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Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1572 eilt Spiegelbild der Leiden und Verfolgungen der von ihm vertretenen jüdischen Gemeinde. Unserer Zeit war es Vorbehalten, jenen Aufschwung, gefördert durch wackere verdienstvolle Meister, erfaßt durch strebsame Schüler und Freunde des gottesdienstlichen Gesanges, sowie getragen von der Empfänglichkeit und dem Wohlwollen des Publikums, für das altehrwürdige rwin zu erzeugen, welcher s. G. w. für sein ferneres, segensreiches Entfalten von guter Vorbedeuutung ist. Deshalb müssen auch alle Faktoren des öffentlichen jüdischen Lebens, Gemeinden und Vereinigungen derselben, Rabbiner und Kunstfreunde, Seminarien und Präparandenschulen sich -usammenthun zur angelegentlichen Fürsorge für die Erhaltung und gedeihliche Pflege des Synagogengesanges, aber auch für eine entsprechende, in jüd. Auffassung methodisch und künstlerisch geleitete Vorbildung und Fortbildung der Kantoren. Treten dazu dann jene Vorbedingungen, welche das Herz eines jeden berufsbegeisternden, würdigen Vorbeters erfüllen, dann wird das rwin, der altüberlieferte Synagogengesang, in ungeahnter Weise erstarken und sich tanzend entfalten auf dem ihm eigenen und geührenden Gebiete der Kunst. Er wird neue Freunde gewinnen, als hohes Kulturelement im Judenthum seinen machtvollen, segenreichen, einigenden Einfluß weitertragen in den veredelten und verschönerten Gottesdienst, sowie in die Herzen des jüd. Volkes. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Köln. Run hat die hiesige Stadtverordneten- Versammlurg auch ihre „Schächt-Debalte" gehabt. Bei Berathung einer neuen Schlachthof-Ordnung stellte Stadtv. vom Rath die Frage, wieviel Thiere im Schlachthof geschachtet würden. Dabei kam zu Tage, daß vier Fünftel von allem im Kölner Schlachtbos getödteten Vieh geschachtet wird. Die jüdischen Metzger schlachten nach ihrem jüdischen Ritus, und auch die meisten christlichen Metzger schlachten ohne vorherige Betäubung des Viehes, weil sich dabei das Blut bester auffaugtN läßt. Nun enthielt die frühere Schlachthofordnung noch insofern eine Beschränkung des Schächten-, als der erste Passus des § 9 lautet: „Das Schlachten nach jüdischem Ritus ist nur jüdischen Metzgern, sowie denjenigen christlichen Metzgern gestattet, welche nachweislich jüdische Kundschaft zu bedienen haben." Es handelt,'stch nun darum, ob diese Bestimmung aufrecht erhalten werden soll. In der Schlachthofkommission hat man darüber lange hin und her debattirt. Beigeordneter Pelmann erklärte, daß auch diese Beschränkung auf Antrag des Stadtverordneten Eltzbach gestrichen worden wäre, dieser aber fehlte in der Sitzung, und da er der einzige jüdische Vertreter ist, schlug Bürgermeister Becker vor, keinen Beschluß in der Sache zu fassen, bis er wieder da sei. Die Sache wurde darauf in die Kommission verwiesen. Stadtv. vom Rath ersuchte, Erhebungen darüber anzustellen, wie sich andere Städte zum Schächten stellen. Höchberg (Bayern). Dem Jahresbericht pro 1898/99 der Lazarus Ottensoser-Stiftung für die Israelitische Präparandenschule (Talmud-Thora) entnehmen wir: Thora lernen und Thora lehren, das ist des Juden erstes Gebot und heiligste Pflicht; das bildete seinen Talisman auf allen Stationen seines langen unb bangen Pilgerzuges; dieses war das Salz, welches das jüdische Volk, vor Zersetzung und Fäulnis bewahrte; dort aber, wo es fehlte, da wurden die betreffenden Glieder siech und gingen unserem Stamm verloren. Als die Römer unser Volk vernichten wollten, erkannten sie als das beste Mitttel hierzu, ihm alles „Lernen und Lehren" bei Todesstrafe zu verbieten. Das Gesetzesstudium war und ist aber allezeit mit der profanen Wissenschaft aufs engste verbunden; beide sollen sich gegenseitig veredeln und ergänzen; denn „das Abmühen mit beiden macht vergessen die Sünde". (Aboth 2. 2.) Lastete auch äußerer Druck, ja unerträgliche Unterdrückung auf den Juden, der innige Anschluß an ihr göttliches Gesetz erschloß ihnen doch blühendes Glück, spendete immer von neuem Kraft und Ausdauer und Lebensfreude, die den höchsten Idealen zugewendet war. So scharten sie denn allüberall, wie früher in Palästina, so später in der Diaspora wissensdurstige Jünglinge um die Thorakundigen, am immersprudelndcn Borne göttlicher Lehren, Weisheit und Unterweisung zu schöpfen, hauptsächlich aber, um sich gleichzeitig mit Frömmigkeit und Tugend zu schmücken; „denn nicht das Lernen, nur die Ausübung ist die Hauptsache". (Das. 1, 17.) Wem aber natürliche Beanlagung, Sorgen oder sonstige Veranlassung das Studium unmöglich machten, nun der entsprach dem Segen unseres größten Propheten und unterstützte thatkräftigst die Thorabeflissenen: Lehrer und Schüler. So lehren auch unsere Weisen, daß zu den Werken, die uns unbegrenzten Lohn hienieden, ewigen aber im Jenseits zusichern, auch die Bemühung zählt, für thorabefliffnne Schüler Spenden zu sammeln und für deren Unterhalt zu sorgen. Dadurch wird auch jenen, denen das Glück versagt geblieben, selbst „lernen" zu können, es ermöglicht,

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