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Der Israelit · 1899-09-08 · Heft 71 (8.9.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 71 (8.9.1899)
Date
1899-09-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1509 erfreut, ist schon aus der Zeit de» Judendichters Auerbach hinreichend bekannt. Wir möchten eS neuerdings vom Standpunkte der Architektur beleuchten. Da hat der jüdische Architekt Oppler zu Hannover ein Schloß golhischen Stiles in Baden-Baden und eine neue Renaissance-Villa an der Kriegsstraße von Karlsruhe erbaut. Eben jetzt errichtet die Karlsruher jüdische Architekten - Firma Carjel und Moser am Mühlburger Thore unserer Residenz eine weitere evangelische Pfarrkirche mit einem gothischen Zentralturme. Der Jude Levy, Lehrer an der Großherzoglichen Baugewerkeschule dahier, erbaut nicht nur Synagogen, sondern hat auch die bayerische Rheinpfalz mit einer Anzahl evangelischer Kirchen versehen, bei denen durchgehends die Scheu vor gewölbten Bauanlagen recht bezeichnend ist; freilich, bei einfachen stachen Holzbalken-Decken hat der Konstrukteur seinen Kopf nicht anzustrengen, da gibt es eben keinen Gewölbeschub und die Aufgabe wird schlicht in denkbar größter Nüchternheit gelöst, nebenbei aber doch möglich viel Baargeld verdient. Kaxienti sat. Die badische Landpost fügt hinzu: Ob der Verfasser des Artikels — die sachlichen Angaben desselben können wir auf ihre Richtigkeit nicht kontrolliren — wohl ein christlicher Architekt ist?" Es ist hübsch von der badischen Landpost, daß auch sie zu der Einsicht gekommen ist, daß eine Hauptquelle des Antisemitismus einfach Konkurrenzneid ist. Breslair, 4. Sept. (Iüdische Handlungsreisende in Rußland.) Entgegen dem vielerörterten Wortlaut des neuen russischen Gewerbesteuergesetzes erfährt die Centralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen, daß durch dieses Gesetz in der Praxis an den Bestimmungen über die Zulassung auswärtiger Juden nichts geändert worden ist; jüdische HandlungSressende können daher unter denselben Bedingungen, wie früher, die Erlaubniß zur Reise nach Rußland auf kürzere Zeit erhalten. Diese Erlaubniß ist unter Vorlegung des Passes bei dem zuständigen russischen Konsulat zu beantragen; eine ministerielle Erlaubniß ist nicht erforderlich.? Neiffe. Bei der großen, diesjährigen Katholikenversammlung spielte auch das heilige Land eine gewisse Rolle, wie schon in den letzten Jahren seit der Katholikenversammlung in Breslau. Diesmal sprach Professor Ditterich (Braunsberg) zu dieser Frage und forderte aus, die Katholiken im Orient kräftig zu unterstützen. Vom Papst und von der Kaiserreise könne man gute Erfolge erwarten. Rußland biete besonders Schwierigkeiten; die mit den Angelegenheiten des Orients sich beschäftigenden Vereine und Anstalten des Abendlandes müßten den nationalen Standpunkt mehr in Hintergrund und den Gesichtspunkt des Chriftenthums in den Vordergrund treten lassen. Was würde man wohl von uns Juden sagen, wenn wir diesen Satz mit Nutzanwendung auf das Judenthum gebraucht hätten. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der 11jährige Wunder- und Wander- Maggid Abraham Jsak Goldberg aus Brest (Lithauen), welcher in Wilga, Riga, Lemberg und Brody bereits 23 Deraschoth hielt, hat auch hier im Vereine „Liwiath Chen" und in der „Chassidim-Klause" am Werd unter großem Beifale sich hören lassen. Der seinem Atter entsprechend kleine Knabe zeigt frische, symphatische Züge, doch erscheint er ziemlich frühreif, und seine scharfblickenden Augen verrathen einen klugen Kopf — der noch etwas Tüchtiges in seinem Fache leisten wird, wenn er von wohlwollenden Glaubensgenossen in die rechte Bahn gelenkt wird. Phänomenal ist die Kraft des Gedächtnisses, vermöge dessen er sich in Bibel, Talmud und Midraschim recht gut bewandert zeigt und auch in der logischen Cvnception bewährt sich philosophische Anlage und war besonders stauncnswerth die physische und phychische Ausdauer, die er in dem fast 1^2 Stunden währenden Vortrage bekundete, theils rccuirend, theilweise in singender Weise, rvie es in Rußland üblich ist, wohl im reinen Jargon, doch bei einiger Aufmerksamkeit nicht schwer verständlich. Rühmenswerth ist die an den Tag gelegte Pietät für die Eltern — der Vater ist in seiner Begleitung — und die hingebungsvolle Liebe zu seinem Volke, dem er Einigkeit und Brüderlichkeit nicht müde wird zu predigen. Frankreich.? Paris. Eine interessante Thatsache, die sich in dem btzten Jahresbericht der Alliance Jsraelite Universelle findet, ist merkwürdigerweise der öffentlichen Aufmerksamkeit entgangen, obwohl dieselbe viel Beachtung verdiente. Wir meinen die starke Auswanderung der marrokanischcn Juden nach Süd- Amerika. Die Alliance Jsraelite Universelle begünstigt naturgemäß eine solche Auswanderung, die sich hauptsächlich aus ehemaligen Schülein ihrer Schule zu« sammensetzt. Während die jungen Leute von Tanger hauptsächlich nach Spanien und Portugal gehen, geht die Jugend von Tetiian nach Venezuela, wo sich bereit* mehrere kleine aber blühende Gemeinden gebildet haben. Erfreulich ist, daß diese Emigranten, sobald sie sich fest ansässig gemacht haben, sofort Verwandte und Freunde Nachkommen lassen. D.e Alliance hat sich auch bemüht, die Auswanderung marrokkanischer Juden nach dein Senegall und dem französischen Sudan zu lenken, doch fanden die ersten Auswanderer, zwei junge Leute aus Fez, sehr schlechten Empfang bei den französischen Beamten. Es ist dies um so merkwürdiger als diese Schüler von Alliance Schulen

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