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Der Israelit · 1899-11-30 · Heft 95 (30.11.1899) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 95 (30.11.1899)
Date
1899-11-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XL. Jahrgang. JK »5. Ein Der Isr Aenlrat-Hrgan für das orlhodore Iudenlhum Begründet von Df. fe^mimn in Itttinf. Donnerstag, de» 30« Leitender Artikel. «ine Welidllllg W Kesseren ln Karls. (Schluß.) Nach allem bisherigen ist Talmud Thora, das Lernen und die Pflege der Thora, das einzige Mittel hier dauernd Wandel zu schaffen. Die Unterweisung in der Thora muß mit den Kindern beginnen, aber nicht als Sache des Einzelnen, als private, persönliche Angelegenheit, sondern von der Gemeinde aus in besonders dafür gegründeten Schulen. Die Thora, und die Pflicht sie weiter zu vererben, ist zunächst Sache der Kehillat Jakob und nicht Sache des Einzelnen. So gewiß wir eine jüdische Gemeinde nicht als solche anerkennen würden, wenn sie keine gemeinsame Stätte des Gebets hätte, so gewiß und noch gewisser fehlt einer jüdischen Gemeinde ihr erstes, ihr hauprfächlichstes Kriterium, wenn sie keine Gelegenheit für den Thoraunterricht ihrer Jugend geschaffen hätte. Nun existiren ja Religionsschuten und Gelegenheiten die Kinder Religion zu lehren. Ob diese Religion wirklich unsere alte, unverfälschte Thora oder nur ein dürftiger, verwässerter Extrakt derselben in Katechismus-Form ist, das wäre in erster Reihe festzustellen. In zweiter Reihe, ob auf diesen Unterricht auch die genügende Zeit verwendet wird, die unsere Kinder beim Verlassen der Schule befähigt, selbstständig die Quellen aufsuchen und das im Leben der Schule Begonnene nun allein in der Schule des Lebens forlsetzen zu können. Hier wird die Wendung zum Besseren zu allererst einzusetzen haben. Wie heute die Dinge liegen ist unter den bestehenden Verhältnissen das Ziel, die Kinder bis zur Selbstständigkeit auf dem Gebiete der Rovemver 5660 (1800), Thora auszubilden, nicht zu erreichen. Es wird auch außerhalb von Paris selten erreicht und eine Großstadt wie Paris wird der Erreichung dieses Ziels besondere Schwierigkeiten entgegen stellen. Dieselben sind so groß, daß auch die wenigen Bessergesinnten in Paris es nicht ermöglichen, ihre Kinder '212 bv mvn zu erziehen. Diese vereinzelten, frommen, wackeren Familien, die mit Aufgebot ihrer ganzen Kraft, mit Einsatz von Gut und Blut, bestrebt stnd den Anforderungen des Judenthums gemäß ihre Häuser zu gründen und sortzubauen, auch diese haben es nicht zu Wege gebracht, ihre Kinder derart mit dem Geiste der Thora zu tränken, wie es fein müßte und wie sie selber es möchten. Es ist dies unter den bestehenden Verhältnissen, bei den großen Ansprüchen, welche die Schulen der profanen, wissenschaftlichen, merkantilischen und sonstigen Disciplinen an ihre Schüler stellen, bei den weiten Entfernungen und der beträchtlichen Zeit, welche die Kinder der Weg zur Schule und zurück täglich kostet, auch thatsächlich gar nicht zu erreichen. Dazu kommt noch eine ganze Reihe anderer Hindernisse und Schwierigkeiten, welche jede Möglichkeit so gänzlich ausschließen, die Kinder für die Kennntniß und Erfüllung von Thora und Mizwoh zu erziehen, daß ihre Aufzählung hier unterbleiben kann, da sie von allen, welche dieser hochwichtigen Angelegenheit je näher getreten, vollkommen gekannt und anerkannt werden. Will man unsere Jugend trotzdem für das Judenthum gewinnen und dauernd erhalten, so muß mit dem bisherigen System vollständig gebrochen werden. Das einzige Mittel zur Rettung und Besserung liegt in der Schaffung vonSchulen, welche weltliche und jüdische Disciplinen in ebenbürtiger Weise in ihren Schulplan aufnehmen. Also in Gründung von Volksschulen, Gymnasien, Polytechnischen

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