Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449022--49100-2499550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MMWWMWM». B*1!^ 1573 düs ihre beizutragcn, daß die Thora immer mehr erforscht, immer mehr verbreitet werde, wodurch allein Israels Aufgabe und seine Mission erfaßt werden kann: wahre Erkenntnis zu verbreiten, ein Volk von Priestern zu sein inmitten aller Nationen. Und wenn in unserer Zeit durch das Rennen und Jagen nach irdischen Gütern oft edlere Regungen zu ersticken drohen, und höheres Streben seltener zu werden scheint, so legt da unsere Präparanden- (Talmud-Thora)-Schule beredtes Zeugnis davon ab, daß auch noch ideale Ziele erstrebt werden, und die erhabenen Gedanken, welche der hochherzige Gründer unserer Schule, der fromme Rabbi Elosor Ottensoser s. A., verfolgte, wir suchen sie noch heute, nach 5!» Jahren, in möglichster Weise zu verwirklichen; wir suchen sein großes Werk nach besten Kräften auszubauen und fortzuführen, damit auch in Zukunft unsere Anstalt segenspendend wirke, wie ihr dies zu Zeiten ihres großen Gründers gelungen ist, damit sie auch in Zukunft bleibe eine Pflanzstätte für Thora und Jiroh, für Avodoh und Gemillus-Chesed (für Gotteslehre und Gottesfurcht, für Frömmigkeit und Nächstenliebe). Zwar sind die Anforderungen, die jetzt an den Lehrkörper sowohl wie an die Anstaltskasse herantreten, gegen früher verhältnismäßig gestiegen, doch unverzagt blickt die Schule mit des Ällgütigen Beistand in die Zukunft; sie schreite ja rüstig und unentwegt den einmal eingeschlagenen Weg, die Fahne von Thora und Derech-Erez immer mehr zu Entfaltung zu bringen. Das frohe und stolze Bewußtsein, daß deren Gönner ihr sechs Dezennien hindurch treu geblieben sind und dadurch Hunderten armer Knaben zu einem Lebenszweck verhalfen, ihnen cs ermöglichten, als tüchtige Erzieher zu wirken und zu wandeln auf der Bahn, echter Frömmigkeit, wahrer Tugend und hingebender Menschenliebe, dieses Bewußtsein berechtigt die Schule zu der sicheren Erwartung, daß ihre Gönner und Freunde sich mehren und auch fürder ihr opferfreudig zur Seite stehen und nicht ermüden werden, dadurch Thoralernen und Thoralehren zu ermöglichen und zu fördern. Des Himmels reichster Segen, wie ihn unser größter Prophet verheißen hat, wird sie allezeit belohnen und beglücken! Die Einnahmen pro 1898 betrugen Mk. 18 229, die Ausgaben Mk. 17 079.89. Das Vermögen beträgt Mk. 189 600.32. Sennfeld, 7. Sept. Heute Nachmittag fand dahier auf dem Rathhause durch den Gr. AmtSvorstand, Herrn Oberamimann Dr. Mays die Ueber reichung der von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog dem hiesigen israel. Religionslehrer Herrn Wolf verliehenen Auszeichnung statt. Zu dem feierlichen Akte hatte sich der Gemeinderatb, der ev. Geistliche, der Synagogenrath, sowie die Lehrerschaft eingefunden. Rach der Ansprache des Gr. Amtsvorstandes dankte der Dekorirte, worauf Herr Bürgermeister Grämlich ein Hoch auf unfern geliebten Großherzog ausbrachte. Im „Engel" fand später ein gemüthliches Beisammensein statt, bei welchem der hiesige ev. Geistliche im Namen der evangel. Gemeinde dem Dekorirten Glück zu seiner Auszeichnung wünschte. Die wirkungsvolle Ansprache klang aus in ein Hoch auf Herrn Lehrer Wolf. Der Dekorirte — hochgeschätzt von Jedermann — wirkt nun 45 Jahre als Lehrer, wovon 2 i Jahre in Großeicholzheim und die übrigen 21 Jahre in Sennfeld. Möge Herr Lehrer Wolf sich noch lange Jahre in ungetrübter Frische des Geistes und Körpers der hohen Auszeichnung erfreuen. Frankreich. Paris. Bernard Lazare ist der erste publizistische Agent der Revisions-Campagne gewesen und ihm sind im hohen Grade die Erfolge der Campagne zu verdanken. Wie er zur Ueberzeugung von der Unschuld des Dreyfus gekommen ist und welche Schritte er gethan hat, um die öffentliche Anerkennung dieser Unschuld zu erzielen, das hat er in Rennes einem Kollegen, dem Pariser Berichterstatter der „Jndep. belge", Jcan-Bernard ausführlich erzählt: Wie ich dazu gekommen bin, Dreyfus für unschuldig zu haltend Auf die einfachste Weise von der Welt. Sie wissen, daß ich Israelit bin, wenigstens der Geburt nach. Ich habe mich viel mit semitischen Studien beschäftigt und habe eine große Zahl jener Ritual-Prozesse geprüft, die gegeu die Juden angestrengt worden sind und die alle mehr oder weniger den Haß, die Lügen und Fälschungen ausweisen, denen wir im gegenwärtigen Prozesse begegnen. Sie erinnern sich, daß die Antisemiten eine Hetze gegen die Juden in der Armee betreiben. Man bedurfte einer Sanktion der Hetze, und diesem Zwecke diente der Prozeß Dreyfus. Sobald ich die Verhaftung des Dreyfus erfuhr, stellte ich als Psycholog zu meiner persönlichen Information eine Untersuchung an; ich erforschte die Lage der Familie, ihr Vermögen, ihren Ruf u. s. w., und bemerkte sofort, daß das Motiv zu dem Verbrechen mangelte. Ich brauche Sie nicht an den alten Rechtsspruch zu erinnern, den Bertulus kürzlich auf der Zeugenbank erwäbnt hat: „Wo kein Motiv ist, da ist auch kein Verbrechen." England.? London. In Southampton findet jetzt der 18. Jahres-Kongreß für Sanitätswesen statt, und bei dieser Gelegenheit hat am Dienstag d. 29. Aug. der Präsident des Kongresses, Sir W. H. Prelse eine Rede gehalten, in der er die Bedeutung des