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Der Israelit · 1899-11-30 · Heft 95 (30.11.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 95 (30.11.1899)
Date
1899-11-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1967 dieses Wegs nicht auf sofortige, greifbare Resultate rechnen. Je sicherer er zum Ziele führt, desto geduldiger müssen die Säeleute das Aufgehen, Blüthe und Reife ihrer Saat erwarten, »tp mb poxon Die Wendung zum Bessern wird sich nicht so rasch vollziehen, wie man eine zahlreiche Betheiligung z. B. für einen Jugendgottesdienst zusammen bekommt. Aber der Weg schließt jedoch auch nicht das gleichzeitige Einschlagen anderer aus, die ihrer ganzen Natur nach rascher zum Ziele führen. Daß die alten irnan wieder erstehen, in welchen dieselben Lehrer, welche die Kinder für das Judenthum gewinnen sollen, auch die Eltern für alles spezifisch Jüdische wieder zu begeistern suchen, daß allsabbatlich in diesen nv-an ein belehrendes, freimüthiges Wort gegen die vielen Mißstände gerichtet wird, gegen den ra» Wrn, gegen die Uebertrctung der Speisegesetze und gegen alle Schäden, an welchen das Gemeindennd Einzelleben leider so reich ist; das ist eine von den vielen Nebenwegen, die neben oer Hauptrichtung, der religiösen Erziehung der Jugend, zu wünschen sind. Jedenfalls bütfte die Angelegenheit heute reif genug sein, um die Kanzeln und Zeitungsspalten zu verlassen und nunmehr ins eigentliche Volk zu dringen. Dazu wäre in erster Reihe erforderlich, daß die kleine Anzahl der bereits genannten wackeren Männer, welche in der Frage schon das Wort ergriffen haben, sich mit noch einigen Gesinnungsgenoffen verbinden, Besprechungen und Zusammenkünfte, Versammlungen und Meinungsäußerungen veranlaffen, und so vom Wort zur That schreiten. Unsere heilige Sprache hat für Wort und Thai eine und dieselbe Bezeichnung: weil so ost, das freimüthige, zur rechten Zeit gesprochene Wort auch schon eine That istwibp napy. Möge sich das auch in vorliegender Angelegenheit bewähren und die Verhältnisse zum gegenseitigen Sich Aussprechen, diese Aussprache aber zur That führen! '1 m-1'b vavb p-öt “ibd n ntrpv "1 \xt> IX .n^JD neny ’jx ispx eia n aix: 'b i\n istr Zeiturrgsttach richte» unv Eorrespondenze» Deutschland. 8. Berlin, 23. Nov. Der Verein „M ü d ch e nheim Pankow" hielt heute unter zahlreicher Betheiligung seine sechste Generalversammlung ab. Der den Mitgliedern und Freunden des Vereins vorher übersandte gedruckte Bericht läßt ersehen, daß die Erwartungen, mit welchen der Verein in das Berichtsjahr 98/99 eingetreten ist, sich in vollem Umfange erfüllt haben. Mit der Vervollkommnung der Methode haben sich auch die Resultate gebessert. Während des verflossenen Jahres sind im Durchschnitte 17 Zöglinge im Hause gewesen. Im Waschen und Plätten ist eine bessere Ausbildung als früher möglich gewesen, da für viele fremde Haushaltungen — die Zahl ist jetzt auf 25 gestiegen — die Wäsche zu mäßigem Preise mitbesorgt wurde. Reben der Beschäftigung mit Hausarbeit und Wäsche wurde bei allen Zöglingen darauf gehalten, daß sie alles, was zu ihrer Bekleidung dient, sich selbst anfertigen lernen. Neu ausgenommen sind im letzten Jahre 11 Mävchen, in Dienst getreten acht; als ausgebildet entlassen sind bisher im Ganzen 31 Mädchen; davon ist eine verheirathet, 14 in Berlin, sieben auswärts in Stellung, die übrigen neun und zu ihren Eltern oder Verwandten zurückgekehrt. Von den im letzten Jahre als ausgebildet entlassenen Mädchen ist kein einziges ihrem Berufe untreu geworden. Auf Antrag deS Schutzdamenkomitees, deffen Errichtung sich außerordentlich gut bewährt hat, find besondere Belohnungen ausgesetzt worden für diejenigen Mädchen, welche während eines Dienstjahres ununterbrochen bei einer Dienstherrschaft in Stellung geblieben sind, und drei Jahre hintereinander unausgesetzt in Stellung sich befinden. Die Prämiirung erfolgte zum ersten Male am 14. Mai im Beisein der in Berlin verbliebenen früheren Zöglingen in feierlicher Form. Gestützt auf diesen Bericht legte in der heutigen Generalversammlung im Saale der Gesellschaft der Freunde der Vorsitzende des Vereins, Herr Justizrath Breslauer, in ausführlicher Weise die Prinzipien des Hauses dar. Er schilderte die angestrengte Thätigkeit der Zöglinge, für welche der Tag um sechs Uhr Früh beginne und um neun Uhr Abends aufhöre. Durch die Uebernahme der Wäsche fremder Haushaltungen sei eine gründlichere Durchbildung der Mädchen möglich und zugleich eine Hebung und Stählung der Körperkräfte zu erzielen. Die Einrichtung eines Belohnungsfonds sei eine recht zweckmäßige, um den Eifer der Mädchen anzuspornen. Der Verein hoffe, im Frühjahr die zweite Belohnung vornehmen zu können. Das Mädchenhaus dürfe die Anforderungen nicht zu hoch spannen, für den Dienst in feineren Haushaltungen können die Mädchen nicht vorbereitet werden, wenn sie sich auch als Hilfskräfte in diesen sehr gut verwenden lassen dürften. Der Verein habe sich auch zu wehren gegen die Eltern der aufzunehmenden Mädchen, und dieser Kampf sei der härteste und unangenehmste. Es dürfe nicht der Anschein erweckt werden, als ob der Verein zu wenig Zöglinge aufnehme. Der Grund der Nichtaufnahme liege wesentlich in den viel strengeren Grundsätzen, die der Verein hinsichtlich der Körperbeschaffenheit der Zöglinge zu stellen verpflichtet sei. Nicht weniger als 20 Gesuche hätten aus diesem Grunde zurückge-

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