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Der Israelit · 1899-09-04 · Heft 70 (4.9.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 70 (4.9.1899)
Date
1899-09-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1492 Es ist fast die einstimmige Ansicht der ganzen Ge- , meinde, *) daß Herr Dr. Singer hier alle Rücksichten, selbst die für seine eigene Existenz, bei Seite setzte. — Was die erwähnten Verhältnisse aus viel früherer Zeit hier betrifft, wo noch kein Mitglied des jetzigen Vorstandes hier wohnte, nun, eines Mannes Rede ist keine Rede, man soll sie hören alle Beede.^) Eine geradezu unverständliche Grausamkeit von Seiten des Herrn Dr. Maybaum und anderer Amtsgenoffen ist es aber, die krampfhaftesten Anstrengungen zu machen, den armen Dr. Singer in diesem steinigten Boden zu belasten, um sich möglichst festzuwurzeln. Sicherlich ist die Gemeindeverwaltung nicht verpflichtet, jedem Unberufenen 3 4 5 6) Aufklärung über die Gründe des Vorstandes, die Kündigung des Rabbiners Dr. Singer betreffend, zu geben, und wird auch Herr Dr. Maybaum sicherlich seiner Pflicht g-nügen, wenn er sich nur um seine und die Angelegenheiten seiner Gemeinde kümmert. Sollten wir durch den Boykottartikel des Herrn Dr. Maybaum in der That keinen Rabbiner bekommn, nun, wir sind hier am schönsten Rhein in der angenehmen Lage, auch ohne einen solchen recht glücklich zu lebend) und nach den Erfahrungen, die wir gemacht, könnte ich der Gemeinde aus vollen Herzen zurufen: t»* -p! Der Vorsitzende des Synagogenvorstandes: Raphael Loeß. Herr Dr. Mannheimer dementirt telegraphisch die Nachricht, daß er sich nach Eoblenz gemeldet. Der Vorsitzende des Vorstandes in Eoblenz theilt uns mit: Herr Dr. Mannheimer hat sich erkundigen lasten, welcher Richtung die Coblenzer Gemeinde angeböre und als er erfuhr, daß der Gottesdienst mit Orgel und Chorgesang geleitet wird, hat derselbe überhaupt keine Bewerbung eingereicht. Von Herrn Lehrer und Cantor S. A. Friedberg —Coblenz erhalten wir eine Zuschrift, in welcher derselbe „aus Ehre und Gewissen erklärt, daß cr nie weder gegen den Herrn Rabbiner noch gegen irgend Jemand drohend den Stock erhoben habe." Dagegen „bestätige er die Thatsache betr. der Ohrfeige voll und ganz." Fürth, 31. Aug. Die hiesige Bürgerschule hat vom Reichskanzleramte die Erlaubniß erhalten, 3) Ta» entspricht wiederum nicht der Wahrheit. Nach meiner Information steht die irührere Verwaltung, welche die gebildeteren Elemente der Gemeind« umfaßte, auf Seite Dr. Singers. Nur der neue König und sei« Anhang gehören zu den Feinden Dr. Singer». M 4) Bitte! 6) Der Vorsitzende de» Rabbiner Verbände» in Deutschland ist aber kein „Unberufenes. (Für diese Gemeinde gewiß nicht. Red. d. „J»r ") M. 6) Diese Aeußerung ist wieder so recht bezeichnend für den Geist der jetzigen Cobl'Nzer Gemeindeverwaktung, um die kein Rabbiner in Coblenz, er fei, »er er wolle, zu beneiden ist. M. ihren Namen in israelitische Realschule umzuwandeln, welche Titelsänderung wohl vom derzeitigen Rektor, Herrn Dr. Stern, erstrebt wurde. So belanglos der Name auch manchem erscheinen mag, so war er doch geeignet, Mißverständnisse herbeizuführen; denn unter Bürgerschule versteht man im allgemeinen eine gehobene Volksschule, während die hiestge Anstalt doch vollkommen den Charakter einer Realschule hat, in welcher die Schüler die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erlangen können. — Aber noch wichtigere Punkte faßt Herr Dr. Stern inS Auge. So ist er sehr bemüht, tüchtige Lehrkräfte für seine Anstalt zu gewinnen, die ganz im Geiste eines echten tut denken, reden und handeln, was auch unbedingt noihwendig ist; denn der einzige Zweck der Schule besteht doch darin, daß sie die Jugend als gesetzestreue, strenggläubige Mitglieder unserer Gemeinde heranbildet, und eine solche Erziehung kann nur dann Erfolg haben, wenn die Lehrer derart sind, daß sie in jeder Hinsicht als Vorbilder für die Jugend dienen können und jede Verschiedenheit in der Gesinnung und Ueberzeugung wird leicht bemerkt. — Gewiß wird eS der Thatkraft und den Fähigkeiten des Herrn Dr. Stern gelingen, seine Bestrebungen im Jntereffe seiner Schule durchzusetzen, wie sein bewährter, selbstloser Vorgänger, Herr Dr. Dessau, viele Jahre hindurch so segensreich für dieselbe wirkte. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wien, 1. Sept. Die hiesige Zeitschrift „Die Welt" giebt nach einer der jüngsten Nummern der „Aurore" von Lieutenant Robert Lerouge, eineu Kollege Dreyfus' von der Kriegsschule her, eine Erinnerung an den unglücklichen Kapitän zum Besten. „Es war im Frühling des Jahres 1880", schreibt Lerouge, „da traf ich wieder mit Dreyfus zusammen, nachdem ich ihn zwei Jahre nicht 'gesehen hatte. Gr kam mir entgegen, just als ich auf dem Wege vom Montmartre zum Boulevard begriffen war. Er machte große Schritte. „Wohin?" fragte ich ihn, indem ich ihm die Hand reichte. „Ich geh' in die Synagoge", antwortete er, „wenn Du willst, kannst Du mich begleiten." — Natürlich war es niemandem ein Geheimniß. daß Dreyfus ein Jude ist. Jedoch, daß er die Synagoge besuche, war mir neu und auffallend. Ich ging mit. Wir kamen in eine kleine Synagoge und fanden dort etwa 30 Juden — größtentheils arme Eingewanderte, die sich vor Erstaunen kaum fassen konnten, zwei Offiziere in ihrer Mitte zu sehen. Dreyfus ging aut den Klister zu und raunte ihm etwas ins Ohr. Dann begann das Gebet, von dem ich kein Wort verstand. Mit einemmal sah ich DreysuS zum Altar gehen und hörte ihn et« hebräisches Gebet vortragen, worauf alle Anwesenden „Amen" sprachen.

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