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Der Israelit · 1899-09-04 · Heft 70 (4.9.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 70 (4.9.1899)
Date
1899-09-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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im die Spuren wohlthätigen Sinne- und grobe Fürsorge: es ist alles recht praktisch und komfortabel ringe« richtet, viel neu htnzugebaut und verbessert. Unser meiste- Jntereffe erregen die beiden großen Schlafsäle, welche je achtzehn Bettchen enthalten, manche von ihnen mit einer Botivtafel versehen, die den Namen des edlen Spenderrühmend erwähnt; freilich entspricht dieses System nicht ganz den Ansprüchen der Hygiene; es erscheint nicht thunlich, eine so große Anzahl kranker Kinder in einem Raum zusammenzulagern. E» macht einen eigenartigen Eindruck, diese vielen kleinen Bettchen, eineneben dem anderen, stehen zu sehen; man glaubt sich in da- Reich der Zwerge versetzt. In Wirklichkeit aber sind diese Bettchen für arme, kranke Menschenkinder bestimmt, für Kinder, die, den Keim schwerer Erkrankung gar oft in sich tragend, gleich den Blumen de- Feldern zartem Alter verwelken. Wenn man all' den Jammer und all' da- Elend so vieler kranker Kinder zusammen an einem Platze sieht, dann kehrt mit den alten Eindrücken auch die alte Frage wieder: Warum ist diesen armen Kindern, welche den Unterschied de-Guten und Bösen nicht kennen, jede Lebensfreude versagt? Da alleauf Erden, wie erwähnt, einen Zweck zu erfüllen hat, da nichtzwecklos ist, welchem Zwecke kann da- Leid kranker, unschuldiger Kinder dienen? Vielleicht daß diese Kinder mit ihrem Glend die Bestimmung haben, jene höchste und vorzüglichste Eigenschaft des Menschen, welche Gott in seine Brust gesenkt und die ihn erst zum Menschen, zum Ebenbilde Gottes erhebt, das Mitleidsgefühl und da- Erbarmen zu erhallen und neu zu beleben. Wenn den Menschen nichtmehr auf Erden mitleidig stimmt, wenn sein Sinn noch so sehr verstockt und gefühllos ist, da- Weh kranker Kinder wird sicherlich sein Herz bewegen und einen sanften Strahl de- Mitleid» in dasselbe senken. Wo in aller Welt gibt e» einen Juden zumal, der nicht Mitleid empfindet und werkthätige Liebe übt, wenn da- Stöhnen unschuldiger kranker Kinder an sein Ohr dringt? Wohlan, Ihr reichen, Ihr edlen Wohlthäter de- Judenthum»! Ts dringt diese- Stöhnen an Euer Ohr! Viele kranke Kinder flehen Euch an mit thränenden Augen, sie flehen: „Erbauet uneine jüdische Kinderheilstätte in Kisstngen, damit wir daselbst Linderung und Heilung unserer Leiden finden! Sollen wir, weil wir arm sind, dahinfiechen in kindlichem Alter? Helfet eine Heilanstalt erbauen, die unin unserer Krankheit Aufnahme gewährt!" Dieser Appell wird sich gewiß nicht vergeben» an die nie versiegende Mildthätigkeit jüdischer Kreise, welcher Parteirichtung sie auch angehören, richten. Gibt es denn ein größere» Verdienst, al» diesen armen, kranken Kindern zu helfen, als sie durch paffende Behandlung dem Leben und den bekümmerten Eltern wiederzugeben? Die Errichtung einer jüdischen Kinderheilstätte in Kisstngen — diese soll Kindern au» allen Lande»- theilen in gleicher Weise zu Gute kommen — ist nicht nur wünschenSwerth, sondern geradezu ein Erforderniß. In ganz Bayern, ja in ganz Süddeutschland existirt keine solche WohlfahrtSeinrichtung. Wie wohlthuend und segensreich solche Anstalten wirken, geht am besten aus den erzielten Heilerfolgen hervor, daß überall dort, wo gefonoert« israelitische Kinderheilstätten, wie z. B. in Königsdorf bei Gleiwitz bestehen, diese sich eine» lebhaften Zuspruches selten« jüdischer Kinder erfreuen und von Jahr zu Jahr sich immer mehr entfalten. Es ist schon daraus hingewiesen worden, daß unter den ärmeren jüdischen Schichten der Bevölkerung sich zahlreiche kranke Kinder befinden, die an Sccophulose, Rhachitis, sowie anderen Stoffwechselkrank« heilen leiden. Ein mehrwöchentlicher Aufenthalt in einer paffenden Anstalt ist dazu angethan, den Kindern gar oft Lebensfrische und Gesundheit zu schenken. Welcher Platz ist zur Heilung dieser Leiden geeigneter als Kisstngen mit seiner schönen, gesunden Lage und seinen heilkräftigen Quellen! Edle Wohlthäter stiften darum ein« der besten und humansten Werke, wenn sie durch That und Beistand die Begründung einer jüdischen Kinderheilanstalr in Kissingen fördern. Etn Comit6 ist in Bildung begriffen. Es kommt jetzt vor Allem darauf an, einen größeren Geldfonds zu erlangen, bevor weitere Dispositionen getroffen werden können. Mittheilungen bittet man zu richten an die Herren A. Grünbaum, Fabrikstraße, Banquier Marlin Hirschmann, beide in Nürnberg, an die löbliche Redaktion de« „Israelit" in Mainz oder an untenstehende Adreffe. Und nun zur That! Möge ein Jeder nach Maßgabe seines Vermögens und seine» Eoelmuthe» zur Vollendung dieses großen, gemeinnützigen Werkes beisteuern, diese« Monumente», dauernder als Grz! Gottes reicher Lohn und der Segen aus Kindermund ist sein Theil. Mögen diese Zeilen da» Samenkorn sein, da« von dem sanften Hauch jüdischer Milde gereift, die edelsten Saaten erzeugt! Di', med. Münz—Nürnberg. AertHMg»mdch*1chte« utt* «orrespondenze«. Oester r.-Ungar. Monarchie.? Wie«. Daß der Antisemitismus international ist, ist eine alte Sache, aber selten hat sich die» . so deutlich gezeigt, wie jetzt beim Fall Dreyfus. Da i Dreyfus ein Jude ist, so muß er schuldig sein und

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