Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-11-30 · Heft 95 (30.11.1899) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 95 (30.11.1899)
Date
1899-11-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449041--49552-2499501
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1966 Schulen, Arbeitsschulen, Fortbildungsschulen u. s. w., welche die elementaren, wissenschaftlichen und andere Fächer paritätisch wie das specifisch Jüdische behandeln. Das ist aber nichts anderes als volle aufrichtige Rückkehr zu dem Prinzip unserer großen Weisen, welches auf Verbindung von min mit p« pn dringt. Die Schwierigkeiten, die sich der Anwendung dieses Mittels entgegen stellen, sollen nicht verkannt und unterschätzt werden. Die wesentlichsten seien hier kurz berührt. Die pecuniäre Seite kann außerhalb der Diskussion bleiben. Wenn die gesammte jüdische Pariser Jugend in neu zu gründenden jüdischen Bildungsanstalten und Schulen untergebracht werden soll, so sind dazu Millionen erforderlich. Aber diese Millionen stnd schon für weniger wichtige Zwecke aufgebracht worden. Herr Grand Rabbin Zadok Kahn hat sie allein schon für Wohllhäsigkettszwecke aufgebracht. Wenn er von der Bedeutsamkeit des Gegrustandes in einer Weife durchdrungen ist, wie sie aus seiner Jom-K'ppur-Predigt so beredt spricht so wird es ihm-leicht fein bie finanzielle Seite der Angelegenheit Hand in Hand mit zu bestimmenden Gesinnungsgenossen zu erledigen. Dabei ist nicht zu übersehen, daß cs sich nicht darum handeln kann, sämmtliche zu gründenden Schuten auf einmal, so zu sagen, über Nacht in» Leben zu rufen. Man wird wie bei allen derartigen Unternehmungen erst in kleinem Maßstabe wie zur Probe beginnen und succ sive auf Grund der gesammelten Elfahrungen und im Berhältniß zu den disponiblen Geldmitteln das große Werk der Reorganisation fortsetzen. Eme andere Schwierigkeit, an der noch vor wenigen Jahren das ganze Unternehmen gescheitert wäre, hat heute viel von ihrem acuten Charocter verloren. Wenn nämlich die proj.ctirten Schulen schon errichtet und berr. ihrer Einrichtung und Ausstattung tadellos daständen, so hätte cs noch vor wenigen Jahren an Eltern gefehlt, die ihre Kinder solchen Anstalten zur Erziehung und Ausbildung Übergaben wollten. Man will sich eben nicht von den nichtjüvischen Schulen und dem Verkehr mit Kindern verschiedener Cvnfessionen lossagen. Man glaubte dieselbe Schulbank, welche jüdische und nichtjüdische Schüler mit einander Iheilen, wäre das beste Mittel die religiösen Schranken zwischen den der Schule Entwachsenen abzutragen. Von diesem Jrrlhum dürfte die Erfahrung der jüngsten Jahre nunmehr geheilt haben. Das rwtp, dem die französischen jüdischen Kinder in den Schulen ausgesetzt waren und es zum großen Theil noch bis zu dieser Stunde sind, bürste manchen belehrt und bekehrt hoben. Heute dürsten viele für die Wahrheit empfänglicher sein, daß diese Vermischung in der Schule die politische Freiheit nicht bringt und das Gegentheil sie nicht nimmt. Als vor NUN ca. hundert Jahren die sociale und politische Besserstellung der Juden sich zu vollziehen begann, damals vollzog sie sich an Juden, die als Kinder nicht mit Christen zusammen auf einer und derselben Schulbank saßen. Wenn für diesen Geist der Gleichheit und Brüderlichkeit erst die Stunde geschlagen hat, dann hält ihn die Gruppirung der Kinder in gesonderte Schulen nicht auf, un) andernfalls bietet die gemeinsame Schulbank keine Garantie für die Exc^sse und Brutalltäten, von welchen die jüngste Vergangenheit Zeuge war. Wohl wissen wir, daß die brutalen Kränkungen und Zurücksetzungen einen großen Theil der französischen Judenheit noch nicht so lies ergriffen haben, um diesen verhängmßvollen Jrrthmn einzusehen und aufzugeben, aber er sitzt doch nicht mehr so tief und so fest, als noch vor wenigen Jahren. Wenn unsere geistlichen und weltlichen Wortführer von der Kanzel und der Presse aus aufllärend nach dieser Seite ihre Pflicht thun, so wird der Erfolg nicht auSbleiben. Aber wenn selbst ein großer Prozentsatz auch heute noch sich nicht entschließen könnte, seine Kmder solchen jüdischen Bildungsanstalten anzuvertrauen, so ist doch die Zahl der Einsichtigen heute mehr als hinreichend, um jedes Bedenken von vornhinein auszuschließen, als fänden solche Schulen nicht hinlängliche Beteiligung. Soweit uns bekannt ist, haben einige konservative Elemente der Pariser jüdischen Gemeinde schon seit einiger Zeit eine Propaganda in diesem Sinne zur Errichtung einer höheren jüdischen Schule entfaltet und soll Herr Grand-Rabbin Zadok Kahn diesen Bestrebungen lymphatisch zur Sette stehen. Eine größere Schwierigkeit bietet die Beantwortung der Frage, ob, wenn heute diese Schulen mit Schülern vorhanden wären, sich auch ein Lehrerpersonal finde, das die profane und jüdische Bildung in sich vereinigte, welche es seinen Eleven beibringen soll. Das möchten wir, soweit unsere Kenntniß der einschlägigen Verhältnisse reicht, allerdings bezweifeln. Vielleicht wäre es nothwendig, für Gewinnung solcher Lehrkräfte das Ausland heranzuziehen. Jedenfalls wäre es nothwendig, den großen Reorganisationsplan des französischen jüdischen Schulwesens in eine einzige bewährte Hand zu legen, die hinsichtlich der Gediegenheit der allgemeinen Bildung und der aufrichtigen, hingebungsvollen Gesinnungstüchtigkeit als Jude das Vertrauen rechtfertigt, die rechten Lehrkräfte zu suchen und zu finden. Es haben auch andere gesucht und mit Gottes Hilfe gefunden; man wird diese Seite der Angelegenheit dem himmlischen Beistand anheim stellen dürfen, der für ein so grobes v'vv> v&h unternommenes Werk noch niemals ausgeblieben ist. Selbstverständlich darf man beim Einschlagen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.