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Der Israelit · 1899-11-30 · Heft 95 (30.11.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 95 (30.11.1899)
Date
1899-11-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1971 verdächtig um seinen Mundwinkel zuckte. „Wie nennt man ihn nur? Ich glaube Braunholz?" „Braunholz ist mein Zunamen, hochwohlgeboren Gnadenleben. Ich heiße Faißel." „Nun gut, also Faißel. Was führt Ihn schon wieder her? Mit seiner Erbschaft ist Ec doch schon im R inen? — Wie?" „Wie beißt irn Reinen, hochwohlgeborenen Gnadenleben?" jammerte Faissel, indem er seinen Bart strich. „Ich bin erst vor wenigen Wochen hierher gezogen, da gibt es doch viel für Sprinzeleben zu putzen, bis wir in's Reine kommen." Der Graf und die Gräfin brachen in ein schallendes Gelächter aus. „Ec ist sehr drollig, Faißelleben!" sagte der Graf, indem er Faißel gönnerhaft auf die Schulter klopfte. „Er ist aber doch nicht hierhergekommen, um mich zum PutzgeschLst seiner Sprinze einzuladen? Also was wünscht Er von mir?" „Wie werde ich mich so etwas unterstehen, hochwohlgeborene Gnadenleben! Sprinze würde sich bedanken für solche Putzleute, die müssen schon ganz anders ausfthen. Und wünschen? Wie heißt wünschen? Wie werde ich mich so etwas unterstehen, hochwohlgeborene Gnaden etwas zu wünschen! Bitten blos will ich Euer hochwohlgeborene Gnadenleben!" „Und um was will Er bitten? Fasse Er sich aber kurz, Faißel!" „Kurz fassen? wie heißt? Wie kann ich mich anders fassen, als ich bin?" „Ec ist urkomisch, Faißel!" lachte der Graf. „Ich meine seine Bitte soll Er rasch vortragen." „Ah, so? Diese ist rasch vorgetragen. Mein Schusterhandwerk habe ich aufgegeben und möchte hier eine Holzschub- und - Leistenfabrik eröffnen, da sagte man mir, es bedarf der Erlaubniß Euerer hochwohlgeboc-nen Gnadenleben. Und da bin ich." „Ist Er drum eingekommen?" „Wie heißt eingekommen? Euere hochwohlgeborene Gnadenleben sehen ja, daß ich hier da bin!" „Das sehe ich wohl, Faißel! Aber Er muß eine schriftliche Eingabe machen. Hat er das gethan?" „A so? das meinen Euere hochwohlgeborenen Gnadenleben? Das Hab ich nicht gethan, ich kann nicht schreiben." „Dann muß Er es sich schreiben laffen. Aber Er muß unterzeichnen! Er kann doch seinen Namen schreiben?" „Ob ich meinen Namen schreiben kann? Warum soll ich meinen Namen nicht unterschreiben können? Sogar schön kann ich ihn unterschreiben, Euere hochwohlgeborene Gnadenleben! Soll Sprinzeleben auch j unterschreiben?" I „Nein, Seine Unterschrift genügt," lachte der Graf. „Wirlwollen Sprinze in^ihrer Putzerei nicht stören."^? .**!? Faißel wollte sich mit einer tiefen Verbeugung unter vielen Danksagungen entfernen, als Gräfin Delphine, die sich bisher über die Komik, die Faißel unbewußt zum Besten gab, vortrefflich amüsirte, sich in's Gespräch mengte. „Versteht Er was von Diamanten, Faißel?" „Nein, Euere hochwohlgeborene Gnadenlebenste, davon verstehe ich nichts, aher wenn ich mit Leder und Holzschuh dienen kann, davon verstehe ich viel." „Vielleicht werden wir später Seinen Rath hierin benötbigt sein", lachte Gräfin Delphine. „Jetzt aber sehe Er mal her? Wie viel, glaubt Ec, mögen diese Kostbarkeiten werth sein?" „Ach Pele Peloaus^), hochwohlgeboren Gnadenlebenste!" „Was ist es?" rief Gräfin Delphine aus, die ihn nicht verstand. „Ich meine, sie sind sehr schön! Da sind die Diamanten, die Chaijim Parscher'S Frau trägt, gar nichts gegen diese!" „Er gefällt Ihm also? Wieviel würde Er auf diesen Schmuck leihen" „Leihen? Wie heißt leihen. Eure hochwohgeborene Gnadenleben? Wer soll leihen? Wem soll man leihen?" „Er soll auf den Schmuck, Faißel," versetzte der Graf, welcher bisher sich ruhig verhielt, „einer Dame 5000 Thaler gegen gute Zinsen, sagen wir 10 pCt. leihen. Will Er?" „Nein, Euere hochwohlgeborene Gnadenleben, ich will nicht leihen." „Und warum denn? Ist Er mißtrauisch? Der Schmuck präsentirt den fünffachen Werth, den er darauf leihen soll." „Ich bin nicht mißtrauisch, wenn Eure hochwohlgeborene Gnadenleben es wünschen." „Warum weigert Er sich, darauf die 5000 Thaler zu leihen? Sind ihm die Zinsen nicht hoch genug?" „Wie heißt die Zinsen nicht hoch genug," polterte Faißel erregt. „Hat man schon so was gehört? Sündhaft hoch sind sieAber ich will gar keine Zinsen. Wißt Ihr es nicht, hochwohlgeborene Gnadenleben, daß es eine Sünde ist, Zinsen z» nehmen? In der Thora steht es ausdrücklich!" „Sieht mal einer den Faißel an," sagte der Graf nicht ohne Staunen. „Er ist sogar bibelfest. Doch darin steht blos, vom Bruder darf man keine Zinsen nehmen, aber von dem Christen'wird man es wohl dürfen." 204) Wunder über Wunder.

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