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Der Israelit · 1899-09-12 · Heft 72-73 (12.9.1899) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 72-73 (12.9.1899)
Date
1899-09-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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WWWM 158» Die Wohlthätigkeit, welche heute die Stelle des Zehnten vertritt, sie ist noch das einzige Pflichtgebot, welches von unserem Volke wie ehedem geübt wird, Barmherzigkeit wird von ihm gerühmt. So möge denn der Ewige auch Barmherzigkeit an seinem Volke üben, dieses einen Verdienstes halber und in Jisroel den alten Geist erwecken, damit es seine Fehler erkenne, und wieder nach Gottes Willen lebe. Mögen unsere Brüder und Schwestern an diesem Jom hakipurim in völliger Buße zum Ewigen zurückkehren und sich auf ihren heiligen, priesterlichen Berus wieder besinnen. Es werden wieder gefunden alle jene Verdienste in seiner Mitte, um deren Willen der hohe Priester Gnade fand bei dem Allerbarmer, der irdische Sinn möge schwinden, und ein höheres Streben nach Vervollkommnung des Geistes und Befolgung des Willens des Ewigen möge alle erfüllen svx. Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen Deutschland. H. Bad Ems Zu der W. Korrespondenz Ihrer geschätzten Zeitung von voriger Woche beehre ich mich Ihnen folgende Berichtigung zugehen zu lassen: Als regelmäßiger Kurgast von Bad Ems kenne ich die dortigen Wohlfahrtseinrichtungen sehr genau und weiß daher, daß einige Ihrer Mittheilungen nicht ganz zutreffend sind. Das segensreich wirkende „Jsr. Central- Waisen- und Mädchenheim", bei deffen Einweihung vor zwei Jahren ich selbst zugegen war, beherbergt z. Z. 31 Mädchen aus den verschiedensten Theilen Deutschlands, doch ist meines Wiffens keine Holländerin darunter. Herrn Dr. Aronsohn bringt allerdings der Anstalt sehr großes Jntereffe entgegen. Aber es würde von großem Undank gegen die andern Herren zeugen, nicht in ebenso warmer, anerkennender Weise der Verdienste des Lokalkomitees zu gedenken. Die Herren Bezirksrabbiner Dr. Weingarten und Stadtverordnete Kir chb erger und Königsberger, sowie im ersten Jahre der Begründung Herr Louis R o s e n h e i m haben an dem Zustandekommen der Anstalt ebenso großen Antheil gehabt. Bis auf letzter» sind sämmtliche Herrren noch heute in aufopferndster, uneigennützigster Weise für das Gedeihen und die Fortentwickelung dieses edlen Werkes thätig. Außer den hiesigen Ehrendamen gebührt vor allen Dingen den auswärtigen Ehrendamen, Frl. Exull von Henrichsen aus St. Petersburg und Frau Hofrath von Abrahamsohn aus Kiew, welche gleich mir schon seit mehreren Jahren ständige Kurgäste von Ems sind, der wärmste Dank für den Eifer und die werkthätige Liebe, die sie jederzeit für das Waisenhaus bekunden. Frau Dr. Aronsohn konnte deshalb niemals in „aufopfernder Liebe" dafür leben und wirken, weil sie bei Begründung der Anstalt leider nicht mehr unter den Lebenden weilte. Wreschen, 8. Sept. Nach kurzem Krankenlager verschied in der Abendstunde des vergangenen Sonntags Herr Abraham Zucker, der langjährige Gabbi unserer Gemeinde und Vorsteher des israelitischen Armen-Vereins. Die Trauerkunde drang mit Blitzesschnelle in alle Familien unserer Gemeinde und überall weckte sie Gefühle inniger und schmerzlicher Theilnahme, ob des Verlustes, dieses so hochverdienten Mannes. Am Eref-Rosch-Haschono, Nachmittags 3 Uhr begann die Trauerfeier in der Synagoge. Den schmucklosen Sarg, der die irdischen Ueberreste des Verklärten in stch barg, umstanden die Vertreter der Gemeinde und die Familien-Angehörigen. Der Gemeinde^Rabbiner Herr Dr. L e w i n entwarf in seinem, in Anbetracht des nahenden Jomtofs, nur kurzem Vortrage ein erhebendes Bild des Dahingeschtkdenen. Die Trauerrede mit der ganzen Hingebung eines schwer betroffenen Freundegesprochen, üble auf die Hinterbliebenen und die Verehrer de- Entschlafenen einen tiefergreifenden Eindruck au«. Nun folgte die Einsetzung der Leiche in den Todtenwagen durch die Mitglieder der Chebrah. Ein unabsehbarer Zug von Leidtragenden bewegte sich zu Fuß und zu Wagen durch die Stadt nach dem Bet- Olam. Auch die Theilnahme des nichtjüdischen Publikums war eine sehr große. Draußen rief der Stadtrath und Vorsitzende der Repräsentanten-Versammlung Herr Hugo Ehrenfried Worte herzlichen Dankes und schmerzlichen Abschiedes dem Entschlafenen nach. Herr Abraham Zucker erreichte das Greifenalter von 82 Jahren. Was der Dahingeschiedene geschaffen und mitgeschaffen, ist nicht von leicht vergänglicher Art, in seinen guten Werken wird er auch fernerhin segenbringend unter uns fortleben, und unsere Dankbarkeit ist an seinen Namen geknüpft bis in die späteste Zeit. Pforzheim, 1. Sept. Die Archiv- und AlterthumS-Kommtssion der Stadt Pforzheim hat in einem Aufrufe sich zunächst an die Bürgerschaft gewandt, um durch Vermehrung der bereits vorhandenen Mittel die baldige Errichtung eines würdigen Standbildes für Johannes Reuchlin in seiner stets geliebten Heimath sicherzustellen. Es unterliegt keinen Zweifel, daß diese Anregung nicht nur hier am Orte von glücklichem Erfolge sein wird: sieht doch der edle Gelehrte, den Altmeister Goethe als ein „Wanderzeichen" pries, allen Denen nahe, die in ihm einen der frühesten Vorkämpfer für die Freiheit der Wissenschaft und religiöse Duldung erblicken. Bekanntlich

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