Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 71 (8.9.1899)
- Date
- 1899-09-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449020--49041-2499459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
15X6 -> Personalien, -f Neu«arkt. 2. Sept „Die alte Garde rrgiebt sich nicht — sie siirbt". Mordechai (Marx) Feuchtwanger, der nahezu 84 jährige, so rüstige, körperlich und geistig stet« frsicke Mann, zahlt nicht mehr zu den Lebenden. Ein Schlaganfall streck e ihn am D'östP 's auf da« Krankenbett, welche« neun Tone später sein Sterbelager werden sollte. Thorah und Deieb Erez waren so lecht in ihm vereinigt, und mit der Wiedergabe feiner Biographie ist die Geschichte der allen Gemeinde Sulzbürg auf säst 100 Jahre eng verbunden, an« welcher Kehillo er stammte, woselbst der Name feiner Familie schon seit undenklichen Zetten einen guten Klang be ay. In seiner Jugendzeit besuchte er nebst obligatorischem Religionsunterrichte jdamal» exisiirte in S. noch keine jüd Elementarschule) auch den Privatcheder des Reb Mosch« Löwenmayerder eine Ieschiba im Kleinen unterhielt und die Schüler der verschiedensten Jahrgänge, von 5—1h Jahren in allen Gebieten jüd. Wissen« belehrte, und Mordechai Feuchtwanger zählte mit zu den eifrigsten und wißbegierigsten. Obwohl er sich dem Handelsstande widmete, so war er doch min1? a*ny y3tc> und vervollkommente sich späterhin noch, insbesondere am n3iP bei dem Rabbiner Dr. Mayer Löwenmayer der ihm im Jahre 3'’3n in höchst ehrender Weise die ~ün verlieh, welche Herr Rabbiner Dr. Weinberg am 80. Geburtslage de« nunmehr sel. Entschlafenen erneue.tr. Das Vertrauen der Gemeinde berief ihn in die Verwaltung, ebenso zum Gaboi des Wohlthätigkeitö-, Talmud-Thora- und Jugendveretnes und sein liebliches, angenehmes Organ, verbunden mit einem Schatze unverfälschter, althergebrachter, ort-üblicher Nigunim befähigte ihn, auch in dem Jomim Hanoroim zu amtiren und am pratp ratr das nruo rosn und später mnrr rosn mit wahrhaftem HisoraroS vorzutragen. Al« er daher vor ca. 18 Jahren, unter Berücksichtigung mancherlei Verhältnisse den Entschluß faßte, feine Muttergemeinde zu verlassen, um sich der au« den Fruchttrieben derselben entsprossenen Anpflanzung in Reuma>kt anzufcbließen, bedauerte man seinen Wegzug sehr lebhaft und die Lücke, welche hierdurch entstand war schmerzlich, ihm selbst gereichte cs ebeniallS nicht zum dauernden Glücke; denn dieses, neckisch und launenhaft, «chien von ihin gewichen zu sein, als der Tod feinen wohlversorgten Sohn nach kurzem Eheglücke von seiner Seite riß und ihm die treue Gattin, eine?'n nst'N im wahrste r Sinne de« Wortes, raubte, und o't beroute er es, den Wanderstab ergriffen zu baben, da er zudem mancherlei Gebräuche und Einrichtungen der alten Heimath schmerzlich vermißte In dem mit mm, □•"»Dn rr’CJii muy, jenen Grundsäulcn des Weltgebäudes AuSgestatteten, lebte aber nebst dem, eine LiebenSwürdig- und stete Freundlichkeit. eine gereifte Erfahrung und Wissen anch aus profanem Gebiete, so daß sich seine Verehrer und Freunde aus allen BevölkerungSkrcisen rckrutirten und man gerne in seiner Nähe verweilte, um seinen einsichtigen, mit Witz, Gleichniß und Beispiel belegten Worten zu lauschen und seinem überlegten, vernünftigen Urtheile zu vertrauen. Daher erstreckt sich der Verlust um diesen wackeren Kämpen der Vorzeit noch weiter als auf seine Familienglieder, denen er selbstredend in erster Linie da« Vorbild, der Inbegriff von Tugend und Frömmigkeit, allumfassender Menschenliebe und Toleranz. Vater und Berather gewesen, und die zahlreiche Betbeiligung am Leichenbegängnisse bewies, das auch weitere Kreise in Mitleidenschaft gezogen sind, welchem Gedanken auch der anitirende Geistliche, Herr Rabbiner Dr. Weinberg ' % unter Zugrundelegung der Textworte: nj/'tcnn DIN U3D D'JIDN 1DS '3 TDn ~)DJ '3 'n gebührenden Ausdruck verlieh Duram; sed levius fit patientia. Quidquid corrigere est nefaa. „Hart ist «, aber Geduld erleichtert, wa« zu ändern versagt ist." iTDfWD N>i p3NT?y >3n. „Wehe um die, welche ich verloren, und die nicht mehr gefunden werden." n"3yjn. AUS Westfalen. Vor Kurzem feierte das Eepaar Koppel Bamberg er in Hamm a. d Livpe im engeren Familienkreise, umgeben von Kindern und KindeSkinvern, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide, Manu und Frau, von denen ersterer im 83, letztere im 74. Lebensjahre steht, sind körperlich und geistig noch recht intakt und erfreuen sich rer besten Gesundheit. Wir wünschen ou» HNO *iy D.TnuEo □■TD- 71 tpy’tf, damit es ihnen vergönnt sein möge, dereinst auch ihre Dtamanrhvch zeit in derselben Frische des Körpers und des Geistes feiern zu können Die Familie Bamberger ist sehr religiös und Mitglied des Vereins zur Wahrung der Inkreisen des Judenthums in Westphalen. M. Rosen wald, Iserlohn. Vermischtes Parts. Nicht uninteressant ist, daß sich unter den Pariser Schutzleuten, die sich im Kample gegen die Anarchisten ausgezeichnet haben, einer der wenigen lüd. Polizisten befindet. Es ist dies der Schutzmann MoseS Wolfs, der dafür eine Medaille erhielt. Das „Journal Officiell" theilt diese Ernennung mir folgender Begründung mit: „weil Wolfs sich besonders auszeichnete bei der Unterstützung des Polizeikommissärs Soulier und die anarchistische Flagge den Aufrührern entriß, die sie bei der St. Josefskirchc aufgesteckt halte. London Dieser Tage kehrte eine Forschungsexpedition von der Westküste Afrikas heim, die ein Glaubensgenosse Elcmde Baddington geführt hatte Die Truppe hatte das ganze Hinterland von Aschanti und Togo durchzogen und bringt reiche, wissenschaftliche Ergebnisse heim. - Der be kannte französische Airikareisende Edmund Foö erhielt kürzlich das Kreuz der Ehrenlegion. Phitad pyia. In den amerikanischen Häfen ist jetzt eine Klassifikation der Auswanderer nach Ihren Heimath ländern eingeführt. Nur bezüglich der Juden wird eine AuSnhme gemacht und dieselben werden, gleichviel ob sie aus Rußland oder Oesterreick w. stammen, immer als, Hebrews" klassifizirt. Da aber die hiesigen Juden sehr gegen eine solche Ausnahme sind, so haben sie Schritte bei den Bundesbe Hörden gethan, um eine neue Klasisikationsmethode zn erreichen, und der Einwanderungsilispektor Paoderly hat auch eine solche Reform zuzesagt. Jaffa. Die hiesigen jüdisch- Handwerker sind mit ihrer Lage nicht zufrieden und sie haben auch allen Grund dazu. Au« Mangd an Kapital können sie nicht auf Vor ralh arbeiten und wenn sie Bestellungen erhalten, nrüssen sie, um das Rohmaterial kaufen zu können, den Wucherern in die Hände fallen und 40,50 pEt. selbst 100 pCt. Zinsen zahlen. Hier thäte ein Eredltinstitut Roth, das Geld zu billigen Zinsen leihen könnte. Die Handwerker haben mehrere Versammln tigert abgehalteu. um sich genossenschaftlich zu organtsiren, allein eS ist sehr fraglich, ob diese Versuche ohne Hilfe von außen gelingen können. Soolbnd Havjfnrcg. Pavftljaun Streng rituelles Etablissement l. Ranges. Mit Genehmigung Sr. Ehrwürden Herrn Landrabbiner Dr. Rülf, unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Auerbach — Halberstadt. In schönster Lage, ruhiges vornehmes Haus am Walde und der Promenade, 46 eleg. Salons mit 36 Balcons. große Veranda, extra gut- Verpflegung Volle Pension incl. Zimmer von 6.50 M. an. Samstags Gottesdienst. «rSffuuug i Mai Jlax Hecht. 2751J