Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-12-04 · Heft 96 (4.12.1899) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 96 (4.12.1899)
Date
1899-12-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449042--49585-2499597
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1998 als Schn llehrer verschiedene Bildung zu geben, abweist. Den Staat interessirt nur die Schulfrage. Nun ist zwar jeder Volksschullehrer auch Religionslehrer. Er^haL den Religionsunterricht zu ertheilen/ ^mindestens muß er für die Ertheilung desselben qualiftzirt sein. Aber zur Sorge um die Ertheilung des Religionsunterrichts gesellt sich die um die Ertheilung des Unterrichts in den Realien, im Rechnen, in der (deutschen, zuweilen auch in einer fremden) Sprache, die pädagogischen Anforderungen werden ziemlich hochgestellt, wie kann ein junger Lehrer, dem man es doch wahrlich nicht verdenken kann, wenn er vor allem sein Fortkommen ins Auge faßt, auch noch den weit gestellten Anforderungen an seine religiöse Wirksamkeit gerecht werden? Daher haben auch manche Seminare sich diesen Anforderungen gegenüber etwas ablehnend verhalten, Director Dr. Holzmann in Berlin hat es geradezu abgelehnt, seine Zöglinge als Prediger auszubilden, und auch ich kann mich mit dieser Forderung nicht befreunden. Es ist doch etwas anderes, ob man dem jüdischen Religionslehrer den geistlichen Charakter beilege, oder ihm einen geistlichen Beruf überträgt, für den dann natürlich die entsprechende Vorbildung geleistet werden muß. Da es doch auch eine Forderung des gläubigen Theils der Juden ist, jüd. Volksschulen zu erhalten, bezw. neu zu errichten, so kann doch auch die Fürsorge für eine entsprechende Vorbildung, die womöglich noch die der christlichen Lehrer übertreffen muß, so als nebensächlich angesehen werden. Hic Rhodus, hic saltaHier ist der springende Punkt! L. Weinberg, Lehrer. Mannheim, 27. Nov. Wenn auch vielleicht sonst Chanuka-Schulfeiern keinen Anspruch darauf erheben, der weiteren Oeffentlichkeit bekannt gegeben zu werden, so verdient doch die Feier in der Schule des hiesigen Vereins zur Förderung des israelitischen Religionsunterrichtes als symptomatische Erscheinung erhöhte Beachtung: Dieser Verein, besten Vorstand der rühmlichft bekannte Philanthrop Herr Julius Ettlinger ist, hat in den jüngsten Jahren in Herrn Jonas Simon, einem geborenen Mannheimer, eine vorzügliche Lehrkraft acquiriert, dem es zu danken ist, daß die Schülerzahl seit drei Jahren sich fast verdreifacht hat. Die Chanukafeier, welche unter seiner Leitung in Scene gesetzt wurde, legte Zeugniß von dem lebhaften Interests, das einerseits die Kinder an religiösen Feiern, andererseits ein gewähltes Publikum an dem Gedeihen des Vereines in sich tragen. Gesang und Declamationen wechselten in bunter Reihe; nach dem Entzünden der Chanukalichter hielt Herr Jonas Simon eine begeisterte und begeisternde Rede, welche den Höhepunkt der Feier bildete. Auch die Kinder gaben ihr Bestes; den Schluß bildete ein von Frl. Emma Goitein—Karlsruhe verfaßtes Festspiel, in welchem die kindlichen Kräfte sich vorzüglich produzierten. In gehobener Stimmung verließen die zahlreichen Festtheitnehmer denSaatder August-Lamey-Loge, in welchem die Feier ein freundliches Heim gefunden hatte. In ihrer aller Brust lebte der Wunsch, mit dem auch wir stets das erfreuliche Wirken des Vereines begleiten: mayi minn pp onn'i? aan nte. Rußland. Lodz. (Die jüdischen Arbeiter.) Unter der Geldkrisis, welche die Kaufleute in Rußland im allgemeinen durchmachen, leidet unsere Stadt am meisten. Viele kleinere Spinn- und Webhäuser mußten die Arbeit einstellen und über 1500 jüdische Arbeiter wurden erwerblos. Wohl zeigte sich das jüdische Herz der selbst unter der Krisis schwer leidenden jüdischen Fabrikanten, indem sie am 20. Oct. b. I. eine Versammlung einberiefen, einen Sammelbogen zur Unterstützung der noihleidenden jüdischen Arbeiter auflegten und ca. 20,000 Rubel zu diesem Zwecke gleich zeichneten, wobei sie sich der Hoffnung Hingaben, daß dieser Betrag sich durch andere Spenden noch vergrößern werde. Die hebräische Zeitschrift „Hazefira" bemerkt richtig hierzu, daß Almosen in der Roth zwar nothwendig sind, aber ganze Hilfe können die Almosen nicht bringen. „Warum?" fragt die „Hazefira" mit Recht. „Warum sollen die jüdischen Lodzer Großfabrikation nicht Juden in ihren Fabriken beschäftigen? Die Gebrüder B u ck t und manche andere Fabrikanten hatten es mit jüdischen Arbeitern versucht und haben diesen Schritt ganz und gar nicht zu bereuen. Und warum?" führt weiters die „Hazefira" aus, „beschäftigen unsere anderen jüdischen Großfabrikanten, wie Posnanski rc., keinen einzigen jüdischen Arbeiter in ihren Fabriken? Das wäre doch jüdischer, wichtiger und heilsamer als Almosen spenden." Aeuilletou. Der (Lhammer und der schaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Ma?ou. 13) (Alle Rechte Vorbehalten.) VIII. Jahre waren seitdem verflosten. Das Geld hatte Faißel schon längst zurückerhalten; die pekuniären Verhältniste deS Grafen haben sich bedeutend gebistert, aber dem Faißel blieb er immer gleich erkenntlich, gleich gewogen. Ganz besonders Gräfin Derphine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.