Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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1588 daß er den Itzig aufgesucht habe, sondern will ihn zufällig getroffen haben, wie er die Pferde zur Ausfahrt einsvannte. Und da sei Itzig sofort auf ihn zugelaufen. Nun befragt ihn der Präsident nochmals, zu welchem Zwecke er und diele Herren nach Groß Mefferitfch gefahren feien, und nun bequemte sich der Zeuge, zu erklären er wollte den Jsin (Itzig) erst um 8 Uhr sprechen, habe ihn aber zufällig früher getroffen. Bors. Also weiter. — Zeuge: Jsin führte mich inS Wohnhaus. Jchsagte ihm: Also Jsin, wenn Du mit mir gehen willst, gebe ich Dir Kleider im Gasthause. Auch werde ich Dir dort zu essen geben. — Vors. Was gaben Sie ihm dort? — Zeuge: Eine Semmel und drei Viertel Wein. — Vors. Warum? — Zeuge: Ich sagte ihm, daß ich ihn besuchen kam- — Vors. Was wollten Sie von ihm wissen? — Zeuge: Ob ein gewisser Beran oder Fried oder der Schächter aus Jenikau bciihnenübernachteten.—Vors. Das war am Sonntag den 31. Juli? - Zeuge: Es war an einem Sonntage. An das Datum kann ich mich nicht erinnern. — Vors.: Wer ist der Novotny und der Redacteur des „Deutschen Volksblatt?" Was war denen daran gelegen? — Zeuge: Nowotny ist ein Fabrikant in Polna Ich fragte Jsin über dessen Verhältnisse aus und fragte ihn, ob er nicht wieder bei mir lernen möchte. — Vors.: Sie haben ihn zu gewissen Aussagen verleitet und aufgefordert, daß er alles belastend gegen seinen eigenen Bruder auSfage. — Zeuge: Das ist nicht wahr. — — Vors.: Haben Sie ihn über Beran befragt: — Zeuge: Ja. — Vor?.: Siefragten ihn, ob Beran am 29. März bet ihnen übernachtete? — Zeuge: Ich kann rnich nicht erinnern. Wir sprachen aber über Beran. Ich fragte ihn, ob Polda unschuldig ist, ob er es gemacht oder nicht. Und er erzählte mir seine Beobachtungen. Verlheiciger Dr. Aureonicek: Zeuge, sagen Sie mir, wie kommt es, daß Sie in der Voruntersuchung nicht (Erwähnung davon thaten, daß Jsin ihnen erzählte, daß fein Bruder einen unruhigen Schlaf habe, anders liege u. f. w. — Zeuge: Ich habe es gesagt. Es muß im Protokoll stehen — Verth.: Es steht nirgends. — Vors.: Bitte zu prowkolliren, daß Zeuge während der ganzen Untersuchung diese Angaben nicht gemacht hat. Der Vorsitzende verlieft das Protokoll des Zeugen aus welchem hervorgeht, daß der Zeuge thatsächlich in der Dorumersuchung seine heungen Angaben nicht gemacht hat. Hülsner, vonr Präsidenten befragt, giebt an, er habe wohl öfters hebräische Gebete gemurmelt, da Feiertage waren, ferner daß kein polnischer Jude bei seinen Leuten geschlafen habe. Nun beantragt der Vertheidiger, daß die Nummer des „Deutschen Volksblatt" vom 3. August verlesen werde in welchen eS heiß», daß ein Redacteur in Groß-Meseritfch und Polna gewesen war. der in Gemeinschaft mit anderen Herrn den Itzig bekrunken machte und sodann zur Aussage gegen seinen Bruder zwingen wollte. DieS werfe ein scharfes, charakteristisches Licht auf die Aussagen einzelner Zeugen. Ter Vertreter der Privatbetheiligten Dr. Baxa verwahrt sich gegen die Verlesung und beantragt die Nichtverlefung. Dr. Aurednicek: Herr Dr Baza hat als Vertreter der Privatbetheiligten kein Recht, Anträge zn stellen. Er hat nur daS Recht, Fragen zu stellen oder Bemerkungen zn machen. Wenn er behauptet, daß es bürgerliche Pflicht eines jeden war, auf eigene Faust der Sache nachzugehen, frage ich, ob es bürgerliche Pflicht war, den eigenen Binder des Angeklagten im besoffenen Zustande zu belastenden Aussagen zu verleiten. DaS ist eben das Gegentheil davon. Der Gerichtshof beschließt, die Verlesung des „Deutschen Volksblatt" nicht vorzunehmeu. Die nächste Zeugin ist Katharina Dwoiak, die in ungemein schwatzhafter und einfältiger Weise ihre Aussage macht. Auf die Frage des Vertheidigers muß sie zuqeben, nicht zu »rissen, ob Hülsner in den Wald gegangen sei. da man an ihrer Wohnung vorbei auch zum Katharinenberge gehen kann. Ter nächste Zeuge Josef Munka, Zimmermaler, wird beeidigt Er beswreibt den Weg. den HülSner gegangen sei und ist der Meinung, daß Hülsner nur in den Wald ging, sicher weiß er es nicht Vom Vertbeidiger befragt, ob eS an dem Tage geregnet habe, sagt der Zeuge, eS habe geregnet, doch bald wieder aufgehört: nun macht ihn der Vertheidiger aufmerksam, daß es um die Zeit schön war: dem widerspricht der Zeuge und die Diskussion schließt der Präsident mit der Bemerkung, es könne an einer Stelle ganz schön fein, während eS zu gleicher Zeit an einer anderen regnet. Hülsner. ausgefordert, sich zu äußern, erklärt, er fei stets allein gewesen. & Der nächste Zeuge ist Franz Cink ans Polna, der ebenfalls Hülsner in Gesellschaft zweier Juden gesehen hat. welcher erzählt, daß einer der Begleiter ein längliches Paket in einer Umhülle von Zeitungspapier getragen habe. Die Kleider des Hülsner waren nach diesem Belastungszeugen grau. Der 18jährige Hugo Fried ist mit Hülsner flüchtig bekannt: der nächste Zeuge, Schustcrmeister Skareda, gibt an. daß er den Berthold Fried in Polna gesehen hat, der zu dieser Zeit nachweislich im Spitale gelegen ist. Frau Johanna Vomela sah in b r kritischen Zeit einen Mann mit einem Stocke aus dem Walde kommen und wird vorn Vorsitzenden aufgesordert, den Angeklagten anzusehen. Die Zeugin betrachtet den Angeklagten einige Sekunden, schüttelt »nehrmals den Kopf und wendet sich dann gegen den Präsidenten. Mit bestiinintem Tone sagt sie dann: So hat er nicht ausgeschaut. Das war er nicht. Der Mann, den ich getroffen habe, hatte schwarze Augen und ein volles Gesicht Präs. In der Voruntersuchting haben Sie gesagt, daß es der Hülsner war. — Zeugin. Dieser Mann da war es nicht. Präs. War er so schlank wie der Hülsner? — Zeugin. Ja. Präs. War er so groß wi der Hülsnr? — Zeugin. Ja. Präs. Nun also, dann paßt ja alleauf den Hülsner. Sie haben auch ausdrücklich gesagt, daß er wie der Hülsner au-gesehen hat. — Zeugin: Das kann ich nicht sagen. Präs. Hülsner, nehmen Sie einmal den Stock und fuchteln Sie damit herum. (Ter Angeklagte thut, wie ihm befohlen). — Zeugin Ja, so auf diese Art hat es der Manu geinacht, aber dieser Mann »var es nicht. Präs. Wissen Sie, daß auch auf oen Bruder der Hruza der Verdacht der Thäterschaft gelenkt wurde? — Zeugin: Ich weiß es, aber das kann nicht sein. Nun wird der Hauptbelastungszeuge einvernominen, Schlossermeistcr Peter Pcchak, 49 Jahre alt. Er gibt sehr genau die Zeit an, zu der cr nach Polna kam und zu der er von Polna wegging; er hat die Zeit von der Thurmuhr abgelesen. Er erzählt, daß er einen Mann im weißen Gewand, und zwar in dunklen Kleidungsstücken aus die Distanz von 6u0 Schritten gesehen und erkannt hat; er habe den Mord von dieser Distanz aus ganz genau gesehen und in dem Mörder erkannte er nach Haltung, Kleidung und Größe den Angeklagten Hülsner und kann darauf schwören. Der Zeuge hat diese doch gewiß wichtigen Umstände erst knapp vor der Verhandlung verlauibarl und darüber befragt ihn der Präsident. Zeuge: Ich arbeite bei Israeliten und bin ein armer Teufel: a»rch dachte ich mir, daß ich dadurch die Todte nicht zum Leben erwecken werde. Ich habe mich auch wirklich damit zugrunde gerichtet. Die Juden weichen mir jetzt alle aus und sehen mich so traurig an. (Heiterkeit).