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Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1555 kommen, nur die Taube und Turteltaube und grade diese erleiden die schwersten Verfolgungen von den stärkeren Vögeln." 2^ ncn jniran. Der Elrog gleichet dem Herzen. Mit Recht kann die Agada darum ihr Symbol in dem Paradiesapfel erblicken. Ihre Gemüthstiese und Herzlichkeit, ihre hingebende und liebeerfüllte Weise berechtigen sie dazu. Wie der Gott, den die Agada mit herzbegeisternder Kraft des Glaubens lehrt, der liebende Allerbarmer ist, so sollen seine Verehrer sich durch Liebe und Güte nur auszeichnen. "2', cri nnx?,« pjn am wH.na und „nur wer sich seiner Mitgeschöpfe erbarmt, kann auf Erbarmen bei Gott rechnen" b'sbh fe i’H' c’eno jpian bv cnien bs „nur der, der liebevoll ist, ist ein Jude", anian bz", ynte xritt» ih-ps w. Diese Liebe kennt keine Grenzen, sie verlangt Milde uad Schonung selbst gegen den Feind mw ’o es ü’c« nvn c-a zbivh 'b. Immer erweise der Mensch Liebe, selbst dem, der ihm Böses gethan." Selbst gegen die Sünder wird Sanftmuth und Geduld gepredigt. Als die edle Beruria wahrnimmt, daß ihr Gatte in einer Aufwallung der Zornesgluth Gott um Vernichtung seiner sündigen Nachbarn anruft, weist sie ihn zurecht: „Nicht die Sünder sollen vergehen, die Sünden sollen vergehen!" Auch gegen die Heiden ist die Agada liebevoll und gütig. Auf die Edlen unter den Völkern der Eroe bezieht sie das Psalmwort: „Mögen sich kleiden in Heil deine Frommen!" Die guten und edlen Werke, die von heidnischer Seite geübt werden, finden bei der Agada freudigen Wiederhall und dankbare Anerkennung raan muh ncm. „Die Liebe, welche die Nationen üben, das sind gottwohlgefällige Opfer und die erwirkt ihnen beim himmlischen Vater Vergebung all ihrer Sünden." Auch der Bachweide gleicht das Wort der Agada. An Bächen und Flüssen sprießt sie empor, wo Thränen fließen, und Fluthen sich ergießen, so pflanzt auch die Agada ihren Trost und ihre Erquickung. Wo Leid seine dunklen Fittige ausbreitet, da kündet die Agada mit prophetischer Gewalt Erhebung und Hoffnung (rrc1? "öh>. In den schweren Zeiten der Noth und der Verfolgung beruhigte und kräftigte sie das unglückliche Volk, und wo alle Welt es verstieß, nahm sie sich seiner an und sprach: 2^222 ~vb: mtwi ast: hh nrb. Komm, mein Trauter, wir wollen gehen aufs Feld, ins Gotteshaus <r>v52n n-2 wollen uns Herberge suchen auf den Weinbergen, in den Lehrhäusern" (mmo ^2 n>. Und wie wußte sie da in Synagoge und Lehrhaus den gesunkenen Muh des Volkes zu beleben. Welche Kraft des Ausdrucks, welche Tiefe des Gefühls, welche Macht der Phantasie, welche Gegenständlichkeit und Bildlichkeit der Sprache, welches grandiose Verständniß für Volksthümlichkeit, welche Unmittelbarkeit der Anschauung, welche Frische der Darstellung! Ein Wort statt vieler! „Ein König heirathete eine Fürstentochter; unter dem Baldachim war der Treuound mit wechselseitigen Geschenken besiegelt. Zwei Kleinodien gab der könig, zwei Kleinodien empfing er. Nach einiger Zeit verliert die Fürstentochter die beiden Angebinde ihres königlichen Gatten, der König verstößt sie im Zorn. Sie findet sie wieder und der König, der ihr in der Aufwallung seine Geschenke zurückgenommen hat, gibt ihr mit den Geschenken seine Liebe wieder." Und nun die Deutung! „Zwei Kleinodien sollte Israel für seinen Gott hüten, b£b»,2: np-nt Liebe und Gerechtigkeit, Gott spendet ihm dafür zwei andere Gnadengaben e'arm ian Huld und Erbarmen. Israel hat seine Kleinodien preisgegeben, Liebe und Gerechtigkeit waren aus seiner Mitte geschwunden, darum verlor es des Ewigen Huld und Erbarmen! Es finde seine alte Liebe und Gerechtigkeit und von Neuem wird ihm die Sonne der göttlichen Gnade erstrahlen." In solchen und ähnlichen Bilvern wußte die Agade sich als unerschöpflich in Tröstungen — daher ihr Name paru *in zu bewähren. „Der Sonnenaufgang war ein Bild der kommenden Erlösung, die auch allmählig wie das Aufsteigen der Morgenröthe sich vorbereitet." „Die Tempeltrümmer, beredte Zeugen von der Wahrheit der göttlichen Strafverheißungen, sind andererseits ebenso sichere Beweise dafür, daß auch die Prophezeiungen des Heils und der Errettung in Erfüllung gehen werden." „Die Laubhütte — ein Sinnbild des schützenden Daches, das einst Israel und die gcsammte Menschheit beim großen Verbrüderungsmahle beschirmen wird." Auch unsre Zeit bedarf des begeisternden Wortes, der herzerfrischenden, die Gemüther weckenden Belehrung über die Thora n. In der Agada finde sie ihr Nacheiferung weckendes Vorbild. In die reichen Schätze des Midrasch versenke sich auch unsere Schriftdeutung immer aufs Neue und gewinne daraus liebliche Anmuth des Ausdrucks, edle Gesinnung, die Liebesfülle eines tiefen Gemüthes und den beseeligenden Reichthum heiliger Empfindung. Zeitungsnachrichten und Earrespandenze« Deutschland. Berlin. Ein obscureS, jüdisches, seit einiger Zeit erscheinendes Blättchen, sucht sich mit verzweifelter Mühe über Wasser zu halten und schreckt vor keinem Mittel und Mitselchen zurück, die der Selbsterhaltungstrieb Sinkenden eingiebt. Damit man in ganz Kleinasien von ihm rede, hat Herostrat ein

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