Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1558 Frankreich.? Paris. Die Zeitung „La terre Saint" schreibt aus Syrien, daß in allen Provinzen von Syrien und Palästina den Libanon mit eingerechnet in den letzten Jahren eine starke Auswanderung von Maroniten und anderen syrischen Christen sich geltend mache. Dieselbe soll in der Provinz Libanon so stark sein, daß ein Viertel der Bevölkerung bereits ausgewandert ist, und zur Bestellung der Felder es an Arbeitern zu mangeln beginnt. Der Auswandererstrom geht hauptsächlich nach Brasilien und Argentinien. — Dieselbe Zeitung meldet, daß die Griechen in Jerusalem, deren Zahl kaum 3000 erreichen dürste, nicht weniger als drei Millionen jährliche Einkünste für ihre Zwecke zur Verwendung haben, welche ihnen von auswärts zur Verfügung gestellt werden. Wie klein erscheinen dem gegenüber die Summen, welche die Chalukka für die 40,003 Juden Jerusalems jährlich aufbringt. Italien. Nom. Der berühmte Sprachforscher und Lehrer an der Mailänder Academie, Professor Graziadio hat vor Kurzem seinen 70. Geburtstag gefeiert. Unter den zahlreichen Gratulationen, die der Gelehrte aus diesem Anlasse erhielt, befand sich auch eine von der CultuSgemeinde in seiner Vaterstadt Görz. Uebrigens ist Professor Ascoli, der bekanntlich auch Senator des Königreiches ist, noch heute ein gläubiger Jude und fehlt er an den Feiertagen nie im Gotteshause. — In Padua haben vor Kurzem die Gemeinderathswahlen stattgefunden und wurden von den fünf ausgetretenen jüdischen Gemeinderäthen nur drei wiedergewählt. Die Bevölkerung dort hatte nämlich erklärt, sie wünsche nur Katholiken als Gemeinderäthe. — An Stelle des verstorbenen Professors am Rabbiner-Collegium in Florenz, Racah, wurde nun auf Antrag des Dr. MargulieS Professor Elbogen aus Breslau berufen. Darüber allgemeines Bestürzen unter den jüdischen Gelehrten Italiens, die sich so einem Fremden nachgesetzt sahen. Jndeß nvrn nmn ent» raup und darf man daher hoffen, daß die Berufung Prof. Elbogen's den Juden Italiens zum Heile gereichen werde. England.? London. Auch wir haben hier eine Bewegung in der jüdischen Gemeinde, die darauf hinausgeht Sonnlagsgottesdienst einzuführen. Ihr Hauptbefürworter ist Mrs. Oswald Simon, der in Wort und Schrift für diese Neuerung eintritt. Er ist jetzt noch einen Schritt weiter gegangen und kündigt an, daß er am ersten Sonntag im Oktober Gottesdienst für alle Gläubigen, gleichviel welcher Confession, veranstalten will. Er will damit zeigen, daß man zu Gott beten kann ohne Rücksicht auf irgend eine Religion oder Confession, um damit Propaganda zu machen für die von ihm geforderte Verschmelzung der Religionen. Es ist für die Entwickelung innerhalb der jüdischen Gemeinde nur von Vortheil, daß so die Ziele der Bewegung für Sonntagsgottesdienst klargestellt werden, denn mancher Gutgläubige wird nun sich von derselben zurückziehen. > -Vermischtes. < H. Anowrozlaw Vor dem hiesigen Königlichen Schöffengericht >vurde am 8. August der Kantor und Lehrer Hermann Kriegler ans Ungarn, wegen Bettelnd zu einer Woche Haft vernrtheilt. K., der fett seiner Jugend als Kantor und Lehrer in verschiedenen Gemeinden fungitte, ist jetzt wegen vorgerückten Alters außer Stande, sein Amt weiter zu bekleiden. Er hatte eine Frau und o Kinder zu ernähren. Der König!. Amtsanwalt, Herr Pfitzner hob hervor, daß der Angeklagte in früheren Zeiten bessere Tage gesehen und wie traurig es ist, wenn ein Mann, wie dieser, nachdem er arbeitsunfähig geworden, in der Welt bettelnd umberziehen muß. Wie bedauernSwerth ist das Loos der jüdischen nicht pensionsberechtigten Beamten. Karlburg. 4. Sept. Herr Juda Gold st ein '"2 Enkel des Qberrabbiner von Serdahelly, ein Zögling der Preßburger Hochschule wurde zum hiesigen Rabbiner gewählt. Budapest. (Josef Veßi.) Der hervorragende jüdische Lrchriftsteller, Chefredakteur des „Budapesti Navlo", Präsident des hiesigen Journalisten Vereins, ist am 4. Aug. mit Begeisterung in Szaßsebes, Siebenbürgen, zum Reichs tagsabgeordneten gewählt worden. Veßi ist der 14. jü dische Abgeordnete im ungarischen Reichstage. Er ist ein treuer Anhänger seiner Confession, eine Zierde der ungavr schen Schriftsteller. Wien, 4. Sevt. Die ,/Wiener Jüdische Presse" hat, wie der Herausgeber derselben, Herr 'Wilhelm Morgenstern in Blochs Wochenschrift bekannt macht, zu erscheinen aufge hört._____ Feuilleton. IHypen aus dem Whetto. Von Dr. H. Sigmundsohn. 5,) Nachdruck verboten. IV. Pertj Vutser Am 11. April des Jahres 1812 hat Perez Kaiser, als Sohn der Eheleute Abraham und Zirl Zwirnbeißer das Licht der Welt erblickt. Kaum fünf Jahre alt, bezog er, wie alle Kinder der vormärzlichen Zeit, das Cheder, zu dessen befähigtesten und fleißigsten Schülern er gehörte. Er lernte rasch, war ein sehr aufgeweckter, fleißiger Junge, der nur