Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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6 such der Schule einem jungen Mädchen verschaffen konnte. Für sie hiess, eine Schule besuchen, Französisch oder Englisch lernen, um dann auszuwandern und sein Glück zu machen. Was hat also ein Mädchen nöthig, eine fremde Sprache zu lernen? Was anlangt, sich Kenntnisse im Nähen, Sticken und in Arbeiten zu verschaffen, die für eine Frau einen Broderwerb und nützlichen Zeitvertreib bilden, so war das Alles bis dahin für die B agdade rinnen ein niedriges, entehrendes Geschäft. Die Schule sollte durch ihre schnellen Erfolge alle diese Irrthümer verificiren und sich allgemeine Sympathie erwerben. In der That, die schlecht gewaschenen Kinder wurden bald nett gekleidete Mädchen, die glücklich sind, wenn sie sich in die Schule begeben. Wir Hessen sie allmählich den Schnitt ihrer Kleider ändern, indem wir ihnen als Belohnung die Anfertigung eines Kleides „ä la franca“ versprachen; man lehrte sie die Moden; man zeigte die Arbeiten in jedem Hause, und Niemand dachte mehr daran, eine angesehene Frau, die die Nadel in der Hand hatte, als minderwerthig anznsehen. Man näht, man stickt jetzt in Bagdad, und was noch mehr ist, man flickt und bessert aus, was früher in Bagdad unbekannte Dinge waren. Diese materiellen Erfolge würden nicht genügt haben, wenn wir nicht zu gleicher Zeit den moralischen Einfluss unserer Schule hätten konstatiren können. Unsere jungen Mädchen sind besser erzogen, einfacher, gefälliger geworden. Wir haben in ihnen das Gefühl menschlicher Würde und Sittsamkeit entwickelt, und das verleiht ihnen eine UÜberlegenheit über ihre Mitbürgerinnen. Ihre Haltung ist keine nachlässige, sie haben verstehen gelernt, dass ein anständiger Mensch tadellos sieb selbst gegenüber sein muss. Das landübliche Kostüm wird nach und rach abgelegt, man nimmt freiwillig das europäische Kostüm an, das man für besser hält, und der Augenblick wird bald kommen, wo der ganze Nachwuchs sich so kleiden wird. Man braucht alsdann Näherinnen; sollten wir nicht ein Atelier bilden und eine Werkstatt eröffnen, die mit einem Lehrlingsheim verbunden ist? Thatsächlich würden die Näherinnen der Stadt allein nicht mehr allen Anforderungen genügen können, so zahlreich wären die Arbeiten; wir würden also eine gute Kundschaft haben. Uebrigens würde man sich nicht nur in dieser Werkstatt mit Nähen beschäftigen, sondern mit allen Handarbeiten, Goldstickereien u. s. w., kurz mit Allem, was im Lande gemacht wird. Unter Leitung einer guten Lehrerin würde der Geschmack unserer jungen Arbeiterinnen sich bilden, und wir würden die saubersten und originellsten Arbeiten liefern. Das Lehrlingsheim, so wie es sich entwickelt hat, weist nicht alle die Resultate aut, die es ergeben könnte, und zwar wegen der Schwierigkeit, die man bei der Bewachung der Mädchen bat. Sie sind zerstreut und, auf guten Glauben hin, bei Lehrerinnen untergebracht, auf die man nicht immer zählen kann. Einmal in der Werkstatt, würden die jungen Mädchen beständig unter unseren Augen arbeiten; die gute Disciplin des Ateliers, die Rathschläge der Direktorin würden sie dabei unterstützen, eine hinreichende Arbeit zu liefern, die ihnen einen Broderwerb sichern würde; zu gleicher Zeit würde es eine Einnahmequelle für das Heim sein. Mit der Zeit wird die Mädchenschule in Bagdad die Entwickelung nehmen, die sie gestattet. Sie ist in gutem Staude, sie geniesst eine hervorragende Stellung, und ich bin überzeugt, dass durch sie nicht nur eine moralische Hebung der Frau sehr rasch sich vollziehen wird, sondern dass sie ihre wohlthätige Wirkung auf die Gesammtheit ausüben wird.“ Jaffa. Herr Ni ego, »Direktor der Ackerbauschule von Jaffa, schreibt dem Central- Comite unter dem 16. April d. J.: Seit 3 Tagen werden unsere Gärten (Orangen-, Wein-, Melonen-, Oliven- und Maisgärten) von Schwärmen von Heuschrecken heimgesucht, die in Massen von Osten durch den Flugsand kommen. Schüler und Personal sind Tag und Nacht damit beschäftigt, diese schädlichen Insekten aufzulesen und zu vertreiben. Bis zum Augenblick ist der Schaden unbedeutend, aber wir fürchten, dass die Weibchen ihre Eier auf unser Terrain legen werden, und dass die auskriechenden Jungen unsere Weinberge und Gärten verwüsten werden. Ich lasse den Gang der Dinge auf eine oder zwei Wochen unterbrechen, um Gräben anzulegen, die Eier aufzulesen, kuiz, um die Ausrottung vorzubereiten. Der Uebeifall ist fast allgemein im ganzen Lande. Eine spätere Mittheilung tlieilt dem ComitG mit, dass „Mikweh-Iisrael“ ganz frei von Furcht ist. Vorbereitungsschule. Am Sonntag, den 2. Juli ds. Js., hat in Auteuil in der Knaben-Vorbereitungsschule die Einweihung des neuen Betsaales stattgefunden, den die Vermehrung der Zahl der Schüler notliwendig gemacht hatte. Das Central-Comite hatte die Konsistorien, das Rabbinat von Paris und die Verwaltungen der Wohlthätigkeitsanstalten, sowie der Pariser Gemeinde eingeladen. Nach dem Minchaligebete und einigen von den Schülern gesungenen Liedern hielt Herr^Oberrabbiner ZadocKahn eine treffliche Ansprache, in der er auf das