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Der Israelit · 1899-09-04 · Heft 70 (4.9.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 70 (4.9.1899)
Date
1899-09-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1494 Me. Sweeney offizielle Anerkennung gefunden. Der Inspektor schildert die Arbeit des Vertreters der „United Hebrew Charities" in dem Hafen, die große Mühe, die er mit den Einwanderern hat, wie oft er als Vermittler zwischen den Behörden und den fremden Juden fungiren muß und schließt seinen Bericht mit den Worten: Ich halte die Thätigkeit der „United Hebrew Lharities" für überaus werthvoll und nützlich sowohl für die Regierung, wie für die Einwanderer.? Cleveland (Ohio). Hier besteht ein jüdisches Waisenhaus, das gegenwärtig 500 Insassen, 260 Knaben und 220 Mädchen zählt, im Alter von 5—16 Jahren. Die ausgezeichnete Anstalt steht unter der Leitung von Dr. Wolfenstein, der für einen besonders tüchtigen Pädagogen gilt. In der Jahreskonferenz der sämmtlichen Wohlthätigkeitsanftasten des Staates Ohio ertheilte General Brinkerhoff, der Vorsitzende der Staatskommisfion für Wohlthätigkeitsanftalten unserem Waisenhaus folgendes Zeugniß: „Ich habe Hunderte von -Waisenhäusern besucht, aber niemals eines gesehen, in dem so allgemeine Liebe und Zuneigung für den Direktor herrscht, wie hier. Es ist eine Anstalt, die des Besuches werth ist." Aerrtlzetorr. HfYjxm aus dem Dshetto. Von Dr. H. Sigmundsohn. I. 2) (Fortsetzung) Nun war meine Neugir rege. Ich mußte erfahren, wer Ziperl oder kurzweg die Mad war, warum sie trotz ihres Alters, Kind geblieben, und gleich einem solchen nie von sich als „Ich", sondern als Ziper oder die Mad sprach, warum sie aus dem Zauberkreise, den die Jchliebe um jedes Kind webt, niemals hinausgetreten. Ich zog Erkundigungen ein und erfuhr gar bald Ziperls düstere Lebensgeschichte, die ich in wenigen Worten widergebe. Als Getttoh-Typus verdient es Ziperl, daß sie nicht ganz der Vergessenheit anheimsalle. Ziperl ist das uneheliche Kind einer halb verblödeten Mutter. Kaum 10 Jahre alt, starb die Mutter und stss blieb ganz auf sich selbst angewiesen zurück. Die Verwandten ihrer Mutter nahmen sich ihrer nicht an, der Makel ihrer Geburt war schuld daran, und so wuchs sie heran, ohne Liebe, ohne Unterricht, ohne daß ihr Geist geweckt worden wäre. In sich gekehrt und gedrückt ob ihrer dunklen Abstammung, suchte sie niemals die Gesellschaft anderer Kinder auf und sie blieb auch allein, allein ohne mitfühlend Herz, ohne Jugendgespielen. Sie bewohnte das Armenhaus, die sogenannte Schlafftätte der Gemeinde und fristete ihr Dasein durch Unterstützungen. Kaum 13 Jahre alt, kam sie in ein jüdisches Haus als Dienstbote. Sie war ihren Dienstgebern treu, anhänglich, und nichts konnte sie mehr in Harnisch bringen, als wenn mau über ihre Herrenleute schimpfte. Da kannte sie keine Grenzen, sie biß, kratzte, schlug um sich wie besessen. Ziperl hatte im Hause ihrer Dienstgeber ein Heim gefunden, da entpuppte sich ihr Charakter, zeigte sich weß Geistes Kind sie sei. Zipperl war erst geistig sehr zurückgeblieben, hatte aber dabei eine sehr scharfe, spitze Zunge. Kindisch wie sie war, mußte sie immer das letzte Wort haben und ging nicht eher fort, als bis sie ihren Wiedersachern ein hartes Wort gegeben, etwas Unangenehmes ins Gesicht geschleudert, irgend eine Schandthat, die in seiner Familie vorgefallen, ihm vorgehalten. Und ihr Schimpf war ätzend wie Lauche, denn trotz ihrer Beschränktheit hatte sie witzige Einfälle. Alt und Jung trieben mit ihr ihr böses Spiel, hänselten sie, und dadurch wurde sie immer boshafter. Um sich rächen zu können, achtele sie auf jeden Klatsch, den sie dann brühwarm unter die Leute brachte, jedem, der ihr unterkam, erzählte. Dabei war sie scheu, furchtsam, ein kleines Kind konnte sie in die Flucht jagen. Man brauchte ihr nur zu drohen, einen Stock, oder Stein zu zeigen und sie floh wie von Furien gejagt „Hilfe, rette" schreiend. Aber auch die allgewaltige Liebe erfaßte sie, und der Umstand, daß ihr Sehnen und Hoffen unerfüllt geblieben, raubte ihr wohl den kleinen Rest ihres Verstandes. Ziperl mochte ungefähr 15 Jahre im Dienste ihrer Herrschaft gestanden haben, als sie ihre Augen zum Sohne des Hauses erhob. Ob er den Impuls dazu gegeben, oder ob das Feuer der Liebe sie gewaltsam ergriffen, ohne daß es entfacht wurde, darüber weiß Frau Fama nichts zu erzählen. Der Sohn des Hauses heirathete und mit ihm zugleich verließ Zipperl das Haus ihrer Dienstgeber, ohne je wieder körperlicher Arbeit sich zu unterziehen. Sie ist durch die unglückliche Liebe nur noch verbissener und boshafter geworden. Sie bezog wieder das Armenhaus, und in diesen engen Räumen, wo sie die Jahre ihrer Kindheit verlebte, und die ihr durch die Munifizenz der Gemeinde ganz und gar überlassen ward, haust sie noch immer. Ihre sehr geringen Bedürfnisse deckt sie durch Betteln. Es kommt

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