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Der Israelit · 1899-12-04 · Heft 96 (4.12.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 96 (4.12.1899)
Date
1899-12-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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WDWWWWMWWckM^MW 1999 hegte eine aufrichtige Freundschaft für den einfachen, beschränkten Menschen, der durch seine Uneigennützigkeit vielleicht das Leben ihres Lieblings, ihres Sohnes Otto erhalten hatte. Nun hatte Faißel, wie er gewöhnlich einmal monatlich that, der Frau Gräfin seine Aufwartung gemacht und bei dieser Gelegenheit einige Andeutungen erhalten, daß etwas gegen den Rabbi vorginge. Als er die Gräfin flehentlich bat, ihm doch Alles zu verrathen, gab sie ihm zur Antwort, er würde es doch bald erfahren und mehr war von der -hohen Dame nicht herauszubringen. Nachdem er eine schlaflose Nacht zugebracht hatte, ersuchte er den Seeretär, Anton Rubnik, doch gegen die Mittagsstunde ihn zu besuchen. Von ihm hoffte er, das Weitere durch Geld und gute Worte zu erfahren. „Na endlich!" rang es sich in einem Seufzer der Erleichterung aus Faißel's Brust, „endlich kommt der Schophel^s)! Er Hai mich lange genug warten lasten!" „Herein!" rief Faißel als an der Thüre gepocht wurde. Die Thüre öffnete sich und in das Zimmer trat nicht der erwartete Anton Rubnik, sondern seine Sprinze mit vor Zorn geröthetem Gesichte. „Hast Du mich erschreckt, Sprinzeleben", rief Faißel ganz erstaunt aus, „Du klopfst an? Sind wir denn so fremd? Oder bin ich ein Sroreh^oe) geworden?" „Fast sollte man es meinen", erwiederte Sprinze mit flammenden Blicken. „Unserer Saraleben verbitterst Du ihre jomim weschonim 207); das Goldkind geht mir durch Dein Achsoriaus halew 2°8) chas wescholaum noch zu Grunde. Thut das ein braver Mensch? — Nein! — Ein Fremder thut es also nicht. Und der Vater, der es thut, will, daß man ihn nicht als Fremden ansehe?" „Aber Sprinzeleben", versetzte Faißel wehmüthig, „mit den Vorwürfen hätte es noch Zeit, wenn ich zum Mittagstisch komme, wie Du es ja noch jeden Tag gethan hast, seit dieser Meschugas2"») mit dem Jomtow in unserm Hause sein Unwesen zu treiben begann. Wozu willst noch auch hier Deinen Rauges 21°) an mich auslassen?" „Weil sich jetzt der Chochem Faißel sogar bei Mittagstisch nicht sehen lasten will. Hat man schon so etwas gehört? Es ist ein Uhr vorüber und er sitzt noch immer oben und starrt aus die Straße Und aus wen wartest Du denn? Auf Moschiach2t ‘)? 205; Der Niederträchtige. 206) Fürst. 207) Tage und Jahre. 208) grausames Herz. 209) Wahnsinn. 210) Unwillen. 211) Messias. derIkommtlschon/sohn<daß Du , nach ihm auSlugst undldie Suppe deswegen kalt werden läßt!" „Aber Sprinze, Du redest wie Du eS verstehst. Ich warte hier auf Anton Rubnik, der mir seinen Besuch versprach; denn es gilt etwas Wichtiges pauel zu sein. Er ist in's Haus gegangen, aber kam eigenthümlicher Weise nicht herauf. Und der ist doch ewade kein Moschiach! ' „Anton Rubnik,"erwiederte Sprinze, „war soeben unten bei uns, hat ein Compliment für Dich zurückgelasten, er kann erst heute Abend nach dem Kanzleischluß kommen. Du aber sollst heute nach vier Uhr Nachmittags zu seiner Exzellenz, dem Bezirksoberamtmann kommen. Er hat mit Dir zu sprechen." „Hat man einen größeren Schofel gesehen?" rief Faißel empört aus, „läß mich eine ganze Stunde aus ihn warten, nachher kommt er, aber nicht zu mir, sondern zu meiner Frau! Dem Hungerleider will ich es schon heimzahlen, Sprinzeleben! Aber was mache ich mit der Gseroh? Vielleicht werden es mir seine hochwohlgeborene Gnadenleben maudioh212) sein." „Welche Gseroh meinst Du, Faißel?" frug Sprinze neugierig. „Wie kann ich Dir sagen," erwiederte Faißel. „Ich weiß ja selber noch nicht!" „Aber ich weiß sie!" versetzte Sprinze. „Giebt es noch eine größere Gseroh, als wenn ein Vater sein einziges Kind unter den Boden bringen will? Was soll daraus werden, Faißel; siehst Du denn nicht, daß unsere Saraleben mit jedem Tag blässer wird, mit jedem Tag mehr ihre Lebenslust verliert. Warum willst Du das Glück unseres einzigen Kindes zerstören? Was hat denn Dir der Jomtow gethan? Ist er nicht der prächtigste Mensch weit und breit? Würde sich nicht jeder Vater glücklich preisen, einen solchen ben Thoro2^) g(s Schwiegersohn einsetzen zu können? Willst Du unser Kind opfern, weil einst durch eine Unvorsichtigkeit von Jomtow's Vater, der Schammes Dich beleidigt hat? So sehr ich den damaligen Vorgang bedauere, so ist es nur Deine Eitelkeit, die Dich daran Anstoß nehmen läßt. Wer denkt nach 19 Jahrrn noch daran? Sieh' Faißel, ich bin doch Deine eigene Frau, die schon bis 120 Jahre, 23 Jahre mit Dir lebt und ich hätte ebenfalls Lust zu bestätigen, daß Du ein großer Chamaur und Schaute bist. Welcher vernünftige Vater würde sein einziges Kind quälen, weil er dem Sohn seines vermeintlichen Beleidigers keine Freude machen will? Ich sage Dir, Faißel, Du bist nicht nur ein großer 212) Mittheilen. 213) Gelehrter.

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