Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1899)
- Date
- 1899-11-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1970 deffen Sitten und Gebräuche nachzuahmen, größte Dankespflicht scheint. Eine ganze Reihe von Jahrzehnten währt dieser paradiesische Zustand und im sichern Selbstbewußtsein einer Freiheit, die keine Gewalt ihm mehr zu rauben vermag, hat dieses Völkchen nur noch für seinen minder begünstigten Bruder, der in vermeintlich unzivilifirten Ländern verkümmert, jene Theilnahme, die dem in Ueberfluß schwelgenden Glücklichen, seinem unglücklichen Bruder gegenüber geziemt. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel, stürmt plötzlich ein Ungewitter herein. An Stelle von Gleichheit und Brüderlichkeit, hat eine grausame Gesinnung Platz gegriffen. „Fort mit dem Eindringling," tönt eS aus allen Ecken und Enden. Die elementarste Sicherheit, deren sich ein jeder Fremde in aller Herren Länder zu erfreuen hat, ist hier gefährdet. Leben und Eigenthum von vielen Tausenden dem Anstürmen eines rohen Pöbels preisgegeben. Das Recht wird geknebelt und verjagt und schon fühlt Israel die Knute des Mittelalters, deffen Wunden noch nicht vernarbt sind .... 'TO na» f'Kö Woher kann die Hilfe kommen? Sucht ja Regierung und Macht im Lande jede Stimme des Mitleids und jede Aufwallung des verletzten Rechtsgefühls zu unterdrücken. Israel ist also dem rohen Treiben einer wilden Volkswuth erbarmungslos preisgegeben . . . Dort, wo menschliche Hilfe vergebens ist, steht der nf»i rroo uns bei. Ein unvorhergesehener Tod drückt unversehens die erste Regierungsgewalt in die Hand eines bescheidenen, würdigen Mannes und allmählig schwinden die Nachtschatten des Mittelalters crmenos im n'n bxTO’ '» W», Licht und Helle verbreiten sich in den Wohnungen Israels. Wenn wir daher mit überströmenden Dankgefühlen vor den Allgütigen hintreten, um seinen Namen für seine ewige Waltung in unserer Geschichte zu preisen, so wollen wir dabei auch denken: cm cvn. mn psn. England.? London« Unter den Kciegsaufreg ungen, die gegenwärtig da» Londoner Publikum beherrschen, hat man der Feier viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, bei der Lord Roseberry die Enthüllung der Cromwellstatue vornahm. Bekanntlich ist diese Kolossckbüste ein Geschenk eines Juden Mr. Charles Wertheimer und es war daher wohl nicht unpaffend, daß Lord Roseberry bei seiner Festrede auch der Verdienste gedachte, die Cromwell um die Juden sich erworben, indem er ihnen wieder England öffnete. Viel bemerkt wurden auch die liebenswürdigen Worte, mit denen er die anwesenden jüdischen Notabilitäten Lord Rothschild, Sir Montag» und Mr. B. L. Cohen begrüßte. Mit allem Rechte betonte der Redner zum Schluß, daß Cromwell ein warmer und gläubiger Anhänger der Bibel war, und daß Persönlichkeiten des alten Testaments seine Vorbilder gebildet haben. Rußland. Warschau. (Die Juden in Turkestan.) In letzter Zeit brachten verschiedene Zeitungen die Nachricht, daß man daran gehe, die Juden Turkestans noch mehr zu verkürzen. Hierdurch veranlaßt, hat, laut dem „Warschauer Kurier", die Börse in Lodz zwei Großfabrikantcn daselbst bevollmächtigt, dem Handelschef im Ministerium der Finanzen die Resolutionen der Lodzer Börse zu unterbreiten, aus denen unter Anführung zahlreicher klarer Einzelfacten hervorgeht, daß für den russischen Handel in Mittelasien die Juden in Turkestan eine hervorragende Rolle spielen, da sie die Mittelspersonen zwischen den dortigen Kaufleuten und den Lodzer Fabrikanten bilden. Würden nun die Rechte der Juden in Turkestan eingeengt, erwüchse hieraus für die Lodzer Fabrikanten ein großer Schaden._ _ _ Vermischtes New Bork. Herr Chaim El. Hausdorff aus Jerusalem, Sohn deS bekannten Herrn ^elig Hausdorff, hat sich dahier als Apocheür ausgebildet und ist nunmehr in seine Heimath zurückgekehrt. Man wird gewiß die gute Gelegenheit ergreifen, eine Apotheke in Jerusalem zu errichten, die unter dessen Leitung stehen wird. San Francisco. Der hiesige jüdische Waisenhausberein beröfsentlicht seinen diesjährigen Jahresbericht. Wir entnehmen demselben, daß in der Anstalt des Vereins 84 Knaben und 74 Mädchen mit einem Gesammtaufwand von cirka 170 000 Mark erzogen werden. Feuilleton. Der (Lhammer und der schaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Ma^ou. 12) (Alle Rechte Vorbehalten.) Der Graf trat an den Glock^nzug und beauftragte den herbeieilenden Diener, Farßel in das Speisezimmer zu führen. „Einen schönen, guten Morgen, Euere hochwohlgeborene Gnadenleben!" sagte Fatßel, indem er sich lief verneigte und an der Thüre stehen blieb. „Ist das ein schönes Weiter draußen, es regnet fort." — „Trete Er näher!" sagte der Graf, während es