Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 71 (8.9.1899)
- Date
- 1899-09-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1522 Verwaltet und alr dann die Kolonisten nach dem Terrain kamen, fanden sie dort ihre Häuser, Ställe rc. fertig vor. Die Leute hatten zwar seinerzeit alle behauptet, in Rußland Ackerbauer gewesen zu sein, allein im Ernstfälle stellte es sich heraus, daß nur eine Familie die Landwirthschast verstand. Drei Familien gingen bald nach London zurück, allein die Uebrigen blieben dort und zeigten sich sehr eifrig. 900 Dunam wurden mit Getreide besäet, 450 mit Wicken und den Rest mit Erdäpfeln, Futterkräutern re. Auch für Baumwolle ist ein größeres Terrain bereits zurecht gemacht. An Stelle der fortgelaufenen Familien sind zwei Mikwehschüler angesiedelt worden, ferner hat die Jews Colonisation Association einen Schochet aus Jaffa und einen Lehrer aus London kommen laffen. Gin Arzt aus Nikosia besucht regelmäßig die Kolonie. Jeder Kolonist hat 4o Dunam gleich 6 Hectar (der cyperische Dunam ist mehr als doppelt so groß, als der Dunam in Palästina), allein dies ist zu wenig und die Leute verlangen mit Recht mehr Land. Die Ernte ist in diesem Jahr nicht schlecht, allein da die Kolonisten noch mit fremden Tagelöhnern arbeiten müssen, die 1 Mark pro Tag erhallen, so erklären sie, daß der größte Theil der Ernte durch diese Löhne verloren geht. Uehxr den Erfolg dieser Kolonie läßt sich noch nichts sicheresagen, da die Leute noch nicht ein Jahr dort sind. Damit sind wir in der unmittelbaren Gegenwart^ und man wird zugeben müssen, daß die Zahl der Versuche, europäische oder sonst fremde Elemente in Cypern in den letzten 20 Jahren, d. h. seit der englischen Herrschaft anzusiedeln, ziemlich klein gewesen ist. Diese Unternehmungen sind bisher alle fehlgeschlagen, nur von dem Erfolge der letzten Kolonie ist noch kein desinitives Resultat da. Auch einige industrielle Experimente, so ein Versuch, die altbewährten Kupferminen auszubeuten, sind total mißglückt. Große Ermuthigung kann man aus den bisherigen Erfahrungen gewiß nicht schöpfen. Wenn ihre Mißerfolge auch nicht allzusehr gegen das neue Projekt sprechen, für dasselbe sprechen sie sicher auch nicht. HI. Worin besteht denn nun eigentlich das neue Projekt des Herrn Trietsch? Er will russische Juden, oder auch Gatizianer etwa die BowySlawer Arbeiter rc. in Cypern ansiedeln und stellt dafür folgende Sätze auf: 1) Die englische Regierung wird diese Pläne unterstützen und danöthige Land schenken. 2) Es rxistirt noch sehr viel fruchtbares, vollkommen herrenloses Land, das dem gehört, der sich darauf niederläßt. 3) Da- Klima, besonders auch in der großen Ebene von Messaria ist sehr gesund. 4) Die Kolonisten müssen sich alles allein machen, auch die Häuser, Ställe rc. selbst bauen, Lehm zu den Ziegeln für die Häuser ist überall vorhanden. 5) Zur Kostenberechnung stellt Herr Trietsch folgende Aufstellung auf. Land kostet nichts, zu bezahlen ist nichts weiter als die Ueberfahrt von Rußland nach Cypern, dann ein Jahr Unterhalt im Lande, dann im zweiten Jahre müssen die Leute sich schon vollkommen selbst erhalten. 0) Man soll gleich Kolonisation im großen Style anfangen. ' Wenn wir diese Theorien recht verstehen, so denkt Herr Trietsch bei der Kolonisation großen Styles an die Ansiedlung von etwa 1000 Familien auf einmal, nehmen wir dieses zur Grundlage unserer Prüfung. Ad. 1) Ob die englische Negierung die Ansiedlung russischer Juden aus Cypern gern sieht, wissen wir nicht. In kleinen Gruppen sind sie ihr sicher angenehm, in großer Zahl vielleicht nicht. Fruchtbare Landstriche für große Ansiedelungen wird sie den Juden ebensowenig schenken wie sie es bei den Versuchen Malteser oder Armenier anzusiedeln gethan hat. Sie hat zudem gar kein fruchtbares, unbewohnte- Land in größerem Umfange zu ihrer Disposition, denn was fruchtbar im Lanoe ist, haben alle» die Eingeborenen im Besitz. Man vergleiche, was Sir Samuel Baker, einer der kundigsten Beurtheiler dieser Dinge sagt in seinem Buche: Cypern im Jahre i87if. Aus dem Englischen vonRrchardOberländer. Seite 1o4. Der Gemüsebau wird in Cypern unbegreisiicherweise überall vernachlässigt, denn Ackerbau ist des Insulaners Beruf, man kann e4 nicht Trägheit nennen, da sie auf dem Felde sehr fleißig sind und unendlich viel Mühe und Arbeit darauf verwenden, steinerne Mauern da aufzuführen wo sie ein kleines Stückchen Erde, das von oben herab ins Thal geschwemmt wird, aufhalten und für sich gewinnen können. Solche kleine Terrassen stehen fast außer Verhältniß zu der auf ihren Aufbau gewandten Arbeit, und diese mühsame Art und Weise zeigt eigentlich deutlich, wie wenig brauchbares Land für den Ackerbau vorhanden ist. Ich glaube, daß dies der Fall ist und daß man sich arg getäuscht hat, wenn man angenommen, daß die Regierung große, einst nutzbar zu machende Strecken Landes besitzt. Es giebt zweifellos große Regierung«ländereien, ich bezweifle aber ihre Brauchbarkeit für die Landwirthschast, und wenn die Vermessungsarbeiten vollendet sind, wird man sich über das Mißverhältniß wundern zwischen den Besitztiteln und den thatsächlich im Besitz der Landeigner befindlichen Strecken. Ich habe auf der Jagd in wilden Gegenden mehrfach große Lichtungen gesehen, auf denen die Eingeborenen, fern von der Aufsicht der