Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449022--49118-2499568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

iw . v" iji»ii'jiL.. 1591 geht zu dem Gerichtsarzte hin, um ihm etwas zu zeigen, wobei neuerlich Gelächter ausbricht. Vertheidiger: Wie groß ist die Entfernung der Wirbel faule von der Entfernung des Halses? — Sachverständiger: Das kommt auf die Lage des Kopfes an?— Vertheidiger: Ich meine bei normaler Lage. — Sachverständiger: Eiiva 5 Zentimeter. — Vertheidiger: Konnte da die Wunde nicht mit einem großem Taschenmesser beigebracht worden sein? — Sachverständiger: Das ist nicht möglich. — Vertheidiger: Sic sagten auch, Herr Gerichtsarzt, daß die Kleider von dem Körper heruntergerissen worden waren, und im Zusammenhänge damit, daß der Körper blutleer war. Ist es nun nicht möglich, daß die Kleider während oder nach der Zeit, als der Schnitt geführt wurde, herabgerissen wurden? Sachverständiger: Das ist nicht möglich, denn danu U'ären sie vom Blute bespritzt gewesen. Vertheidiger: Aber das Hemd war ja mit Blut getränkt? Sachverständiger: Das Hemd war blutig. — Vertheidiger : Warum hat also der Mörder das Hemd heruntergenssen? Wäre es doch nicht vielleicht möglich, daß die Hruza erst nach dem Morde entkleidet wurde? — Sachverständiger: Das ist nicht möglich. — Vertheidiger: Za warum nicht? — Sachverständiger schweigt. Vertheidiger: Kamen Sie zugleich mit der Kommission an den Thatort? - Sachverständiger: Za wohl. — Vertheidiger: Sie haben also auch gesehen, daß die Leiche ein Tuch um dcn Kopf gewunden hatte? — Sachverständiger: Za. — Vertheidiger: Auch das Hemd und der Rock waren über den Kopf gebunden? — Sachverständiger: Ja direkt, am Kopte der Rock, obenauf das Hemd. — Aber im Befunde steht daS umgekehrt, nämlich obenauf der Rock, un'en das Hemd. — Sachverständiger: Darüber kann ich keine Aufklärung geben. Präsident nimmt deir Act des gerichtsärztlichen Befundes und verliest die betresseude Stelle, auS welcher hervorgeht, daß sich die Sache so verhält, wie der Vertheidiger eS angegeben hat. Sachverständiger: Wollen Sie vielleicht daraus deduciren, daß alles Blut im Hemde war? — Jedenfalls war Blut im Hemde^ — Sachverständiger: Das läßt sich ja eanstatiren, die Sachen sind ja hier. Tie Kleidungsstücke und das Hemd werden auögeoreitet besichtigt und den Geschwornen gezeigt. — Vertheioiger. Ich bitte zu eonftatiren, daß auch der Rock blutig ist. Sind das (auf den Rock deutend) Blutspuren cder nicht? — Sachverständiger: Za, aber nicht so viel, um aunehmen zu können, daß damit alles But gefunden ist. Uebrigens kann der Rock von den Kopfhieben blutig geworden sein. — Vertheidiger (erregt): Was, die H ebe über den Kopf haben den Rock blutig gemacht? Hat denn die Hruza die Röcke auf dem Kopfe getragen? (Gelächter) — Sachverständiger (ebenfalls erregt): Und ich behaupte trotzdem, daß es so ist. Der Präsident sucht Beioe zu beruhigen. — Vertheidiger: Ich weiß, daß das behauptet wird, ich weiß auch, welche Schlüsse daraus gezogen werden, und deshalb muß ich diese Sache urtheilen. Die Kleider werden abermals besichtigt und der Vertheidiger beharrt auf der Schlußfolgerung, daß die Leiche nicht vor dem Hatsschuttre entkleidet worden sein konnte, weil sonst der Rock unmöglich hätte blutig sein können. Ein Geschworener: Ist es nicht möglich, dem Ausrinnrn des Blutes durch irgend eine Lage des Körpers nachzuhelfen? — Sachverständiger: Das zu beantworten schlägt nicht in mein Fach. — Geschworener: Ich möchte nämlich nur wissen, ob man nicht dadurch, daß mau dem Körper eine, gewisse Lage giebt, dem schnellen und vollständigen Ausfließen des Blutes nachhelfen kann. — Sachverständiger: Natürlich. Wenn der Körper an den Füßen aufgehängt wird, unterstützt daS die Blutung. Ein anderer Geschworner: Ach ja, die Füße ragten ja in die Höhe. Ist eS aber nicht möglich, daß das Mädchen sich mit den Füßen wehrte, einer der Thäter ihr die Füße hielt und dieselben dadurch in die Höhe gehalten wurden, während (in zweiter den HalSschnitt führte? — Sachverständiger: Das kann ich mit Bestimmtheit wohl nicht sagen, aber ich glaube nicht, daß in diesem Falle die Füße so emporstehend geblieben wären. Präs.: Sie sagten auch im Befunde, daß die Leiche, als sie gefunden wurde, ganz frisch war. — Sachverständiger: Ja, sie war ganz frisch. — Präs.: Wie ist das möglich? Die Leiche lag doch seit Mittwoch dort und zeigte keine Spur von Verwesung. — Sachverständiger: ES war sehr kühl und dann war ja die Leiche ganz blutleer! Dr. Baxa: Ist eS nicht möglich, daß der Mörder die Füße des Opfers so emporhielt, um daS Blut vkffer auS dem Körper auSrinnen zu lassen? — Sachverständiger: Dos kann ich nicht sagen, glaube aber, daß diese Lage nicht mit Absicht gewählt wurde, sondern daß die Hruza beim Niederfallen so au'schlug, daß der Körper dadurch in diese Lage kam. Damit ist die Einvernahme des zweiten Gerichtsarztes beendet, und es wird das Zeugenverhör fortgesetzt. Es sind, wie der Präsident mitthrilt, noch 22 Zeugen anzuhören. Eine Zeugin Katharina Suocek sagt au-, daß sie den Hilsner mit zwei fremden Juden gesehen habe, wovon aber keiner der Beran war. Amalia Schubert auS Jamna erzählt, sie habe einen Mann mit einem fürchterlichen Blick gesehen, der aber n cht der HilSuer war. Präs.: zeigt 2 Photographien, auch daS sind die Betreffenden nicht. Der nächste Zeuge ist der Pfarrer Ferdinand Wlezek aus Polna. Er gibt an, daß er Hilsner kenne. Der Zeuge wird beeidigt. Präs.: Waren Cie auch am Mittwoch in der Osterwoche spazieren? — Zeuge: Za. ich glaube, es war am 22. März — Präs.: Wie spät war es da? — Zeuge: Etwa zehn Minuten vor 5 Uhr. — Präs.: Was sahen Sie da Außergewöhliches? — Zeuge: Ich traf den einen Mann mit einen runden Gesicht. Er trug lichte Kleider und einen runden Hut. Er machte einen unliebsamen Eindruck auf mich. Als ich zum Steg kam, wendete ich mich um; er war wieder zum Walde zurückge'ehrt, als ob er auf etwas warlen würde. Präs.: Was für einen Eindruck machte der Mann auf Sic? - Zeuge: Er hatte ungewöhnlich große, scharfe Augen und machte einen schlechten Eindruck auf mich. Sonst lvende ich mich nie nach Jemanden in Polna um, aber nach tiefem Manne blickte ich, denn er schauete mich so strenge und scharf au, daß ich verblüfft war. — Präs.: Griff der Mann in die Tasche? — Zeuge: Nein. — Präs.: Aber Sie griffen in Ihren Sack? — Zeuge: Ja, ich griff in die Tasche, wo ich meinen Revolver hatte, denn seit ein Caplan bei uns ermordet wurde trage ich immer einen Revolver bei mir. — Präs.: War der Mann nicht der Hilsner? — Zeuge: Nein, der Hilsner war eS nicht. Präs. -° Ich habe hier ein Bild. Sehen Sie eS sich an. Ist das vielleicht der Mann? Der Präsident gibt dem Zeugen daß Bild deS Prager Mörders. Zeuge (es betrachtend): Er könnte es sein. Das Bilv ist ähnlich! — Präs.; Ist er es? — Zeuge: Er scheint es zu sein, aber bestimmt ist es wohl nicht. Aehnlich ist das Bild jedenfalls. Vertheidiger: Hinkte der Mensch? — Zeuge: Dakann ich nicht sagen. Einen schleppenden Gang hatte er sicherlich. Ter Präsident gibt nun die Photograhpie des Mannes den Geschworenen und erklärt» daß es die Photographie eines wegen mehrfachen Mordes steckbrieflich verfolgten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.