Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 71 (8.9.1899)
- Date
- 1899-09-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1508 ganzes Heil ruht. Wie würden wir mit Angst und Zittern vor einen Menschen treten, durch dessen Gunst wir unsern Erwerb erhalten! Würden wir in dessen Nähe auch nur in irgend einer Weise die Hochachtung gegen ihn verletzen, würden wir etwaige Wünsche nicht in demüthigster Art ihm vortragen? Nun und wie gleichgültig stehet so mancher im Gotteshause, wie spricht er gedankenlos seine Gebete, so daß sie leer und gehaltlos werden. Nicht dem gewaltigen Schöpfer des Himmels und der Erde wird ein Dienst geleistet, wenn wir Ihm nahen, an uns selbst nur allein üben wir eine Wohlthat, wenn wir dem Allgütigen unser Herz auSschütten. Benutzen wir daher da- Heiligthum nicht als einen Richtweg. Erachten wir unser Verweilen im Gotteshause immer noch als zu kurz, und suchen wir uns dem Ewigen so oft wie möglich in Ehrfurcht und Zerknirschung zu nahen, dann wird Er unserem Flehen auch Gehör schenken; denn wir rufen Seinen heiligen Namen in Reinheit an. — Aber noch haben wir der Anerkennung des göttlichen Namens nicht Genüge geleistet, noch j haben wir nicht mit ganzer Kraft für die Huldigung , des Ewigen gewirkt, wenn wir auch nicht das Gebot des Herrn erfüllt, welches er uns aufgetragen hat in den Worten ya 7110 wipa (3. B. Mos., Lap. 22, V. 32). „Ich will geheiligt werden unter den Kindern Israel." Seinen Namen sollen wir als einen hehren bekannt macken. Darum können wir auch dann nur vor fein Antlitz treten, wenn wir auch hierin Seinen Willen befolgen. Ja, die wahre Anerkennung, die wahre Huldigung des Schöpfers besteht darin, daß wir seine Größe der Mitwelt, zunächst aber — denn dieist der uns bestimmt angewiesene Wirkungskreis — daß wir unseren Kindern die Unendlichkeit und Güte des Ewigen tief einprägen und die Herrlichkeit seines Gesetzes ihnen klar legen. O, es ist ein weites und fruchtbares Feld, welches die Eltern, wenn ihre eigenen Hoffnungen sich erfüllen sollen, zu bebauen haben. Achtung und Ehre gegen Gott, sie werden Achtung und Ehre gegen die Eltern im Gefolge haben. Die Erfüllung jenes Gottesgebotes trägt den herrlichsten Lohn in sich. Dankbar werden einstens die Kinder gegen ihre Erzieher sein, die in ihre Herzen das herrlichste Gut, da- Vertrauen gesenkt haben. Denn nie werden sie wanken und nie verzagen, mit diesem kostbaren Schutzmittel und Kleinod ausgestattet. Und mit frohem Herzen können wir vor den Allvater treten, in dem Bewußtsein, auch in dieser Hinsicht das Höchste für die Huldigung de» Herrn gethan zu haben und dürfen Verzeihung für Vergehen vom himmlischen Vater erwarten. Denn wir haben auf das Schönste nach jeder Hinsicht es erfüllt, was Moscheh, der Gottesmann, uns zuruft: upSiA b-u on mpK n er '2 „Wenn ich den Namen des Ewigen anrufe, anerkennt ' die Größe unseres Gottes." Und es wird die Buße, der wir in diesen Tagen uns unterziehen, eine vollkommene sein. Sie wird, wie unsere Weisen seligen Andenkens sich ausdrücken, den -wart xea den Thron der Majestät Gottes erreichen, das Flehen unserer Lippen wird gnädig ausgenommen werden vom Ewigen, und unsere Herzenswünsche werden uns zum Heile in Erfüllung gehen, jbk. Zetturrgsrrachrtchten rrrrv Correfpondenze«. Deutschland. Berlin, 3. Sept. Hinsichtlich der Ordinariate der jüdischen Lehrerinnen hat der Magistrat dem Beschlüsse der städtischen Schuldeputation zugestimmt, daß das Abkommen ihrer Kommission mit dem Schulkollegium genehmigt werde, unter Vorbehalt des abweichenden grundsätzlichen Standpunkts der städtischen Verwaltung und der Betonung, daß Härten auch nach diesem Abkommen nicht werden vermieden können. Vom Minister sind diese Verabredungen hinsichtlich der bereits angestellten und noch anzustellenden Lehrkräfte an städtischen Schulen genehmigt worden. Es sollen demnach im Ordinariat verbleiben bezw. wieder eingesetzt werden, die drei jüdischen Lehrerinnen Tobias, Beermann und Jastrow I, welche entsprechende Gesuche eingereichl haben, mit Rücksicht auf ihre langjährige und treue Dienstzeit. Bezüglich der neuanzustellenden Lehrkräfte ist festgesetzt, daß die beiden bereits beschäftigten Frls. David und Ranfft mit Rücksicht auf ihre längere Dienstzeit ausnahmsweise zur Anstellung gelangen, sobald ihnen mindestens wöchentlich acht Religionsstunden übertragen sind und mit der Maßgabe, daß diese Stunden bei geeigneter Gelegenheit auf 12 erhöht werden. Die Anstellung neuer jüdischer Lehrkräfte und die Uebertragung eines Ordinariats an dieselben soll auch in Zukunft nicht ausgeschlossen sein unter der Bedingung, daß die ministeriellen Forderungen in den beiden Erlassen vom 27. November 1895 und 14. Febr. 1899 nachgewiesenermaßen erfüllt werden.? Karlsruhe. Die badische Landpost, eine stramm conservatwe Zeitung, die mit dem Antisemitismus sehr häufig kokettirt, ärgert sich über die Konkurrenz von Centrums Zeitungen auf dem Gebiete der Judenhetze. Sie schreibt: „So finden wir im „Pfälzer Boten" einen Artikel der ebenfalls ultramontanen „Augsburger Postzeitung" wieder, der für badische Leser interessant, aber auch gleichzeitig für die Haltung der Centrumspresse in der Judenfrnge recht bezeichnend ist. Der Artikel lautet: „Welcher Werthschätzung sich Israel im Großherzogthum Baden