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Der Israelit · 1899-09-08 · Heft 71 (8.9.1899) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 71 (8.9.1899)
Date
1899-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1515 ©übemann in seinem Werke: „Geschichte der Erziehung und de- Unterrichts bei den deutschen Juden" berichtet, ist seit dieser Zeit und in Folge dieser Ursache auch die Elscheinung zu datieren, daß man während des Gesanges der Vorbeter Thora studirle. ja sogar halachische Diskussionen anknüpfte.) (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten ««- «Korrespondenzen Deutschland.? Berlin. Es ist immer gut die Mission zu beobachten, denn die nimmer ruhende Geschäftigkeit dieser Seelensänger muß stets unter Kontrole gehalten werden. So berichtete der 56. Jahresbericht des „Westdeutschen Vereins für Israel" von 13 Taufen 6 in Köln, 5 in Frankfurt a. M. und 2 in Kolmar. Die Erzielung diese» Resultate» fällt drei Missionaren zur Last, den P. Stolle, Goldstein und Littwicu. Viel interessanter ist der Reisebericht de» P. Anacher, der eine Fahrt durch die Missionsgebiete von Galizien, Rumänien und Ungarn gemacht hat. Er erzählt, daß in Folge der rumänischen Schulgesetzgebung die Anstalten der Mission, besonderdie Schule in Galatz, sehr gut besucht sind. Er fand dort auch eine größere Anzahl von Judenchristen vor, d. h. getauften Juden vor, die sich gern in eigenen Gemeinden konftituiren wollen, am liebsten in Palästina. Die Leute möchten auch gern der herrschenden Stimmung entsprechend Kolonien gründen, allein die Missionsgesellschaften sind nach ihren Erfahrungen in Artus vorsichtiger geworden und wollen die Kosten für solche Unternehmungen anderen aufbürden. So schreibt P. Anacher in „Saat und Hoffnung* Jahrgang XXX VI Heft 2 wörtlich: „Freilich würde es schwer sein, die Mittel aufzubringen, und es ist fraglich, ob es nicht rathsam wäre, die betreffenden Judenchristen ließen sich von den Zionisten in Palästina ansiedeln, um so ihre Zugehörigkeit zum jüdischen Volke zu dokumentiren. Sie haben wohl auch die» im Auge gehabt, da sie durch einige Ju^en bei der Leitung de» Zionismus aufragen ließen, wie sich dieselbe zu den Juvenchristen stellen würde. Die Leitung hat geantwortet, sie kümmere sich um den Glauben des Einzelnen nicht." Uns erscheint diese Antwort so ungeheuerlich, daß wir sie wiedergeben, um dem Aktions-Komitee Gelegenheit zu geben, dieselbe zu dementiren. Berlin, 3. Sept. Um die nach dem Eingeständniß Lrebermann v. Sonnenbergs auf dem todten Punkt angelangts anttsemilische Bewegung mit neuem Agitationsstoff zu galvanisiren, sollen dem Parteiprogramm der deutsch-sozialen Resormpartei anscheinend die Rezepte Ahlwardts und des Grafen Pückler einverleibt werden. Der Geschäftsführer der Partei Dr. Giese, hat seinem Referate für den diesjährigen Parteitag u. a. die Forderung zu Grunde gelegt, daß das Alte Testament aus dem Religionsunterricht ausgeschieden werde. Was im Alten Testament von Werth für die Bildung religiöser Anschauungen und sittlicher Begriffe sei, lasse sich auf andere Weise in den Religionsunterricht verweben. Die Schicksale des Judenvolkes, seiner Patriarchen, Könige und Propheten gehörten in den Geschichtsunterricht. — Der „Reichsbote", ein in dieser Frage gewiß unverdächtiges Blatt, bemerkt hierzu empört: „Man muß sich nur wundern, daß diese Herren nicht auch gleich die Ausschließung de» Neuen Testament- Verlangen." Da aber Dr. Giese auf die Wirksamkeit diese» kleinen Mittels zur Bekämpfung des Judenthums nicht allzu große Hoffnungen zu setzen scheint, so fordert er zum Schluß, ganz nach dem Muster des Grafen Pückler, daß die Judensrage „von den anderen Völkern gemeinsam und endgiltig durch völlige Absonderung und (wenn die Rothwehr es gebietet) schließliche Vernichtung des Judenvolkes gelöst werde." Es wundert un» nur, daß die Antisemiten auf diese einfache Lösung der Judenfrage nicht schon früher gekommen sind. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Linz. In Urzahr-Linz wurde unlängst ein Landstreicher eingezogen, welcher angab, er heiße Richard Frey, sei im Jahre 1831 zu Jerusalem geboren und ein Sohn des ewigen Juden AhaSveruS. Sein Vater sei endlich gestorben und nun müsse er die rastlose Wanderung desselben fortsetzen. Zu anderen Angaben war der Mann nicht zu bringen. Er machte den Eindruck eines an religiösem Wahnsinn L idenden und bestätigten einige auswärtige Gerichte, bei denen er schon früher wegen Vagabundage in Haft saß, daß die Gerichtsärzte bei dem Unbekannten thatsächlich Irrsinnigkeit konstatirten. Von einer Bestrafung wurde daher abgesehen. Transvaal.? Johannesburg. Eine Abtheilung unserer jüdischen Knabenbrigade hat kürzlich einen Ausflug nach Pretoria gemacht und sollte bei dieser Gelegenheit auch dem Präsidenten Krüger vorgestellt werden. Aber es ergab dabei eine kleine Schwierigkeit. Krüger fragte, welche Fahne diese jüdischen Knaben führten und als er hörte die „jüdische", erklärte er sie nicht empfangen zu können. Es wurde indessen schnell eine Fahne in Transvaaalfarben beschafft und nun konnte die Parade von Statten gehen. Präsident Krüger war sehr leutselig, hielt den Knaben eine kleine Ansprache, in der er sie ermahnte, gute Bürger zu werden und beschenkte schließlich die jüdische Knabenbrigade mit einer Transvaalfahne.

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