Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1899)
- Date
- 1899-11-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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man ihn von hier scheiden. Möge er in seinem neuen Wirkungskreise einer gleichen Beliebtheit sich erfreuen. —Z.— Brrrgpreppach. Im Laufe der nächsten Tage wird Herr Lehrer Bamberger die Stätte seiner seitherigen Thätigkeit verlaffen, um eine Lehrerstelle bei der orthodoxen Gemeinde in Nürnberg zu übernehmen. Die hiesige Talmud-Thora-Schule verliert mit seinem Weggange einen tüchtigen und pflichttreuen Lehrer und Erzieher. Möge er in seinem neuen Wirkungskreise die Liebe und Achtung finden, die ihm hier während seiner nahezu sechsjährigen segensreichen Wirksamkeit im wohlverdienten Maße zu Theil wurde. Q Straßburg i. E. Bei der am 19. d. Ms. im Bezirk Unter-Elsaß abgehaltenen Wahl dreier Mitglieder für das israelitische Konsistorium wurden die Herren Arthur M o ch—Hagenau und Leon Schwarz —Straßburg, wiedergerwählt. Neugewählt wurde Herr Ferdinand Oppenheimer—Straßburg. Straßburg f E., 28. Nov. Wie ich vernehme, soll seitens des Ministeriums die Wahl des Herrn Oberrabbiner Ury aus Metz noch nicht bestätigt sein. Es existirt hier nämlich eine Opposition gegen den Genannten und ist man auf den Ausgang gespannt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 23. Nov. (Bor dem Polnaer Processe.) Kurz vor Beginn der Polnaer MordproceffeS erschien in der hiesigen Zeitschrift „Die Neuzeit" ein Aufsatz, in welchem es hieß, daß gegen Hilsner auch nicht der Schalten eines Beweises erbracht werden konnte und die Anklage sich nur auf dem Gebiete der Hypothesen bewege. Aus diesem Anlasie wurde von der Wiener Staatsanwaltschaft gegen Herrn Dr. Daniel Löwy, Rabbiner und verantwortlichen Redakteur der „Neuzeit", und Herrn Siegfried Fleischer als Verfasser die Anklage erhoben, aus Anlaß einer noch im Zuge befindlichen Strasverhandlung in Erörterungen über die Kraft der Beweismittel eingegangen zu sein, welche auf die öffentliche Meinung einen dem Ausspruche des Gerichtes vorgreifenden Einfluß nehmen konnten. Die Verhandlung hierüber fand heute unter dem Vorsitze des Vice-Präsidenten Dr. v. Holzinger statt. Herr Dr. Löwy, welcher angibt, daß er mehr als 78 Jahre alt fei, führt zu seiner Verantwortung an, daß das Erscheinen der betreffenden Nummer der „Neuzeit" mit dem israelitischen Versöhnungstage zusammengefallen sei. In Folge der rabbinischen Funktionen, die ihm hierdurch entstanden, habe er den incriminirten Aussatz nicht lesen können. Herr Fleischer, zweimal wegen Preßübertretungen bestraft, sagt, der beanstandete Aufsatz richte sich,.wie aus dem Inhalte in seiner vollen Gänze hervorgehe, nicht gegen die Kuttenberger Staatsanwaltschaft, sondern sei zur Abwehr gegen die journalistischen Angriffe geschrieben, die aus Anlaß dieser Affaire seit Monaten wider die Juden in ihrer Gesammtheit erfolgt waren, und insbesondere gegen die Procedur des privaten Rechtskomitees, welches sich zur Abhörung von Zeugen in dieser Angeleg. nheit gebildet hatte. Der Präsident verlrest auf Wunsch des Vertheidigers Dr. Morgenstern den Äuf^tz der „Neuzeit" und bemerkt sodann: Das Beweisverfahren ist geschloffen ... — Vertheidiger: Nein... — Präsident : Wenn Sie noch einen Antrag stellen wollen, so bitte ich es zu thun, mich aber nicht in solcher Weise zu unterbrechen, weil sich das nicht ziemt. — Vertheidiger: Pardon, aber ich glaube, daß es geziemend gewesen wäre, wenn Sie die Gewogenheit gehabt hätten, mich zu fragen, ob ich noch einen Antrag zu stellen habe. Präsident: Mein Beweisverfahren ist geschloffen. — Vertheidiger: Ihres, aber nicht das meine. Die erbärmlichen Angriffe gegen die Juden, durch welche vor dem Proceffe auf die Kuttenberger Geschworenen eingewirkt wurde, veranlaffen mich zu der Anfrage an den Herrn Staatsanwalt, ob ihm die Artikel des „Deutschen Volksblatt" und anderer Zeitungen bekannt sind, in denen antisemitische Hetze aus Anlaß der Polnaer Affaire betrieben wurde. Wenn der Herr Staatsanwalt dies zugibt, dann habe ich einen Antrag nicht nothwendig, wenn er es negirt, dann muß ich einen Antrag stellen. Staatsanwalt Dr. Bobies erhebt sich. — Präsident : Ich weiß nicht, ob der Herr Staatsanwalt Anlaß hat, sich zu äußern. — Vertheidiger: Aber vielleicht will 'der Herr Staatsanwalt antworten. — Präsident: Der Herr Staatsanwalt bildet keinen Questionnaire. Stellen Sie einen Antrag oder nicht? — Vertheidiger: Es steht in dem Belieben des Herrn Staatsanwaltes, zu antworten oder nicht zu antworten. Wenn er ablehnt, werde ich den Antrag stellen. — Präsident: Nein, ich gestatte nicht, daß er antwortet. — Staatsanwalt setzt sich. Vertheidiger: Nun, so richte ich keine Frage, sondern stelle eine Behauptung auf. Ich behaupte, daß in verschiedenen Blättern, insbesondere im „Deutschen Volksblatt", gleichsam unter den Augen des Staatsanwaltes unfläthige Artikel nicht nur gegen Hilsner, sondern auch gegen die Juden erschienen, welche in einer Weise geschrieben sind, daß man die Hände über den Kopf zusammenschlagen möchte, Artikel, in welchen auch der Untersuchungsrichter in der Polnaer Affaire um seiner Objektivität willen an den Pranger gestellt wurde, als würde er zu Gunsten der Juden die Wege der Gerechtigkeit kreuzen. Von April bis September haranguirte dieses Blatt, bi«