Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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WMWWWMNW 1589 Präs. Sie sagten Sie fürchteten sich, die Arbeit bei den Juden zu verlieren; wie ich aber höre, hatten Sie von Juden überhaupt keine Bestellungen. ßeur.e Doch, während Der Winterszeit. Präs. Sie sollen ja gar nicht selbstständig arbeiten? — Zeuge. Weil ich auch eine Wirthfchaft habe, arbeite ich im Sommer nicht. — Präs. Wie haben denn die zwei Begleiter des HülSner auSgesehen? — Zeuge. Herr Präsident, ich must ,i eine Aussage von der Voruntersuchung abändern, denn jetzt will ich nicht lägen. Ich habe geschworen. Den Einen habe ich nicht gut gesehen, der Andere aber war stärker und breitschulteriger als der HülSner. — Präs. Das haben Sie früher ganz anders gesagt! — Zeuge. Ja, jetzt aber sage ich die Wahrheit; denn ich will meinen Schwur nicht bemakeln. Verth Dr. Aurcdnicek. Haben Sie die Leute dort gesehen, wo der Mord geschaht — Zeuge. Nicht dort, sondern auf dem Fußwege — Verth. Dort ist ja eben der Mord geschehen. Bei welchem Juden haben Sie denn gearbeitet? — Zeuge Daran kann ich mich nicht erinnern. — Verth. Wenn Ihnen aber an der Kundschaft so viel gelegen ist, sollten Sie sich doch erinnern können. — Zeuge. Gehen Sie hin uns fragen Sic. (Heiterkeit.) Präs. Geben Sie dein Herrn Vertheidiger nicht solche Antworten. Sagen Sie einfach „Nein'", wenn Sie nicht antworten wollen. Hülsner best'eitet, daß Pechak ihn gesehen habe. — Die Zeugenaussagen sind nicht von Belang, da sie alle auf dasselbe hinauslauscn. ie haben Hülsner alle geseben. wissen aber nicht wann und wo. Der Zeuge Franz Wessely hat zwar in der Voruntersuchung angegeben, daß er kein Schächtmesser bei HülSner gZehen hat, nun abeweiß er cS ganz genau es war ebenso breit als lang, ohne Spitze zu beschreiben. Der Zeuge gibt als Grund des Widerspruchs an,daß der Untersuchungsrichter ihm Furcht (!) eingeflößth che und so habe er (Zeuge) alles unterschrieben Diese Aeußerung über einen Richter wird von den antisemitischen Journalisten mit lauten Rufen begleitet, die aber vom Präsidenlen nicht gerügt werden Nach weiteren Zeugeuaussageu von minderer Bedeutung schließt der Vorsitzende die Verhandlung. Dritter Berhan-lrrngstag. Donnerstag, 14. Juli. Der dritte Ve Handlung tag brachte die „Uiöee re^istance“ deS Prozesses, die vom „Deutschen Volksblatt' so pompös angekündigte Einvernahme ihres Redakteurs Schwer. Sie fiel kläglich aus. Am Vormittag drehte eS sich um den Antrag des Verthetdigers wegen deS Localaugenscheine-. Dieser wurde, trotz der energischen Einsprache des Vectheidigers, akgelehut. Dann wurde der Sachverständigenbesunv verlesen und die Sachverständigen vernommen. Diese sagen mit aller Bestimmtheit auS, daß die Flecken auf der gefundenen Hose von Menschenblut herstammen, gaben jedoch zu, daß die Unterschiede der Zellengewebe von Menschen- und Thierbliit sehr klein feien! Ter Antrag deS Vertheidigers auf Einholung eines FacultätgmachtenS wird ebenfalls abgelehnt. Tie „sensationellen" Aussagen des NedacteurS Schwer beginnen mit dessen Erzählung über seine Recherchen in Polna. „Ick will," sagt Zeuge, „den Grund angeben, warum ich dort war. Als der Mord an der Hruza aufkam. haben wir einen Artikel veröffentlicht, in welchem der Schächter Kurzweil aus Göltsch-Jentkau beschuldigt wurde, einen Mord begangen zu haben. Da er infolge dessen klagte, mußten tvir alles aufbieten um es ihm zu beweisen. Deshalb wurde ich nach Polna geschickt, um diesbezüglch Erhebungen zu pflegen. Ich mußte also alle Momente ins Auge fassen un die verschiedensten Personen einvernehtuen. Jnrmer stieß ich auf die Namen, den Kurzweil den Beran und den Hülsner. DaS Material habe ich dem Herrn Dr. Baxa übergeben. Es klappte alles. Unter anderem ließ ich mir auch den Zeugen und eine Frau kommen, welche hier angegeben haben, daß ich sie vernommen hätte, un' befragte sie lieber Leopeid Hülsner habe ich kein Wort gesprochen. Da ich der böhmischen Sprache nickt vollkommen mächtig bin ersuchte ich ei"en Herrn, er möchte mit mir gehen, da der Herr Schic wieder nicht genug de tsch kann. Wir gingen also zusammen nach Groß- Meseritsch. wobei Schic mitging. Schie sagte: „Mir sagt der Moriz alles, ich bin wie sein Vater. Was der mir schon alles gesagt hat!" Wir gingen also zusammen wo wir den Knaben anssragten. Jtzig hat zugegeben, daß Beran bei HülSnerS verschla en hat. Wie ich dann draußen stehe, sehe ich einen Juden herankommen Ich glaub bk' stimmt es war Beran. Präs.: Also bei dieser Gelegenheit haben sie den Bnrschcn auSgefragt? — Zeuge: Ich habe kein Wort mit ihm gesprochen, sondern der Schic hat mit ihm gesprochen Präs.: Wer war der Herr, der mit Ihnen als Dolmetsch mitging? Zeuge: DaS war der Fabrikant Rowolnv Präses.: Hat der Bursche Wein getrunken? — Zeuge: Ja, aber er ja nicht betrunken. Er ist ganz nüchtern wegqegangen. AlS wir weggingen! sagte Schic: „Mir ist leid um den armen Burschen, denn er kann ja nichts dafür. Moriz schreibt mir oft, ich möchte ihn wieder zu mir nehmen, aber der Hausherr Netsmann hat eS nicht gestattet" Präs.: Sie sagen, Sie haben den Beran gesehen. Wie ist das möglich, er war ja eingesperrt! — Zeuge: Ich kann Zeuge! da'ür aniühren. daß er nicht cingesperrt war, vielleicht wurde er früher entlassen. Ich kenne noch andere Juden, die früher entlassen wurden, a's sie entlassen werden hätten sollen. Auch Zink soll den Beran gesehen haben Der Präsident verliest ein Telegramm deö KrciSgerichtes Chrlidiin an das Bezirksgericht in Polna/. in welchem ersucht wird, es möge!intervenirt werden, daß Beran angebe. wo er sich im nächsten Monate befinden werde Dieses Telegramm ist in Chrudin am 60. März aufgegeben. Der Präsident theilt weiterS mit, daß sofort nach Eintreffen des Telegrainmeö in Polna Beran dem BezirkSrichter aus der Haft vorgeführt wurde, »voraus erhellt, daß er sich zur Verbüßung seiner zehntägigen träfe, ans der er am 6 >. entlassen wurde, am 29. noch im Arrestl befand. Zeuge. Ich kann Zeugen namhaft machen. Präi. Aber um Gottesmisten' Da ist ja doch eine amtliche Urkunde mit genauer Unterschrift, datirt vom 30. März. Wie kann der Beran in der Nacht vom 2p. ans den 30. vei Hülsner geschlafen haben, wenn er sich im Arrest befand? — Zeuge 0 s ist doch so! Präs, 'außer Fassung): Aber Herr Zeuge'. Aber um GotteSwillen! Selbst wenn Sie dreißig Zeugen bringen! Da ist ja doch eine Urkunde von einem Beamten unterschrieben, den ich kenne, ein Herr Karasek, der hier Auscultant war' — Zeuge: ,-ch Herme mich auf meine Zeugen Präs. Warum das diese Zeugen Hgeu. weiß ich nicht, aber ich muß dieser Urkunde glauben. Dr- Baxa- Vielleicht sollte man über diese Urkunde Nachforschungen pflegen. Präs Das ist eine Verdä htigung des Beamten Karasek! Dr. Baxa: ES müßte aber doch aufgeklärt werden, wie sich die Sache verhält! Präs, (bai sch). neunen Sie mir jene Zeugen, welche Beran am 29. März gesehen haben wollen! — Dr. Baxa. Ich weiß es nicht. Präs, «zum Zeugen). Also wissen Sie sie, Herr Schwer? Zeuge (sich langsam besinnend). Zink, Joses Eermak. . . .