr Marti n L e b r e ch t—Nürnberg, von denen der erstere zum Schriftführer gewählt wurde. Sodann wurde der Bericht des Vorstandes für das abgelaufene Jahr vorgelegt und die bereils veröffentlichte Rechnung des Jahres 1898 genehmigt, ebenso der Voranschlag für das Jahr 1900, in welchem zum ersten Male ein Betriebs-Gewinn der Gärtnerei in Höhe von 50.0 Mark vorgesehen werden konnte. Ein Ueberschuß der Rechnung in ungefähr gleichem Betrage soll als Quote für einen demnächst vorzunehmenden Neubau zwecks gründlicher Verbesserung der Wirthschafts- und Unterkunftsräume reservirt bleiben. Dieser Bau wird kaum unter 40—50,000 Mark herzustellen sein und wählte das Curatormm zur Berathung über den Bauplan eine