Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 71 (8.9.1899)
- Date
- 1899-09-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1511 der Baronin Hirsch zur testamentarischen Verfügung etwas über 63 Millionen Gulden übrig geblieben, da diese seltene Frau bekanntlich vom Tode ihres Gatten bis zu ihrem eigenen Ableben die gleiche Summe wohlthätigen Zwecken zugeführt hat, ohne daß die Oeffentlichkeit hiervon viel erfuhr. Feuilleton. Wypen aus dem Mhetto. Von Dr. H. Sigmundfohrr. 3) Nachdruck verboten. 11. Dev Sthlenrihl Durch Adalbert v. Chamiffo ist der Schlemihl, wenn auch gerade nicht salonfähig, so doch populär geworden. Durch ihn hat er Eingang bei dem deutschen Bürgerthnm gefunden; Chamiffo ist der geistige Vater des Schlemihl geworden, denn er hat ihn, der lange schon in den Ghettomauern lebte und sein böses Spiel trieb, der großen Welt entdeckt. Im Sagenmunde des Ghetto lebte er schon lange, ja wer vermag zu ergründen, wenn er zuerst aufgetaucht? Zahllos sind die Ungeschicklichkeiten und Albernheiten, die er der Sage nach begangen haben soll. Schlemihl geht auf die Brautschau, des Vaters Herzenswunsch ist es, ihn beweibt zu sehen, und er giebt ihm für diesen bedeutungsvollen Schritt weise Lehren, nachdem er verhindert, ihn auf diesem schweren Gange zu begleiten. „Willst Du der Braut gefallen," so sagt Schlemihl-Vater, „dann wirf schöne Augen auf sie." Schlemihl nimmt des Vaters Rath wörtlich und sticht, ehe er für die Reise sich rüstet, dem Hunde, der Katze, der Kuh, dem Kalb, der Gans, der Ente, dem Haushahn die Augen aus und statt verliebter Blicke, die er der Braut zuwerfen soll, bewirft er sie mit den mitgebrachten Thieraugen und wurde mit Schimpf und Schande aus dem Hause gejagt. Schlemihl ist nicht allein ungeschickt, albern, er hat auch ein sehr schwaches Gedächtniß; was er nicht vergeffen will, muß er zu Papier bringen. Bekannt ist auch folgende Anekdote: Eines Morgens konnte er lange Zeit die Kleidungsstücke nicht finden, er hatte nämlich vergessen, daß er diese am Abend unter die Kopfkissen gesteckt hatte. Deshalb nahm er sich vor, beim Auskleiden über den Aufbewahrungsort der Kleider Notizen zu machen und so schrieb er denn auch am folgenden Abend: Der Hut hängt an dem Kleiderstock, das Beinkleid liegt auf dem Tische, die Stiefel stehen neben dem Nachtkästchen, das Arba Kanfos befindet sich unter dem Kopfkissen, der Rock liegt auf der Kommode und Schlemiehl im Bett. Am Morgen, als er seine Lagerstätte verlassen hatte, fand er auch alles an den bezeichneten Stellen, nur den Schlemihl suchte er lange Zeit vergebens im Bett. Unzählig sind die Albernheiten und Narreteien, die dem Schlemihl angedichtet werden. Doch wer war er? Welch' Stammes? Welcher Herkunft? Wer war der erste Schlemihl? In der Regel wird Schlumiel ben Zurischadaj als der erste derer von Schlemihl angeführt; von dem Stammesfürsten Simeons sollen alle die SchlemihlS ihre Namen erhalten haben. Doch wo findet sich ein Anhaltspunkt für die Ungeschicklichkeit des SohneS des Zurischadaj. Der Name Schlumiel (Schlomiel gleich mein Friede ist Gott) weist durchaus nicht auf den späteren Schlemihlberuf. Wohl beging Schlumiel die Ungeschicklichkeit, daß er anläßlich der Tempeleinweihung sein Opfer am fünften Tage darbrachte, wodurch der Abschnitt über fein Opfer nie an einem Sabbat-Chanuka verlesen werden kann, der fünfte Tag des Chanukafestes kann nie auf einen Sabbat fallen, nachdem der erste Tag des Chanukahfestes nie am Dienstag sein kann. Alle übrigen Stammesfürsten können am SabbatChonuka zur Verlesung kommen, dem Schlumiel blos wird das Glück nicht zu Theil. Sr ist dies wohl eine Ungeschicklichkeit, aber Schlumiel trägt ja nicht Schuld daran. Konnte er denn das 900 Jahre später eingesetzte Chanukafest ahnen? Und weil ohne Seherblick, deßhalb Schlumiel ein Schlemihl? Heine schreibt dem Schlumiel in seinem Fragmente Jehuda Halevi Abs. IV. (Romanzero) folgende Ungeschicklichkeit zu. Als Pinchas den Simri ben Solu ermorden wollte und mit gar gewaltigem Zorne den Speer ergriff und ihn auf der Stelle todtgestoßen, da war dem Pinchas, wie die mündliche Ueberlieferung erzählt, daß er nicht den Sünder Simri, sondern den unschuldigen Stammesfürsten Schlumiel ben Zurischadaj niedergestochen. Heine berichtet die Ueberlieferung falsch fes sind ihm im Remanzero noch einige andre Fehler unterlaufen. So nennt er als Verfasser der Sabbathymne den Minnesänger Jehuda ben Halevi, während der Verfasser Meir (Alkabez) Halevi ist; den berühmten Dichter, Philosophen und Exegeten Abraham Iben Esra nannte er Moses Iben Esra; in der Disputation versetzt er den Tosafot Jomtow — R. Lippmann Heller gest. in Krakau 1654 — in das Zeitalter des spanischen Königs Pedro). Die Agadah erzählt nämlich Folgendes: Der von Pinchas erschlagene Simri war der Träger von fünf Namen (vergl. Talmud Tr. Sanhedrin 83 b; nach Midrasch Bamidbar Rabbah Absch. 21 hatte er nur drei