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Der Israelit · 1899-09-08 · Heft 71 (8.9.1899) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 71 (8.9.1899)
Date
1899-09-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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3X. Jahrgang. Erste Beilage zu M 71 des „Israelit". Leitender Artikel. Lhasonus. L-. Eine zeitgemäße Betrachtung von I. Ledermann—Darmstadt. (Fortsetzung aus Stummer 65 des „Israelit". Wir haben in den früheren Kapiteln darzulegen gesucht, daß bei Ausübung des Chasonus das Hauptgewicht auf den Vortrag zu legen sei. Dieser Wahrheit entsprechend muß jede Phase, jeder Moment und jede Stimmung in Ausübung de» Vorbeteramtes gestaltet sein. Vor allem durch hingebende, sorgsame Vorbereitung für jede Gelegenheit des Vorbeterdienftes, ob an Werktagen, Feiertagen oder außerordentlichen Gelegenheiten, sei es in liturgischer Beziehung, oder der Art des Vortrags oder namentlich im Studium des Textes. Der kunstgerechte Vortrag kann nur dann die Höhe einer wirklichen Kunstleistung erklimmen, wenn er nicht nur die musikalischen Kunstgesetze beachtet, sondern in erster Linie das sinngemäße Abtheilen nach Sätzen, Gedanken und Satztheilen, also das richtige sogenannte „Sitzen" in den Gebeten sorgsam berücksichtigt. Dazu gehört jedoch langjähriges Studium der Gebete und Versenken in den Urtext der oft schwierigen Dnsve, was der praktische Vorbeier, wie schon oben geschildert, als Hauptaufgabe betrachten muß. Der Vortheil aber ist so lohnend, die Vertrautheit auf dem weilen Gebiete der Festdichtungen so erfolgreich, daß der Vortrag dieser Gebete auch bei sonst weniger stimmbegabten Vorbetern einen weit mächtigeren Eindruck hinterläßt, als andere Kollegen durch die Wucht und Klangfülle ihres Organs kaum zu erzeugen imstande sind, und manche sogar große Gemeinde bietet für diese Wahrheit das beste Beispiel. Hand in Hand, damit geht die korrekte, grammatische Behandlung des Textes beim Vortrag, insbesondere betr. der richtigen Accentuation hvhz und yrbo. ES ist bekannt, wie schwer dies Streben bei gesanglicher Ausführung der verschiedenen Gebete zu erreichen ist, indem die musikalischen Figuren, Behandlung des Rhytmus, sowie der Fluß der Melodie sich nicht immer bequem der Hebung und Senkung der Tonsilben in sprachlicher Beziehung anpaffen. Aber der eifrige, gewissenhafte Vorbeter wird auch in diesem Punkte streng auf sich achten, um so viel als möglich den Grundsatz lautrichtigen, wohl accentuirlen Vortrags auch im Gesang zu pflegen. Natürlich bedarf dies vielen Probirens und eifrigen Stchversenkens in die Einzelheiten der Melodie, welche oft trotz anfänglich scheinbarer Unüberwindlichkeit sich zum Schluß in gewünschter Weise den Ideen de» Vorbeters aupaßt. Man erzählt von dem berühmten Meister im Kantorfache, Lichtenstein in Berlin, daß er jene unvergleichliche Kunst besessen habe, Betonung der Worte, korrektes Setzen des Texte» und Schönheit der Melodie in vollendeten Einklang zu bringen. Ebenso wie die Absicht, das Hauptgewicht beim Vortrag auf das Singen zu legen, ist auch der geistlose Vortrag der Gebete zu verurtheilen. Ich möchte hür nicht nur van der Reproduktion der Gesangstücke sprechen, welche ja durch geistlose Wiedergabe eben tobte Noten bleiben und erst durch lebensvolles Erfassen des Vortragenden wieder Leben erzeugen, sondern von einem Gebiet, dessen Pflege noch sehr zu wünschen übrig läßt, nämlich vom Rezitativ. Wir heben schon früher auf die wunderbaren Schönheiten dieser Gattung gegenüber den GesangSpieeen, sowie auf die Nothwenvigkeit erhöhter Pflege dieses Gebietes hingewiesin. Hier muß deßhalb der strebsame Vorbeier ohne Rücksicht auf Alter und Praxi» sein ganzes Können einsetzen, da auf diesem Gebiete die wahre Schönheit und Gemüthstiefe de« mm enthalten ist. Es ist leider eine bekannte Thatsache, daß junge in die Praxis eintretende Vorbeter, sei e» durch Leichtsinn und Gleichgiltigkeit, sei e» durch falsche AenMichkeit beim Vortrag, besonder» bei rej;tirten Gebeistücken leicht in die Gefahr de« Ueberstürzens gerathen. Da werden Worte halb verschluckt oder ganze Sätze stenographirt und von manchen hoffnungsvoll begonnenen Gebeten, vermag der Hörer nur noch das Schlußwort zu vernehmen, oder wenn der Vortrag im Wechsel mit der Gemeinde geschieht, dieselbe froh sein muß, von der Parthie de« VorbckerS überhaupt noch etwas zu erwischen. Andere Kantoren, welche vielleicht mit der Aussprache etwa» glimpflicher verfahren, vernachlässigen jedoch die Rezitativs im Vortrag auf andere Art, so daß der Hörer sich des Eindrucks ihrer stiefmütterlichen Behandlung nicht entschlagen kann. Greifen wir z. B. nur den Morgengottesdienst am mv heraus. Da kommen zuerst die man 'pwv, dann toj, alles nur kurz angeoeutet, bei den rn-ia vor und nach ronp vermischt sich meist die Stimme des Vorbeters mit der soujflirenden Gemeinde, kurz, es wird eben „fortgewurstelt" bis der Leuchtthurm im Meere, der nn« -pn erscheint. Und jetzt, Lewandowski und Sulzer zur Ablösung vor! Die Stimme wird losgelegt und die Synagoge erdröhnt von den herrlichen Weisen des vielgerühmten pn. Doch nie stimmungsvolle Melodie geht nur bis nvv", hier haben die Gemeinde und der Borbeter

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