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Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 35

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 35)
Language
German
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3587 9. März um tz,7 Uhr Abeuds nicht zu Hause gewesen. Leine Mutter gebe an, er fei wohl Abendeinen Augenblick zu Hause gewesen und sei bann weggegangen. Der Vertheidiger Doktor Aurednicek macht ben Vorsitzenden aufmerksam, daß der öffentliche Ankläger Sachen vorbringe, die in- Plaidover gehören. Der Vorsitzende erklärt, er habe die betreffenden Umstände, von denen der Staatsanwalt spreche, bereits selbst erörtert. Der Staatsanwalt gibt hierauf die weitere Fragestellung auf. Dr. Baxa*) -um Angeklagten.".Sie sagten gleich nach Ihrer Verhaftung, Ihnen sei bekannt, weshalb sich gerade gegen Sie der Verdacht lenke und nannten damals den Grund. Könnten Sie denselben nicht widerholcn? — Ang. Als man mich des Mordes beschuldigt, sagte ich. ich weiß, weshalb man gerade mich verdächtigt. Es sind jüdische Ostern und viele glauben daran, daß die Inden zu dieser Zeit Ehristenblnt brauchen. — Dr. Baku Es ist auffallend, daß Sie an so etwagedacht haben. L>ie hatten übrigens einen Stock und man hat trotz eifrigsten SuchenS keinen bei Ihnen gefunden. — Ang. Ich weiß nicht, lvü der Stock hingekemmen ist. — Dr. Bara: Es ist eigenthiimlich, daß Sie alles leugnen. Vertheidiger Dr. Aurednicek zum Angeklagten: Man fragt bei Ihnen wiederholt nach einer Hose. Um was für Hose hat es sich gehandelt'! — Ang. Ich wurde wiederholt nach einer weißlichen Hose befragt und ich antwortete jedesmal, daß ich eine weißliche Hose nicht besitze. — Vertheidiger: Herr Präsident, ich bitte diese Aussage protokollieren zu lassen. Die im Koffer der Mutter des Angeklagten Vorgefundene Hose war grau. Bors. Es geht auden Protokollen hervor, daß der Angeklagte angegeben habe, eine graue Hose nickt zu besitzen. Vertheidiger: Das hat eine andere Bewandtnis. Ein Zeuge hat erklärt, er habe am 29. März den Angeklagten in einer grauen Hose gesehen und der Angeklagte hat erwidert, an diesem Tage eine graue Hose nicht getragen zu haben. Hierauf gelangt das Protokoll über den Lokolaugenschein zur Verlesung. Der Vorsitzende theilt mit, daß von Morgen an die Verhandlung täglich um 7 Uhr früh beginnen und mit einer Pause von 11 Uhr bts 3 Uhr Nachmittags währen werde. Sodann vertagt er die Verhandlung aut 3 Uhr Nachmittags. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung um 3 Uhr Nachmittags beginnt da- Zeugenverhör mit der Einvernahme der Mutter der Ermordeten, der Bäuerin Marie Hruza aus Vieönic, die ihre Aussage zwar unter Thronen, doch ln einer mit der Gemüthsstimmung kontrahierenden Entschiedenheit macht. Sie gibt an, den Angeklagten nicht zu kennen, ferner, daß kurz nach dem Morde Herren aus Wie« zu ihr gekommen seien die sie nach allem gefragt, alles nachgefehen und untersucht hätten. Vom Präsidenten, wen sie der Thäterschaft beschuldige, sagt die Zeugin : „Ich machte die Anzeige der Gendarmerie, und die sagte mir, ich soll in der Stadt Umfragen. Die Leute, die ich dann fragte, die sagten mir, ich soll den Hülsner fragen, dem entgeht kein Mensch in der Stadt. Alle Leute äußerten den Verdacht, daß Hülsner der Thäter sei, weil er sie immer verfolgt hat. Sie hat es mir erzählt, die Arme, daß er oft beim Hause stand, und ihr nachsah". Sodann befragt der Vorsitzende die Zeugin über das Verhältniß von Bruder und Schwester zu einander, wobei die Hruza ihre in der Voruntersuchung abgegebenen Erklärungen widerruft oder sich derselben nicht erinnern kann. Vom Vertheidiger befragt, warum das Ausbleiben ihrer Tochter über die stacht sie nicht zur Umfrage bei Nachbarn bestimmthabe, schweigt die Zeugin. Auf die Frage, wo ihr j *) Das ist der von den Antisemiten für die^Mutter des Angeklagten engagierte Anwalt. Ned. Sohn während dieser zwei Tage gewesen fei, antwortet die Zeugin, daß er zur Beichte gegangen fei. Sodann wird der Gendarmerie-Postensührer Josef Klenovec cinvernommen, und über die Auffindung der Leiche befragt. Darüber weiß er allerdings recht wenig, umsomehr aber betont er, daß der Boden um die Leiche wenig Blutspuren aufwies, was ihm sehr bemerkenswerth erschien. lieber die Lage der Leiche befragt, gibt der Zeuge im Widerspruche mit der Mutter der Ermordeten an, daß niemand die Tobte vor der Befundaufnahme berührt habe. Der nächste Zeuge ist der Stabtrath Sedlak. Auch er weiß nur anzugeben, daß plötzl-ch olle Leute sagten: Der Hülsner hats gemacht. Es war so eine Fama, die sich blitzschnell verbreitete. Nun befragt ihn Vertheidiger Dr. Aurednicek : Wissen Sie, Herr Zeuge, daß sich in Polna eiu Rechtscomtts gebildet hat, welches Zeugen in dieser Sache einvernahm? — Zeuge: Ein Rechtcomris hat sich nicht gebildet, aber wenn jemand Neuigkeiten brachte» fragte man ihn aus, damit das Gericht nicht unnütz behelligt werde, und das wurde dann dem Gerichte eingeschickt. — Verth.: Wcr war dabei anwesend^ — Zeuge: Immer zwei oder drei Herren, manchmal auch der Herr Postenführer. Von den nächsten Zeugen, unter denen sich auch Verwandte der Agnes Hruza befinden, ist keiner der Meinung, daß der Angeklagte kräftig genug sei, um das starke Mädchen bezwingen zu können. Nach einigen belangloseren Zeugeneinvernahmen schließt der Vorsitzende die Verhandlung um cinhalb ö Uhr. Zweiter Berhandlung-tag. Mittwoch, den 13. September. Am zweiten Verhandlungstage wird vorerst der ehemalige Lehrherr des Bruders des Angeklagten, Franz Sic aus Polna (ein Hauptzeuge.') vernommen, der angibt, daß ihm Itzig wohl des öfteren mitgethetlt habe, daß bei seinen Leuten zuhause polnische Juden nächtigen. Auch in der Woche wo der Mord geschah, habe ein polnischer Jude bei Hülsners geschla en; ferner weiß er, daß am Freitag ein Bruder der Frau Prchal, bei welcher die Hruza in Dienst stand, zu ihm kam und ihm die Mittheilung gemacht hier daß ein Dienstbote seiner Schwester verloren gegangen ist. ,Jch", fährt der Zeuge fort, sagte zu Jsin: Da hat sie sicher Euer Polda (Leopold) getödtet. - Vors. Wieso verfielen Sie gerade auf Leopold Hülsner? — Zeuge. Er vagierte gewöhnlich in den Wäldern umher. — Jsin antwortete: Ich weiß es nicht, ich werde ihn fragen. (Heiterkeit). Jsin sagte ferner, daß Leopold sie getödtet haben müsse, er ist ganz verändert, er zeige Unruhe, liege entgegengesetzt seiner Gewohnheit auf der anderen Seite und bete hebräisch. — Vors. Was hat Jsin weiter erzählt? — Zeuge. In der Woche, um den 29. und 30. März, wohnten bei Hülsner mehrere Juden, darunier ein Schächter aus Goltsch-Ienikau. — Vors. Wohin übersiedelten die Hülsner? — Zeuge. dUd) Groß-Meseritsch. Jsin verließ ebenfalls Polna und kam noch einmal gu mir und zwar in Begleitung des Untersuchungsrichters. - Vors. Waren Sie bei ihm in Groß- Meseritsch^ — Zeuge, Wir fuhren nur so hin. — Vors. Wer sind die wir? — Zeuge. Ich, Herr Ropotny, Fabrikant in Polna, und der Redacteur des .Deutschen Volksblatt". — Vors. WaS machten Sie dort. Hat Sie jemand aufgefordert, hinzufahren? — Zeuge. Ich weiß nicht, wie ich dazu kam. Es war abgemacht, daß ich hinsahre, der Redacteur des „Deutschen Volksblatt" wollte es haben. Wir fuhren also hin. Ich ging spazieren und traf zufällig den Jsin an. — Vors. Nein, nicht zufällig. Warum gingen Sie denn dahin? — Zeuge. Ich traf ihn zufällig. — Vors. Sie sind direct zu ihm gegangen. — Der Zeuge will nicht zugeben

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