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Der Israelit · 1899-09-12 · Heft 72-73 (12.9.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 72-73 (12.9.1899)
Date
1899-09-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1581 Volk" ist Israel durch seine Gesetze — wielGott dies gewollt — sondern aan ap ein „törichtes, unweises Volk" ist es. im pm durch die Miffethat der Gewinnsucht, des falschen Strebens, des eitlen Sinnes, sich einen Namen zu verschaffen Ln den Augen der Bethörten, zertrümmerten die Führer das ehrwürdige Gebäude, und das Volk folgt ihnen, weil es vergeffen hatte die Achtung vor dem Ehrwürdigen und abschütteln wollte das edle Joch der Tugend. — Weiter heißt es im Midrasch: bujk np« *ibkj» rav man rav 'nie» fixt wr. Durch das Verdienst des Sabbaths habe der hohe Priester Einlaß gefunden in das Allerheiligste, denn es heißt: (Jeschajah 56, 2): Heil dem Menschen, der m k t „dieses" thut und den Sabbath hütet. (Fortsetzung in der Beilage). Zeitungsnachrichten rrnv Correfpondenzen Deutschland. Mainz, 10. September. Mit Entsetzen vernimmt man in der ganzen zivilisirten Welt das Urtheil über den jüdischen Hauptmann Dreyfuß. Weil er Jude ist, darum glaubten Diejenigen, welche selbst Miffethaten zu verdecken hatten, den leichter dem Verdacht und Haß Verfallenen mit einer falschen Anschuldigung belasten zu können. Und weil nun Dreyfuß als Jude leiden mußte, darum stand dieser Dulder unserem Herzen doppelt nahe, darum war es uns oft, als wenn die Marter, die ihm auferlegt wurden, uns selbst treffen würden. Wir litten mit dem Gefangenen auf der fernen unwirthlichen Insel im Norden Südamerikas von den Augenblicken an, wo seine Unschuld uns zweifellos erschien. Nachdem jedoch Frankreichs oberste Richter in klaren Worten die Unschuld des angeblichen Verräthers ausgesprochen hatten und dessenungeachtet die Anklage und die gehässige Verleumdung nicht zur Ruhe kommen wollte, da schwieg fast in uns die Stimme des Mitleids mit dem unschuldig gequälten Glaubensgenoffen, vor der gewaltigen Angst, daß in dem Lande, welches bis vor Kurzem durch die Sonne der Brüderlichkeit und Gleichheit in goldenem Strahlenkränze erschien, das offenkundige Recht gebeugt werden könne, indem man für die Stimme der Wahrheit kein Ohr mehr hatte. Das, wovor man in banger Erwartung gezittert hatte, ist furchtbare Wirklichkeit geworden. Zum zweiten Male wurde derselbe Unschuldige verurtheilt. Den verzweifelten Verurtheilten kann unser Auge kaum erblicken, er wird fast unsichtbar vor der schrecklichen Erscheinung der gemordeten Gerechtigkeit. Ein Richter, der um der Wahrheit willen ein gerechtes Ilrtheil fällt, ist gleichsam Genoffe bei der Weltenschöpfung. Die'? Richter, welche gestern in Rennes.durch ihr Urtheil den Angeklagten vernichten wollten, sie haben mit ihrem Spruch die Waffe der Zerstörung gegen ihr Vaterland geschwungen, pvr men »woa. Die heißersöhnte Erlösung wird uns um des! Rechts willen verheißen. Auch Frankreich, so wagen wir immer noch zu hoffen, wird sich von seinem furchtbaren Fall erholen, indem doch endlich in dieser traurigen Sache Wahrheit und Gerechtigkeit zum Siege gelange. Frankfurt a M., 8. Sept. Von dem Vorstandsmitglied der Jsr. Kinderheilstätte in Bad Nauheim Herrn Michael Moses Mainz n erhalten wir folgende Zuschrift: In der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes plaidirt Herr Dr. Münz aus Nürnberg für die Errichtung einer Israel. Kinderheilstätte in B ad K i f s i n g e n, und sagt unter anderem, daß in ganz Süddeutschland keine Kinderheilstätte für arme Israeliten vorhanden fei. Ich erlaube mir Sie darauf aufmerksam zu machen, daß die Israel. Kinderheilstätte in Bad Nauheim, israelitische Kinder aus dem ganzen deutschen Reich während der Sommermonate, soweit Platz und Mittel reichen, gratis verpflegt. Wir haben in diesem Jahre bereits circa 170 Kinder skrofolöse, rheumatismus- und herzleidende mit gutem Erfolg aus der Anstalt entlaffen, und sind in der Lage in dem durch Freifrau W. C. von Rothschild erbauten Heim, welches mit allen hygienischen Einrichtungen der Neuzeit ausgestattet ist, bis zu 300 Kindern während der Sommermonate zu verpflegen, sobald wir die Mittel für die Verpflegung gewährt, erhalten. Wir haben in diesem Jahre sogar auch Einrichtungen getroffen, daß wir Mädchen, welche durch anstrengende geschäftliche Arbeit in der Entwicklung gestört und zurückgeblieben sind, wenn sie auch das Maximalalter von 15 Jahren überschritten haben, zu verpflegen und haben auch darin schöne Erfolge erzielt. -d- München, 10. Sept. Seit dem ersten Selichoth-Tage, da uns die Heiligkeit der Zeit täglich beim frühen Morgengrauen ins Gotteshaus ruft, sind die Gebete, die wir zum Höchsten emporsenden, durchzogen von ernsten Betrachtungen, von schwermuthsvollen Erinnerungen an den entschwundenen Glanz, an die verloren gegangene Herrlichkeit, deren sich einst das gotterwählte Volk rühmen durfte. Keine Klage, kein Schmerzensruf aber tritt aus allen unseren Gebeten markanter hervor, als der dem gepreßten Herzen entquillende Ruf: raut nyta* vjk.' Freilich solche Männer, an die das erwähnte Gebetstück schmerzvoll erinnert, solche Riesen an Glgijbfntztreue und Glauensstärke hat unser Volk schon qelt Generationen nicht mehr au^zuweisen, sitz gehören, der Geschichte an. Allein auch unser Ztznalter hat rra noch Männer, die sich an den gigantischen Vor-

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