Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 38)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449022--49117-2499567
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wx.^WM^^MMWWWM!KWMMzM^ 1590 Präs. Eermak, wer ist das? — Zeuge- Mir scheint. . . Präs. Was heißt das: Ihnen scheint? — Der Zeuge verließt nun ein Berzeichniß von 27 Zeugen von einem Zettel herab, welche sämmtlich auösagen sollen, daß sie den Beran gesehen haben. Verth. Sie behaupten, Herr Zeuge, daß der Bruder des Hülsner vollkommen nüchtern war? — Zeuge Als er forkging, war er ganz nüchtern. Verth. Stammt der Artikel im „Deutschen VolkSblatt" über den Besuch in Meferitsch von Ihnen, Herr Zeuge? — Zeuge. Ja Verth, (erstaunt.) In diesem Artikel haben Sie selbst gesagt: ..Nach dem ersten Glase war ,.Jlstg" lustig, nach dem z weiten war er gesprächig, nach dem dritten angeheitert u. s. w. dann erzählte er Sachen, daß unser Haar sich sträubte. ..." — Zeuge- Ganz richtig. Verth Wie stimmt das? - Zeuge verlegen.) Sie werden ja bemerkt haben, Herr Doktor, der ganze Artikel war ja nur eine große Frozzelei Ich habe die Leute ja nur gefrozzelt' Verth. Das ist sehr traurig, daß man einen Artikel über eine so heikle Sache schreibt und nachträglich wenn die Dessentlichkeic von diesem Artikel beeinflußt und ein Mensch unglücklich gemacht ist, sagt: „Es ist nur eine Frozzelei!" - — Wenn die Artikel des „Deutschen Volksblan" alle solche Frozzeleien sind-Bewegung.) Damit ist bas Verhör dieses Zeugen beendet. Der Dolmetsch, Fabrikant Nowotny, gibt an „nicht viel gehört zu haben." Praß: Aber Sie mußten doch hören, wenn Sie den Dolmetsch machten'. — Zeuge: Die Herren dachten, man werde hören, aber man hat nichts gehört. Präs : Etwas aber haben Sie doch übersetzt? — Zeuge: Der „Jtzig" erzählte, daß Berarr am 29. M. rz bei Hülsuer geschlafen hat; von Kurzweil hat er es nicht zugegeben Dann aber muß der „Jtzig" schon betrunken gewesen sein, denn er sagte wieder, daß Beran nicht dort geschlafen hat, denn wieder: „Ter Poldl hat es nicht gemacht: der, der ee> gemacht hat, ist sch n lange fort. (Bewegung ) Verth.: Herr Schwer sagte hier. Moriy Hülsner hätte erzählt, daß Kurzweil zwei Nächte bei Hülsnerö übernachtete- Sie sagen jetzt wieder, von Kurzweil wollte er das nicht zugeben. Zeuge: „Jtzig" hat das alles geleugnet, hat überhaupt alles durcheinandergeworfen. Verth.: Nun, wenn man solch einem Burscheu so viel drein gibt! Zeuge. Ich bitte, er war nicht betrunken, so viel ich gesehen habe. Präs- (zum Angeklagten): HülSner, was sagen Sie dazu? Der Ang : Beran war nicht bei uns- Zeuge : Jetzt erinnere ich mich noch, daß Jtzig gesagt hat: „Der Beran muß früher aus dem Arreste entlassen worden sein." (!) Nun wird der Zeuge Beran vernommen. Vräs.: Sie waren verurtbeilt? — Zeuge: Ja. Präs.: Wann haben Sie die Strafe angrtreten? — Zeuge: Am 20. März, gleich nach dem Urtheil. Präs.: Um wieviel Uhr? — Zeuge: Um 9 Uhr vormittags. Am 29. März kam ein Telegramm vom Ehrudimer Kreisgericht, ich solle nur so lange zurückbehalten werden, als die Strafe dauert, dann aber angcben, wo ich mich aufhalten werde. Am 30. März wurde ich entlassen und ging zum Rabbiner, um mich für ein mir gesendetes Almosen zu bedanken. Dann war ich mit einigen Burschen zusammen, an die Ich mich nicht recht erinnere, aber den Hülsner traf ich unter denselben. Beim Weggehen vcrabschieoete ich mich bei ihm und habe ihn dann nichl mehr gesehen. Erst als ich nach Deutsch-Brod ins Krankenhaus kam, kamen auch zwei Raseure hin und erzählten von der Mordthat. Ich sagte, das müsse nur jemand aus Rache gethan haben. Später erst hörte ich alle anderen Aeußerungen. Präs. Eine ganze Reihe von Zeugen will Sie am 29. März in Polna in Freiheit gesehen haben. — Zeuge. Das muß ich cutfchiedeu bestreuen, denn ich habe die Zelle nicht früher verlassen, als bis meine Strafe beendet war. Präs. Ist Ihnen nichts von der Strafe geschenkt worden? — Zeuge. Nicht eine Stunde. Der Präsident verliest aus dem Strafprotokolle des Bezirksgerichtes Polna, daß Beran wegen Bagabondage zir zehn Tagen Arrests vcrurtheilt war. Am 29. März wurde er aus der Strafhaft dem Bezirksrichter in Polna vorgeführt. Dr. Baxa (zum Zeugen). Warum waren Lie denn im Krankenhaus? -- Zeuge. Ich hatte einen Ausschlag über den ganzen Körper. Dr. Bara. Sie sollen aber viel phantasiert haben und sehr aufgeregt gewesen sein. — Zeuge. Ich werde Sic, Herr Dr. Bara, zur Verantwortung ziehen, denn ich habe in der „Eeöka Politika" gelesen, was Dr Baxa über mich behauptet. Ich könille keine Katze tobte», geschweige ein armes Mädchen! Dr. Bara beantragt, daß dieser Zeuge nicht entlassen lvird, weil er morgen mit den Zeugen, die ihn an 29 März in Freiheit gesehen haben wollen, eonfrontiert werden soll. Die nächste Zeugin, Anna Benesch, war die Geliebte Hülsners. Es stellt sich heraus, daß sie mit ihrem Willen ein Liebesverhältnis mit Hülsner unterhalten hat. Vierter Berhandlirrrgstag Dr. Prokasch Gcrichtsarzt, lagt aus, daß die Leiche blutleer war und daß die Mörder die Kleider deS Dpfers absichtlich besciiigk haben, um bcgueuier das Blut erhalten zu können. Der Sachverständige Dr. Mihalek Präs: Was für Wunden haben Sie an der Leiche der Hruza gefunden, was resultirte aus dem Befund und was für Folgen halten die Wunden? — Dr. Mihalek: Wir fanden tödtl'chc und lebensgefährliche Wunden. Tie hauptsächlichste Wunde war die Sebnittivunoc am Halse. — Präs: Sie machen einen Unterschied zwischen Haupt- und Nebenwunden? — Dr. Mihalek: Ich halte für die Hauptwunde jene, auf welche das größte Gewicht zu legen ist. Der Sachverständige äußert sich nun über die einzelnen Verletzungen und über die Schnur, die ihm der Präsident vorweist. Seine Ausführungen bleiben jedoch im Zuschauerraume in Folge der Unruhe unverständlich. Dr. Mihalek führt aus, daß noch eine Reihe von Verletzungen an der Leiche constatirt wurde, Quetschungen, Risse, Hautabschürfungen, Contusionen, die alle nach dem Tode der Leiche zugesügt wurden, als diese durch das (Gestrüpp getragen wurde. Vertheidiger: Bei der Anwesenheit so vieler Leute, die nach dem Bekanutwerden des Mordes diesen Weg gegangen sind, hätte es sich wohl schwerer constatiren lassen, ob die Zweige nicht von Leuten geknickt wurden. Sie sagten auch Herr Doctor, im Befunde, es sei möglich, daß der Strick mit dem Messer in die Wunde gedrückt wurde. Wie ist das damit vereinbar, daß Sie die Ränder der Wunde andererseits als ganz glatt bezeichnen? Hätte der Strick nicht den Rand der 'Wunde beschädigen müssen? — Sachverständiger : Der Theil des Strickes, der in die Wunde eingedrückt war, ist so dünn wie eine Violinsaite.. Während di cker kontroversen lachen das Publikum und ein Scheck der Journalisten unaufhörlich. Der Vertheidiger

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.