Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 72-73 (12.9.1899)
- Date
- 1899-09-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1540 hat der große christliche Gelehrte zu Anfang des 16. Jahrhunderts gegen den abtrünnigen Juden Pfefferkorn und dessen Hintermänner, die das jüdische Schriftthum verdächtigten, voll den Kampf ausgenommen und mit Erfolg gegen viele Widersacher vertheidigt. (Bergt, die Erzählung: Rabbi Joselmann von Rosheim, von Dr. Lehmann. Red.) O esterr.-Un gar. Monarchie. Wien, 9. Sept. Das Drama von Rennes, das eine Posse genannt werden müßte, wenn es nicht eine Tragödie wäre, es ist zu Ende. „Mildernde Umstände" bat man dem unglücklichen Dreyfus zugebilligt, als wenn es bei einem Verräther mildernde Umstände geben könnte. Entweder er ist ein Verräther, dann gibt es keinen Gesichtspunkt, unter dem die Schändlichkeit seines Verbrechens kleiner erscheinen könnte, und keine Strafe ist zu hart, die ihn trifft; oder er hat keinen Verrath geübt, dann bedarf er der mildernden Umstände nicht, dann sind sie ein Wiederspruch in sich selbst. So denkt wohl Jedermann, und so müssen vor Allem Offiziere denken, die über einen Kameraden zu Gericht sitzen. Aber es sind eben dieselben „mildernden Umstände", die man Israel auf seiner ganzen langen Wanderschaft durch das Golus als einen mitleidsvollen Brocken hingeworfen hat, anstatt der Gerechtigkeit, die es hätte beanspruchen können. Hatte man entdeckt, daß die Juden die Brunnen doch nicht vergiftet hatten, so ließ man „mildernde Umstände" walten, indem man ihnen zwar ihr geraubtes Vermögen nicht zurückgab und ihre niedergebrannten Häuser nicht wieder aufbaute, aber man gestattete ihnen gnädiglich in der Stadt wohnen zu bleiben und wieder vor vorne anzufangen, es waren „mildernde Umstände". Hatte man gefunden, daß das Christenkind unmöglich von den Juden geschlachtet sein konnte, da man alle Beweise für das anderweitige Ende des Kindes in Händen hatte, so ließ man die Söhne Jacobs „Mangels Beweise" laufen, nachdem man sie zuvor an Leib und Vermögen geschunden hatte, es waren „mildernde Umstände." Und so könnten die Beispiele aus der Geschichte unsere- Volkes bis ins Unendliche vermehrt werden, stets „mildernde Umstände" statt der vollen Gerechtigkeit die Jahrtausende hindurch. Wir aber hoffen, daß auch für uns einmal die Zeit kommen wird, von der der Festdichter bittet, -wo irm pVo pio ,«ee»orr ^on bmw» ypun ö«mji pm izn 2py>b tjji daß Niemand mehr für mildernde Umstände dem Ankläger gegenüber zu plaidiren nothwendig haben wird, da ebisi kein Ankläger mehr da sein wird, sondern daß Du o Herr an Jakob verkünden wirst die Sache de- Gesetzes und Rechts und uns durch das Gericht Gerechtigkeit widerfahren lässest, vvvv mo Tn inmn den» Du bist ja der Handhaber des Rechts. Frankreich.? Paris. Der bekannte und angesehene Ingenieur A. Vernarb, der in dem Prozeß in Rennes so wirksam Bertillon entgegentrat, hat dasselbe Schicksal gehabt, wie alle Zeugen der Vertheidigung, er ist von den antisemnischen Zeitungen zum Juden gemacht worden. In einem Briefe an die „Libre Parole" protestiert er nun energisch dagegen. Ich gehöre weder zu der Rasse, noch zu der Religion, welcher ein Mathieu Dreyfus zur Ehre gereicht. England.? London. In dem für die hohen Festtage eigens eingerichteten Gottesdienst in der Great Assembly Hall, zu dem der Eintritt jedem Juden frei stand, sah man diesmal 6—700 ) Andächtige. Am ersten Tage nahm Mr. B. L. Cohen, der bekannte Abgeordnete, am Gottesdienste Theil und sprach mit mehr als 100 anderen Kohanim den Priestersegen. Auch KindergotteSdienst ist dieses Jahr zum ersten Mal durch die United Synagogue im Ostend von London eingeführt worden und mit großem Erfolge. An neun Stellen fanden diese Gottesdienste statt und mehr als 1500 Kinder waren bei denselben anwesend. Rach diesem Erfolge wird die neue Einführung nächstes Jahr noch wesentlich vergrößert werden. > Vermischtes. «4 Krakau Die Wahl des bisherigen stellvertretenden Rabbiners Eh. L. Horowitz '"5 zum Oberrabbiner von Krakau ist von der Regierung endgültig bestätigt worden. Briefkasten der Redaktion. Allen Freunden und Lesern, die unS mit Glückwünschen erfreuten, sagen wir innigen Dank, be sondern Dank den amerikanischen Freunden für Uebersendnng der luxuriösen Karten Ihnen Allen eine herzliche: ♦ irr.ta ntrnn iq: Redaktion des „Israelit" Herrn G. A. Friedberg, Lehrer und Cantor in Cob lenz: Auf Ihren Wunsch bestätigen wir Ihnen hierdurch gerne, daß Sie in keiner, weder directer noch indireeter Be -iehung zu unseren jüngsten drei Artikeln, die dortigen Vorgänge betreffend, stehen. Saolbad Aavzburg PavfrlfauB Streng rituelles Etablissement I. Ranges. Mit Genehmigung Sr. Ehrwürden Herrn Landrabbiner Dr. Rülf, unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Auerbach— Halberstadt. In schönster Lage, ruhiges vornehmes Haus am Walde und der Promenade, 46 eleg. Salons mit 86 Balcons, große Veranda, extra gute Berpflegung. Volle Pension incl. Zimmer von 6.50 M. an. Samstags Gottesdienst. Eröffnung 1. Mai Ulax Hecht, 2751]