Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 70 (4.9.1899)
- Date
- 1899-09-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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WWW 1493 Als wir wieder draußen waren, sagte mir DreyfuS, er habe das Gebet zum Andenken an seinen verstorbenen Vater verrichtet, und daß er alljährlich an dessen Sterbetag in die Synagoge gehe. Von seiner verstorbenen Mutter sprechend, sagt er, er verehre sie fast wie sein Vaterland. Diese Worte werde ich niemals vergessen". E. M. Prag, 26. Aug. Gestern am ersten Slichottage hielt Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld dem verewigten Dr. Israel Hildesheimer in eine Trauerrede, in welcher er die herrlichen Eigenschaften und hohen Vorzüge des in allen Theilen der Welt tief betrauerten, den großen Verlust den dagesammte Judenthnm durch seinen Heimgang erlitten, in beredten Worten schilderte. Zu der Trauerfeier hatten sich sämmtliche Rabbiner Prag- und der Vororte: Dr. Bondy, Dr. Deutsch, Dr. Fischer (Tempelprediger), Dr. Hirsch (Larolinenthal), Knopfelmacher, Stark (Weinberge), ferner der Nestor der Gemeinde-Repräsenten-, Schriftsteller S. Kohn, der Obmann der LandeSjudenschafr, Dr. Moritz Lichtensiern, der Obmann der Beerdigungsbrüderschaft David, Lieben, Synagogenvorsteher, Advokaten und andere Notarbilitäten eingßfunden. Gakarrtha (Preßb. Comitrt). Herr M. Lohen, der neuernannte p der Cultusgemeinde in Rotterdam, hat am letzten Samftrg von unserer Stadt feierlich Abschied genommen. Herr Lohen ist ein geborener Holländer und hat auch in seiner Heimath die profanen Studien beendet. Zu seiner rabbinischen Ausbildung kam er aber nach Ungarn und lernte zuerst an der berühmten Hochschule zu Preßburg. Nachher kam er in die hiesige N2V, wo er im Hause des hiesigen Oberrabbiners aperem ux *|or rnno p*on und unter seiner Anleitung längere Zeit dem fleißigsten Studium der jüdischen Wissenschaften oblag. Herr Cohen hat sich während seines hiesigen Aufenthaltes bei jedem Einzelnen und ganz besonders bei den e'itq großer Beliebtheit erfreut, denn er als Vorsteher der war es, der stets in unermüdlicher Weise für das geistige und körperliche Wohl der armen omrc sorgte. Uud nun, da er infolge der ehrenden Berufung der Rotterdamer Gemeinde von uns scheiden muß, wird dies schmerzlich empfunden. Zum Abschied hat ihn der Schomre- Thora-Verein mit einer n*m beehrt, in welcher er im Beisein sämmtlicher mm »» in rührender Weise Abschied nahm. Gott geleite ihn auf seiner Laubahn. Frankreich.? Paris. Aus dem Dreyfus-Prozeß ist überaus bemerkenswerth die Art und Weise, in der die Offiziere den Verdacht de« Antisemitismus ablehnen. Es ist offenbar eine sehr starke antisemitische Strömung schon seit langem vorhanden gewesen und Dreyfus hat darunter oft zu leiden gehabt, wie der Vorfall in der Kriegsschule erweist. Aber diese Abneigung ist nur Rischus, die Offiziere selbst, die am stärksten betonen, verwehren sich doch energisch dagegen zu drn Antisemiten gezählt zu werden. So protestiren Oberst Bertin, Kommandant de Maistre rc. gegen die Behauptung, daß im Generalstab oder in der Armee Antisemitismus herrsche, dennoch bleibt die Thaisache bestehen, daß man Dreyfus ei» schlechteres Zeugniß in der ^Kriegsschule gab, als er verdient hatte, «eil man im Generalstab keine Juden haben wolle. Jntereffant ist es, daß man den Juden im allgemeinen vor«irft Dreyfus sei zu fleißig und strebsam gewesen, er habe zu viele Kenntnisse erworben uud seine Kameraden überholt, darum ist der Neid gegen ihn wach geworden, genau, wie gegen den Juden überhaupt.? Paris. In Orleans hat schon wieder ein Duell stattgesunden, da« seinen Ursprung in dem Antisemitismus hat, der gegenwärtig die französische Armee beherrscht. Kapitän Picard, ein Glaubensgenosse traf kürzlich den Kapitän Jaly, welcher ihm den vorschriftsmäßigen Salut verweigerte. Picart fragte, warum grüßen Sie mich nicht? Worauf Jaly antwortete, ich grüße niemals einen Juden. Ein Duell war die Folge davon, da« jedoch für beide Theile unblutig verlies. England.? London. Die Knabenbrigarde wurde kürzlich in ihrem Lager von General W a r r e n inspizirl, der seiner außerordentlichen Befriedigung über die kriegerische Haltung der Knaben und ihre Exerzitien und Manöver Ausdruck verlieh. Auch der Oberrab bincr Dr. Ad ler hat das Lager besucht und sich an den kleinen jüdischen Soldaten ergötzt. Er hielt ihnen dann eine kleine Anrede, in der er au-einandersetzte, wie nützlich diese Uebungen der Knaben, sowohl in geistiger, wie körperlicher Beziehung seien. — Im Ostend von London wächst die GeriosfinschastSbewegung recht erheblich. Zuerst bildeten sich die Konsumvereine, dann versuchten die Bäcker eine Bäckerei-Genossenschast zu bilden, die aber rasch verkrachte. Einer Schneider - Produktion» - Gesellschaft erging e« nicht besser und eb nso mehreren ähnlichen Unternehmungen. Nun hat sich wieder eine Produktiv Genossenschaft gebildet, die aber möglichst viele Gewerbe umfassen soll. Es wird dies ein neues, sehr interessantes wirthschastliche» Experiment werden, aber sein Gelingen erschein ganz zweifelhaft. Amerika. New'Nork. Die Thätigkeil der United Hebrew Charities" zu Gunsten der Einwanderer, hat in dem Bericht des EinwanderungSinspektorS E. F.