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Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 28)
Language
German
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1580 bei seinen reichen Gemeindemitgliedern eine Collecte. Einer der Herren Rabbiner war sogar so vorsichtig, an einen befreundeten russischen Rabbiner zu telegraphiren und anzufragen, ob die Angaben Reb Jtziks auf Wahrheit beruhten und erhielt eine vorzügliche Auskunft. Das sprach sich in Deutschland herum. Gumpel wurde überall mit offenen Armen ausgenommen. Dabei bewunderte man überall seine Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit und die paar aus seiner Jugendzeit herübergeretteten „Wörtchen" wurden als geistreiche Thoraworte Reb Jtziks weitererzählt. Natürlich hütete er sich, mit wirklichen Lamdonim sich in ein eingehenderes Gespräch einzulassen und wußte er stets zur rechten Zeit wieder abzureisen. ES dauerte nicht lange und Gumpel hatte ein verhältnißmäßig großes Vermögen beisammen. * * * Es ist Zeit, daß wir uns einmal wieder nach unserem wirklichen Reb Jtzik umsehen. Dieser hatte sich bald über den Verlust seiner Papiere getröstet, hatte er doch baar Geld in der Tasche, das war mehr werth, wie olle Papiere, denn war er erst bei seinem Bruder, dann, so glaubte er, hatte alle Roth ein Ende und er bedurfte dann der Zeugnisse nicht mehr. Ec reiste deßhalb mit dem nächsten Zuge nach Hamburg. Aber ach, was mußte er hier erfahren! Alle die Gerüchte über das angebliche Wohlergehen seines Bruders erwiesen sich als falsch, auch ihm ist es in Hamburg sehr schlecht ergangen und er ist deßhalb bereits vor mehreren Jahren nach Amerika ausgewandert. Kein Mensch wußte seine nähere Aoreffe anzugeben. Nun war Neb Jtzik in einer noch viel übleren Lage als zuvor. Von den MO Mark war wenig mehr übrig und ohne Papiere wollte ibm kein Mensch etwas geben, ja er hatte die größte Mühe, zu bewirken, daß er nicht von der Polizei sofort ausgewiesen wurde. Aber wunderbar ist des Menschen Herz. Während Rtb Jtzik damals, als er auf seine Papiere nichts erreichen konnte, der Verzweiflung nahe war, hatte er jetzt frohen Muth. Ein reicher Glaubensgenosse in Hamburg, der ein großes Exportgeschäft nach Rußland betrieb, engagierte ihn zur Führung der russisch-jüdischen Correspondenz und bald hatte er so viel beisammen, daß er sich von seinem Prinzipal auf einige Wochen Urlaub geben lassen konnte, um nach langer Zeit wieder einmal die Seinen aufzusuchen. Aber mit welchen Gefühlen reifte er nach Hause. Mit leeren Händen mußte er sich bei Frau und Kindern wieder einstellen, während er doch hoffte, eine große Summe zur Weiterführung seines Geschäftes mit nach Haufe bringen zu können. Reb Jtziks Frau und Kindern ist es nach dessen Abreise sehr schlecht ergangen. Frau Schulenklopper suchte durch Waschen und Putzen das Nothwendigste herbeizuschaffen, während der älteste Sohn, der zu einem Viehhändler in Diensten trat, seine Mutter und Geschwister von dem kärglichen Lohn noch etwas unterstützte. So fristete die Familie Reb Jitzchoks ihr Leben im größten Elend, als besten Frau eü.es Tages aus das Gericht gerufen wurde. Wenn schon in Deutschland der Verkehr mit den Gerichten nicht zu den Annehmlichkeiten des Lebens gehört, so ist es in Rußland meistens eine Schreckensbotschaft, die den armen Glaubensgenossen mitgetheckt wird, wenn sie vor die Behörde citirt werden. Man kann sich daher denken, mit welchen Gefühlen Fran Schulenklopper vor Gericht erschien. Aber ihr Schrecken wandelte sich in Staunen um, als man ihr dort eröffnete, daß ihr Mann plötzlich in Wien im Hospital verstorben. Die bei ihm Vorgefundenen Papiere und das in den Kaftan eingenähte Vermögen im Betrage von 20,000 fl. wurden der erstaunten Frau ausgeliesert. Der Frau war es unerklärlich, wie ihr Mann zu dem großen Vermögen gelangen konnte, zumal er ihr seit Jahren hatte keine Mittheilung zukommen lasten. Aber sie prüfte die Papiere ihres Mannes aufs genauste und sie konnte nur die Ueberzmgung erlangen, daß das die Schriften ihres Mannes waren. Da waren sie alle hübsch beisammen, das Schreiben des Bürgermeisters, des Gouverneurs, der Rabbinen u. f. w., es fehlte kein einziges, ja <s waren noch verschiedene Zeugnisse deutscher Rabbinen dabei, die ihr Mann sich unterwegs wahrscheinlich hatte geben lasten. Es war also außer jedem Zweifel, es war ihr Mann der gestorben war uns demgemäß auch sein Vermögen, das sie nun in Händen hatte. Run hatte zwar alle Roth ein Ende und der Wohlstand kehrte wieder ein in das Schulenklopper'sche Haus, aber eins trübte das Glück der Familie, daß der gute Mann und Vater so plötzlich hatte ans dem Lebm scheiden müssen. Wiederum wurde das Sukkothsest gefeiert, wiederum war die Schulenklopper'sche Sukkah auf's prächtigste ausgestattet, die farbigen Lampions und die bunten Glaskugeln hingen wie ehedem von der Decke herab, aber die Stimmung in der Familie war eine ganz andere, als zur Zeit, da wir dieselbe kennen lernten. Sorge um Nahrung hatte sie nicht mehr, aber die Trauer um den Vater trat an jedem Feiertage in verstärktem Maaße hervor. „Wie glücklich könnnten wir sein," sagte die Mutter thränenumsiorten Blockes, „wenn jetzt Euer Vater bei uns wäre, daß er in so jungen Jahren hat von hinnen gehen müssen." Da öffnet sich die Thüre der Sukkah und auf der Schwelle erscheint Reb Jtzik.

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