Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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1502 ManneS ist, der auch in dem Verdachte stand, die Anna Hruza ermordet zu haben. Präs-: Waren Sie dabei, als die Leiche der Hruza gesucht wurde? — Zeuge Nein, aber wie sie gefunden wurde. — Präs.: Wann war das? — Zeuger So etwa gegen 10 Uhr Vormittags. Präs.: Was haben Sie gesehen? - Zeuge. Ick habe eben eine blutige Leiche, die dort lag, gesehen. Tie Leiche lag mit dem Gesichte gegen die Erde. Ich sab nur einen Fuß, denn es war ein großes Gedränge um die Leiche herum. — Präs. : Waren viele Leute dort? — Zeuge: ES war eine Wache dort, welche nickt Jeden zuließ. «ine Rote -er Polizei-Direktion Prag. Der Präsident verliest nun eine Note der Polizei- Dii ectton Prag, swelche sich aus die beiden Photograpbieen bezieht, die der Präsident den Zeugen gezeigt hatte. In dieser Note nird dem Preisgerichte Kuttenberg mitgetheilt, daß ein Mann Namens Franz Weir eine Frauensperson, eine gewisse Klafcha, an der er auch ein Sittlichkeits-Attentat versucht habe, umgebracht habe. Dieser Mann, etwa 2b bis 30 Jahre alt, sei wegen Vergewaltigung, Diebstahls. Veruntreuung und anderer Delsite wiederholt zu schweren Kerkerstrafen verurteilt gewesen. ES sei die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß er zur sritischen Zeit sich in der Umgebung von Polna aufgehalten und den Mord an der Agnes Hruza verübt habe. Dieser Mann wird, wie die Note besagt, gegenwärtig wegen MordeS steckbrieflich verfolgt. Der Bericht des delegirte« Richter-. Tie Geschworene haben die Vornahme eines LocalaugcnscheineS abgelevnt, und es wurde in der Person des GerichtSsecretärS Dr. Baudisch auf Beschluß des Senates ein Delegirter entsendet, dessen Bericht nunmehr zur Verlesung kommt. In Begleitung des delegirte» Richters befand sich der Schriftführer Pokorny, ein Baumeister aus Kuttenberg, zwei Gendarmen und der Zeuge Pechak, welcher, von einer Stelle der Straße aus, auf eine Entfernung von 600 Schritt, am WaldeSrand Hilsner gesehen und erkannt haben will; hinter ihm seien im Gebüsch noch zwei andere Männer gestanden, die dem Zeugen unbekannt waren. An jener Stelle wo HilSner damals gestanden sein soll, wurde der Schriftführer Pokorny, in ein;raueS Gewandt gekleidet, aufgestellt und ein anderer Mann, der ein dunklen Anzug trug. Von den ausgestellten Personen wh man nur undeutliche Umrisse. Erkennen konnte man sie aber nicht. Ttr eine Mann war wenigstens als Person kenntlich Der Andere war absilut nicht zu sehen. TaS war um drei Uhr Nachmittags bet völligem Sonnenschein. Um sechs Uhr Abends wurde abermal ein Augenschein vorgenommen, und bei dieser Gelegenheit wurde die Figur des Pokorny erkannt. Die der zweiten anfgestellten Person war nicht zu erkennen. Die dunklern Farben waren von den lichteren genau zu unterscheiden. „ES ist also zuzugeöen," schließt der Bericht, „daß um 6 Uhr nach Gestalt und Bewegung von der Stelle aus, wo Pechak gestanden sein will, b s zu jenem Platze, wo Hilsner gestanden sein soll, Personen wohl zu erk'nncn waren, nicht aber daS Gesicht der Personen. Die Enfernung zwischen diesen beiden Punkten wurde genau gemessen. Sie beträgt 690 Meter, also viel mehr als 600 Schritt." Starker Widerspruch zwischen zwei Zeugen. Alnächster Zeuge wirb der Arbeiter Struad vernommen, der bezeugen soll, daß er den Beran am 29. März gesehen habe. Präs.: Kennen Sie den Juden Beran? — Zeuge: Nein, ich habe nur auf dem Ringplatze in Polna einen Juden gesehen, der ungefähr 40 Jahre alt gewesen lein mochte, vielleicht auch darüber. Er hatte einen dunklen Bart und hinkte auf einem Fuße. — Präs.: Was für Augen hatte der Mann? — Zeuge: Er hatte große Argen. — Und was für Nase? — Zeuge: Eine große, lange. — Präs.: Beschreiben Sie ihn sonst. — Zeuge: Er sah aus wie ein Affe. - Präs.: Wo haben Sie Hilsner gesehen? — Zeuge: Ich habe ihn vom Fenster aus mit noch anderen Zeugen gesesen. Präs.: Also jener Jude war auch dabei? — Zeuge: Ja, Hilsner, der Häßliche und noch ein Jude. — Präs.: Erzählen Sie weiter— Zeuge: Als der Mord aufkam, fragte ich Hilsner: „Wer waren die beiden Herren, mit denen Sie damals gegangen find?" Präs, (zum Angeklagten): Nun, Hilsner. waS sagen Sie dazu? Zeuge (zum Angeklagten): Was, Hilsner, damals fragte ich Sie so, und Sie sagten zu mir, ick soll um Gotteswiven nicht weiter fragen, Sie wissen von dem Morde nichts? (Stürmische Rufe: Aha!) Präsident ruft Beran vor und fragt den Zeugen, ob bas der häßliche Jude sei, den der Zeuge damals gesehen hat, was Struad verneint. Bertheidiger. Sie haben also den Hilsner damals am Abende gesehen? — Zeuge: Ja, um 2 Uhr. Bertheidiger: Und zwar wo? — Zeuge: Auf dem Berge. Präs.: Und Zink wollte den HilSner um dieselbe Zeit auf dem Ringplatze gesehen haben, um welche Sie ihn auf dem Katharinenberg« gesehen haben Bertheidiger: Und Zink sagt. Hilsner hat einen dunklen Anzug getragen, und die er Zeuge logt, er trug einen grauen Anzug. Wer von Beiden hat sich also geirrt? (Große anhaltende Bewegung) Zink und Strnad werden einander gegenüoergestellt. Beide verharren bei ihren Aussagen. Verth. Also Herr Strnad, Sie können unter Eid aussagen, daß Sie um 5 Uhr Nachmittags den Hülöner in einem grauen Anzuge auf dem Kalharinenberge gesehen haben? — Zeuge. Ja. — Verth. Und Sie» Herr Zink, können unt>r Eid auSsagen, daß Sie am gleichen Tage um 5 Uhr Nachmittags den HülSner in einem blauen Anzuge auf dem Ringplatze gesehen haben? — Zeuge. Ja. Verth. Ich danke sehr, meine Herren. DaS ist sehr bezeichnend. ^Lang anhaltende Bewegung.) Beide Zeugen betheuern wiederholt, die reine Wahrheit gesprochen zu haben. Präs. Daß ihr Beide die Wahrheit gesprochen habt, ist nicht möglich, denn ihr könnt ja nicht Beide den Hüloner zu gleicher Zeit an verschiedenen Orten und in verschiedenen Kleidern gesehen haben. (Schluß in der fünften Beilage) Verantwortliche Redactton: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'schen Hofbnchdruckerci-Acttev-Gescllschoft in Mainz