Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 72-73 (12.9.1899)
- Date
- 1899-09-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1532 bildern begeistern, welche sie wohl nicht zu erreichen vermögen, die ihnen aber stets als Pfadweiser vor Augen schweben. Wir begegnen auch heute noch, freilich leider immer seltenerund vereinzelter Männern, die — wie aus einem Guß geschaffen — an religiöser Zuverlässigkeit und an ächter Frömmigkeit niemals versagen, die im geschäftlichen Berus, als Familienhaupt und im Verkehr mit Freunden und der gesammten Mitwelt sich immer gleich bleiben, indem sie sich in allen Lagen und in allem Wandel und Wechsel der Zeiten als erprobte, pflichtgetreue Jehudim erweisen. Ja, seltener und seltener werden diese Männer und unsere Gemeinde hat leider wieder den Verlust eines solchen Mannes zu beklagen. Am uat ist im 63. Lebensjahre Herr Simon Engländer verschieden. Der Verstorbene war vielleicht einem Theile der hiesigen Gemeinde ganz unbekannt, obwohl er eine sehr lange Reihe von Jahren hier wohnte. Seine Weise war es eben, still und geräuschlos durchs Leben zu gehen, sich nirgends vorzudrängen, aber stets auf dem Posten zu stehen, wenn es galt, für Ausübung wahrer Nächstenliebe thätig zu sein. Seiner großen, mustergiltigen Bescheidenheit, die ihn noch auf seinem Schmerzenslager die Bitte aussprechen ließ, cs möge an seiner Bahre keinerlei Predigt gehalten werden, würde es nicht entsprechen, wollte man hier auszählen, was er innerhalb und außerhalb seiner Famile an hoch und verdienstvollen Werken geleistet; wie manches brave, aber unbemittelte Mädchen es seinem edlen Herzen zu verdanken hatte, daß es eine glückliche, zufriedene Frau geworden. Wie tief unv gründlich seine Frömmigkeit, sowie sein Festhalten an jedem einzelnen der göttl. Gebote gewesen, erhellt am besten ans dem Umstande, daß sein Beruf ihn wohl länger als durch zwanzig Jahre nöthigte, fast die ganze Woche vom Hause abwesend zuzubringen und zwar an Plätzen wo er als Jehudi nichts genießen konnte, weder Milch noch ein Ei hat er jemals vom nr: zu sich genommen, welche Beobachtung ja freilich nur den religiösen Gesetzen entspricht, unter solchen Umständen aber doch ein hartes Opfer bedeutet. DaS Thorastudium zu welchem er in frühester Jugend auf der Jeschiba in Ansbach den Grund gelegt, war ihm bis zu den letzten Stunden „Leben und Verlängerung der Tage." Ec war immer einer der eifrigsten und pünktlichsten Besucher der Schiurim dcS Herrn Dr. Ehrentreu, außerdem kamen auch Privatgelehrle zu ihm ins Haus, um die Beschäftigung mit dem göttlichen Worte zu pflegen. Seine Frömmigkeit war eine reine und geläuterte, niemals hörte man ihn hart und abfällig über Andere urtheilen, niemals betheiligte er sich da, wo man sich mtt übkn Nachreden beschäftigte. Auch im geschäftlichen Leben hat er immer und unentwegt den Schilo der Rechtlichkeit und Redlichkeit blank erhalten; die überaus große Theilnahme, besonders auch zahlreicher Nichtjuden bei seiner Bestattung bewieam besten die große Verehrung und Beliebtheit, deren er sich allerseits zu erfreuen hatte. Vor einem Jahre noch ganz rüstig und seinem Berufe noch stramm nachgehend, btfiel ihn vor einigen Monaten ein tückisches Herzleiden, welches ihm auch an den beiden hohen Festtagen nicht gestattete, feine Andacht im Gottcshause zu verrichten. Trotzdem fand er noch am zweiten Tage m die Kraft und die Energie, sich selbst Schofar vorzublasen; die letzten, schon schwindenden Kräfte mußten der Erfüllung dieses göttlichen Gebotes sich noch dienstbar erweisen. Wenige Stunden später, am frühen Morgen des n'bna out hatte er seine fromme Seele ausgehaucht. Angesichts eines solchen Lebens und eines solchen Heimganges möchte man mit dem heidnischen Seher ausrufen: nww wen 'N102 VT'IHK WH« wnv" 7110. „Möge einst auch meine Seele sterben den Tod dieses Gerechten, möge meine Zukunft der seinigen gleichen!" Oesterr.-Ungar. Monarchie.? Marienbad« Hier kursirt eine hübsche Anekdote vom Prinzen vnn Wales. Derselbe saß eines Tages zufällig allein auf einer Bank im Park, als ein polnischer Jude, den seine Paies deutlich kenntlich machten, sich zu ihm setzte und ein Gespräch mit ihm anfing, das den Prinzen höchlich amüsirte. Der Pole fragte zunächst nach dem Preis des Zimmers, dann was der Prinz seinem Doktor zahle, wie ihm der Brunnen bekomme rc. Schließlich gab der Sprecher dem Prinzen einen freudschaftlichen Rippenstoß und meinte, derselbe sähe so gesund aus, daß er die Brunnenkur eigentlich gar nicht brauche. Der Prinz von Wales hat die Geschichte selbst lachend erzählt und sie damit in Kurs gesetzt. Belgien. Ostende. (Audaces Neptunus juvat.) Wie aus Ostende berichtet wird, hat dort am 14. August Herr Godefroy Levy, genannt Lasker II., aus Brüssel, gelegentlich seines Sommeraufenthalts in Ostende eine schöne That vollbracht. Trotz des wildwogenden Meeres stürzte er sich zur Rettung eines 17jährigen Mädchens in die hochschäumenden Wellen und brachte dasselbe glücklich ans Land. Die Bade-Direktion gratulirte dem edlen Retter und beantragte sofort bei der Behörde die Rettungsmedaille. Herr Levy, weithin bekannt durch seinen unerschöpflichen Mutterwitz, antwortete den ihn Beglückwünschenden: „Das ist der beste Witz, den ich je gemacht habe." (Auch wir gratuliren unserem alten Freunde, in dessen Stammhause in Saarlouis wir bereits vor