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Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 34

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 34)
Language
German
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1586 Minarik. Ich habe sie nicht beachtet. ES ist abermöglich, daß ich sie gesehen, denn ich habe mir so manche angeschaut. (Heiserkeit.) — Präs. Aber Sie wußten, daß es die Anna Hruza war? — -Ang. Dem Namen nach kannte ich sie nicht. - Und nun zählt der Vorsitzende eine Reihe von Momenten auf, welche erweisen, daß Hülsner die Hruza kennen mußte. — Präs. Haben Sie nie» als auf sie bei der Stiege gewartet. Daß ich sie angeschaut habe, bestreite ich nicht. — Präs. Sie haben sie biS zum Kudloc-Gebände verfolgte — Ang. (entrüstet): Das ist nicht wahr. - Präs. Die Agnes Hruza hat sich aber vor Ihnen zefürchret, weil Sie sie so eigenthümlich angeschaut. Sie erzählte ihrem Vormunde Nowack: Ter Jude Hüls, er verfolgt mich, schaut aus mich, weiß Gott, was er an mir sieht. Nowak begleitet« sie hierauf bis zur zweiten Brücke hinter der Vrzezina. — Ang. Ich habe das Mädchen nie rer folgt. — Präs. Vormittag waren Sie auch auf dem Katharinenberg? — Ang. Wenn ja, so aber gegen Mittag. — Ang. beschreibt den Rückweg, den er in Gesellschaft einiger Genoffen nahm. — Präs. Die Zellgin Katharina Dvorschak gibt an, daß sie Euch an ihrem Häuschen von der Richtung aus Brzezinä kommen sah. — Ang. Ich war an dem Tage nicht in Brzezinä. - Präs. Wie waren Sie damals gekleidet? Ang. Ich hatte am 29. März einen dunkelblauen Anzug an. — Präs. Wie viele Kleider haben Sie? - Ang. Ein dunkelblaues, ein grünes und ein schwa zes Ksiid (in welch letzterem Angeklagter bei der Verhandlung erschienen ist). — Präs. An die lich:en Hosen können Sie sich nicht erinnern? — Ang Ich hatte lichte Hosen. Ich habe es auch dem Untersuchungsrichter gesagt. Ich halte ein paar lichte Hosen von Fron Hitschmann, die ich lange nicht getragen, ich vergaß an sie und nahm später an, daß meine Mutter sie verkauft. — Präs Ihre Mutter leugnete anfangs und wollte von den Hofen nichts wissen. Als man jedoch in der Synagoge dieselben fand, gestand sie es ein, daß daS Ihre Hofe sind. — Ang. Ich habe die Hosen dort versteckt, wenn ich aus der Arbeit ging. — Der Präsident läßt die Hofen herbeiholen und zeigt sie dem Angeklagten, welcher sie sofort als die seinigen bezeichnet. — Präs. Wann trugen sie die Hosen? Ang. Bei der Arbeit. - Präs. Man fand rostbraune Flecke auf den Hosen. Sie haben erklärt, daß diese Flecke von Ziegelsteinen herrühren könnten. Haben Sie niemals geblutet, haben Sie sich niemals verletzt? Die Hofen zeigten Spuren von Blut, und zwar von Menschenblut. — Augeklagter erzählt er habe im vorigen Jahre sich bei einem Sturze an den Händen verletzt und habe aus der Nase geblutet. Das Blut habe er sich an dem rückwärtigen Theile der Hose mit den Fingern abgewischt. Der Präsident hält ihm Zeugenaussagen entgegen, welche darthun sollen, daß Hülsner bei jenem Falle nicht oder wenigstens nicht viel geblutet habe. — Vors. Kennen Sie den Zeugen Muzikar? — Ang. Nein. — Vors. Aber er kennt Cie. Er sah Sie, in grauen Kleidern nicht in den blauen angetban am 29. März durch das obere Thor in der Richtung gegen die Judenstadt raschen Schrittes gehen. — Ang. Er konnte mich nicht sehen. — Vors. Er sah sie im schmalen Gaßchen förmlich springend laufen, hinter Ihnen zwei unbekannte Auswüchse, von denen einer einen jüdischen Typus und X-Füße halte. — Ang. Ich habe mit Juden keine Kameradsch ft. Zwei oder drei Tage vor dem 29. März sprach ich mit einem gewissen Fried und Beran, die nicht aus Polna sind. Letzterer ist ein watschliger Jude (pajdavy zid). Ich war mit ihm 24 Stunden eingesperrt. — Vors- Sie wurden aber auf dem Wege nach Brzezinä gesehen? — Ang. Ich bin durch das Gaßchen zum Katharinenberg nicht gegangen. Ich bin am Marktplatz gewesen und konnte nicht also in Brzezinä sein. Vors, lzum Gerichtsdiener). Bringen Sie die Stöcke. (Geschieht.) — Vors. Kennen Sie diese Stöcke? — Ang. ' Nicht einen einzigen. Nein. - Vors. Was ist das für ein Stock? — Ang. Das weiß ich nicht- — Vors. Hatten Sie einen Stock? — Ang. Ich hatte einen Stock, selbstverständlich, aber das ist nicht der Stock. — Vors. Dieser Stock zeigt Blutspuren. — Ang. (unwillig). Ich hatte aber keinen solchen Stock, ich hatte einen rothen. - Vors. Dieser Stock wurde gesunden an dem Drte, wo die Agnes Hruza gelobtet uxirbe. Ang Diesen Stock kenne ich nicht. — Vors. Zeuge Pesak behauptet, er habe gesehen, daß eine Person, die nach seiner Beschreibung ans Sie paßt und die eben einen solchen Stock in der Hand hielt, sich an jener Stelle anfhielt, wo die Leiche der Agnes Hrnza aufgesunden wurde. — Ang. Den Zeugen Schlosser Pesak kenne ich nicht. Der Vorsitzende wiederholt die Aussagen dieses Zeugen und fügt hinzu, daß Zeuge überdies behauptet, noch zwei Männer am Thatorte gesehen zu haben. — Ang. Er konnte mich nicht dort sehen, weil ich am 29. März in Brzezinä nicht war. — Vors. Er kennt Sie von Jugend ans und erklärt mit aller Bestimmtheit, daß cr Sie um die kritische Zeit mit einem solchen Stocke sah. - Ang. Ein solcher Zeuge, welcher dies gesehen, sagt das gleich und hält nichts geheim. Aber jetzt, nachdem ich in Haft bin kann so mancher kommen und sagen, er hat mich auf 60 — Vors. 600. — Ang- 600 Schritte gesehen. -- Vors. Nehmen Sie den Stock. Wie trugen Sie gewöhnlich den Stück. — «Angeklagter ergreift den Stock und stützt sich an denselben.) — Vors. Sie halten die Gewohnheit, den Stock anders zu tragen. (Der Vorsitzende nimmt den Stock und schreitet mit den Händen ausgreifend und mit langen Schritten cinigemale übers Podium.) — Vors. Giengen Sie so? — Ang. Ja, wenn ich besoffen war. — Vors. Sie hatten ja kein Geld zum Trinen. — Ang. Ich ging zu Juden betteln. — Vors. Der Zeuge behauptet, der Mensch habe genau so ausgesehen wie Sie. Ang. Als ich beim Bezirksgerichte wegen Faischmeldung einge'perrt war, faßten die Leute Haß gegen mich, da ich meine Geliebte zu erschießen drohte. Und jetzt wollen sie mir auch den Mord aufhalfen. — Der Vorsitzende hält im weiteren Verlause des Verhöres Hülsner den Umstand vor Augen, laß zwei Mädchen, die Reisman und Viclacil, tags zuvor bei ihm ein etwa SO (Zentimeter langes, 2 Finger breites Messer gesehen- — Ang. Ich hatte kein anderes Messer als mein T schenmesser. — V-rs. Die beiden Zeuginnen behaupten aber, daß das kein Schnappmesser war. Sie haben das Messer ihnen gezeigt. — Angeklagter verharrt bei seiner früheren Aussage. — Vors. Haben Sie die Leiche gesehen? — Ang. Wein. — Vors Dieselbe hatte eine lange Schnittwunde am Halse, die bis auf die Wirbel reicht, Die konnte nur von einem langen scharfen Messer herrühren. Die Leiche zeigte auch 8 schwere Wunden am Kopfe. — Ang. Das ist möglich, aber ich hatte kein langes Messer. — Und nun zählt der Vorsitzende dem Angeklagten alle ihn belastenden Momente noch einmal aus und fordert ihn auf, sich bekennen. - Ang. Ich kann mich nicht bekenrken. Ich sitze bereits ein halbes Jahr unschuldig in der Haft. Die Leute, die es gemacht haben, gehen frei umher. — Vors. Sie waren aber in Brzezinä, das steht fest. — Ang Ich bin auf dem Katharinenberg gewesen. Am 29. März war ich nicht in Brzezinä. — Ter Vorsitzende zeigt dem Angeklagten noch einmal die lichten Hosen und bemerkt, daß dieselben feucht waren. — Ang. Ich habe die Hosen voriges Jahr gewaschen und da sind sie wohl feucht geblieben. (Heiterkeit.) Der Staatsanw. Sie beharren fort bei Ihrer Unschuld und begeben sich so der besten Waffe. Sie leugnen auch Belangloses, alles rundweg ab. Selbst den Aussagen Ihrer Angehörigen widersprechen Sie. Der Staatsanwalt erklärt, er finde es auffallend, daß selbst die Mutter und der Bruder des Angeklagten dessen Angaben nicht bestätigen. Sein Bruder sage ausdrücklich, der Angeklagte sei am

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