Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 96 (4.12.1899)
- Date
- 1899-12-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1996 Sprache auch für weltliche Dinge anwandte. Von seinen philosophischen Schriften sei zunächst genannt Kether Malchouth, ein Gedicht, welches auf der Grenzscheide zwischen Poesie und Philosophie steht, sodann Mibchar Penin'm, eine Sammlung von Sprüchen und Sentenzen aus dem Talmud u. s. w. Sein Hauptwerk auf philosophischem Gebiete ist Mekor Chajim Die größten Philosophen feines Zeitalters zeigen sich wesentlich beeinflußt durch eine Schrift, die sie einem Christen Avicebron zuschrieben, welchen sie beinahe zu einem Heiligen erklärten. Durch die Forschungen Salomon Munks ist nachgewiesen, daß dies niemand anders ist als Gabirol. Der erste große Gedanke, den er aussührt, ist seine Behauptung von der Materialität auf der rein geistigen Substanz. Das Judenthum huldigt der Anschauung, daß der Zwüspall zwischen dem Körperlichen und Geistigen sich dadurch überwinden lasse, daß es das Körperliche erhebt in die Sphäre des Geistes. Spinoza hat diesen Gedanken ausgenommen, und ihn rein wissenschaftlich auSgebildet, daß das Körperliche und das Geistige nur die zwei Seiten eines und desselben Geschehens wären. Der Einfluß dieses pantheistischen Gedankens auf Göthe ist bekannt. Der zweite große Gedanke ist das Problem, das alle Religionsphilosophen beschäftigt hat: wie diese Welt, deren Unvollkommenheit wir täglich wahrnehmen können, sür welche Gabirol ein besonders geschärftes Auge bcsaß, betrachtet werden könne als die Schöpfung emes vollendeten allgütigen Schöpfers. Die Einen haben den „Logos" angenommen d. h. den Verstand. Die Welt fei nicht aus den Händen des Schöpfers direkt, sondern vermittelst des Logos hervorgegangen. Gabirol steht auf dem Standpunkt des Judenthums; seine Behauptung läßt sich aber schwer mit dem Juventhum vereinen. Auch er nimmt eine Vermittlung an, aber diese besteht seiner Ansicht nach nicht im Logos, sondern in dem Willen oder moderner gesagt der Kraft. Dies führt uns unwillkürlich zu Schopenhauer. Einer von dessen ersten Verehrern, Dr. David Asher, schrieb ihm, daß der Grundgedanke seiner Weltanschauung von diesem spanischen Juden ausgesprochen sei, woraus Schopenhauer in sarkastischer Weise ausrief: keieaut gui ante nos nostra dixerunt. Diese Wrllenstbeorie ist auch die Quelle für die großen Erfolge Nietzsches. Aus diesem historischen Ueberblick müssen wir lernen, GabirolS Gestalt im Hinblick auf das Judenthum zu erfassen, in welcher Größe, in welcher Weiiherzigkeit er die jüdische Weltanschauung ausgesaßt hat. Wir müssen von ihm lernen uns mit dem stolzen Bewußtsein zu erfüllen, daß das Judenthum zu vereinigen fei mit dem großen Gedanken der Menschheit, daß das Judenthum gastlich gewesen ist, diesen bei sich Eintritt zu gewähren, daß da-Judentum zwar eine unvergleichlich große Geschichte hat, aber doch nicht der Geschichte angehört, sondern als lebendige Leben weckende, Leben schassende Macht hinneinragt in die Gegenwart. Köln, 28. Nov. Wenn in der heutigen Zeit des Dampfes, Elektricität, des Ringens und Kämpfens um Geld und Güter, das Banner des Judenthums zur vollen Entfaltung kommt, so lohnt es sich wohl auf dieses Wahrzeichen der Lebendigkeit des Gottesgedankens hinzuweisen und freudig anzuerkennen. So will ich denn nicht unterlassen auf unsere schöne Rheinmetropole Ihre Aufmerksamkeit hinzulenken, woselbst in dieser Woche des Chanukkafestes sich Feier an Feier reiht. Den Anfang hiermit machte am Sonntag Nachmittag die große neuerbaute Synagoge, in der sich die Klaus-Gemeinde, ganz besonders aber die jüdische Jugend vollzählig einfand, um das schöne Fest zu begehen. Nachdem das Mincha-Gebet gesprochen und die Menauro entzündet waren, sang die Versammlung das Moaus zur. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Rosenthal das Wort zu einer begeisterten und entflammenden Rede, die er mit dem Psalmvers begann: "N fllKO "1 W’1! '-u '-T Gott ist mein Licht und meine Hilfe u. s. w. vor wem sollte ich mich fürchten. Mtt seiner wohlgelungenen Darstellung des Chanukkawunders verband Redner einen homiletischen Gedankengang über daffelbe. Dieses Wunder, das unseren Voreltern geschehen sei, habe sich in der Geschichte des Judenthums häufig wiederholt, das Kcüglein Oel, das uns stets ein Netter in den Nöthen und Drängniffen der Jahrhunderte ward, das ist die Thora, die Lichter seien die Mizwaus, die mit ihrer ewigwährenden Leuchtkraft die Nacht der Juden erhellten und sie befestigte und stärkte in ihrem Glauben; und der immer frisches, neues Olivenöl, d. h. Lebenskraft dem Judentbum verleihe, das sei Gott. Einen ganz besonderen Werth legte Redner auf seine Ermahnung an die Jugend, seine Schüler und Schülerinnen, stets der Bedeutung des Chanukkafestes zu gedenken, sich zu erinnern an die Heldenlhaien ihres Volkes, an jene Männer, die inmitten des Niederganges ihres Volkes, inmiten des Abfalls ihrer Glaubensbrüder, umdräut von Feinden, die ihr Heiligstes ihnen geraubt und entehrt hatten, sich kraftvoll erhoben, muthig dem Feinde gegenübertraten und sie mit Gottes Hüfe besiegten. Jene kleine Schaar von Gottesstreitern, die eine überwältigende Übermacht besiegte, sie sollen nur mit Stolz und Freude den Namen Jude tragen lasten und überall, wo es galt ein Jehudi Makkabi zu sein, da solle man das Banner des Juaenthums entrollen und im Vertrauen auf die Hilfe Gottes kämpfen und der Sieg wird nicht fehlen. Redner wies auf den Namen Makkabi, den Hammerer hin