Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 70 (4.9.1899)
- Date
- 1899-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1491 WWWWW8MM in dem Lande gesegnet war, noch dem Lande zum Segen wurde, seit es seiner rechtmäßigen Besitzer entledigt ist? Einst war es doch das Land, in dem Milch und Honig floß, als Israel es noch baute. Heute ist's öde und jämmerlich — seit 18u0 Jahren. Israel aber, aus seinen Grenzen verjagt, heimathloS umgetrieben, wächst und gedeiht sichtlich unter allen Himmelsstrichen, in aller Herren Ländern. Und man braucht es weder zu bepflügen noch zu begießen. Gibt es denn auch noch ein Volk, das von allen anderen Völkern bitter gehaßt, schrecklicher verfolgt, grausamer gemartert, gründlicher verachtet, häufiger ausgeplündert, schändlicher mißhandelt und getreten worden wäre? Heiden, Christen und Türken haben gewetteifert, den Juden vom Erdboden zu vertilgen. Mit welchem Erfolg? Daß es heute mehr Juden in der Welt gibt, als in den blühendsten Tagen des Reiches von David und Salomon. Ehedem hieß es: Wo ist so ein herrlich Volk, das so gerechte Sitten und Gebote habe, als alles dies Gesetz, das ich euch heutiges Tages vorlege (5 M., 4, 8). Aber nun seit Jahrhunderten mußte man sagen: Wo ist solch ein elendes Volk, für das schmähliche, schimpfliche und fluchwürdige Ausnahmegesetze gemacht und es darunter gezwungen haben? Dabei hört Israel nicht auf einen Sabbat um den anderen das heilige Gesetz, das Gott ihm einst gab, das die Väter nicht halten wollten, und die Kinder nicht halten könnten, selbst wenn sie wollten — zu küssen und fast abgöttisch zu verehren. Trotzdem aber gibt es im Ganzen nirgendswo ruhigere und ordnungsliebendere Bürger, als die jüdischer Abkunft, ob man ihnen schon wenige Gesetze gemacht hat in christlichen Ländern, die sie neben den ihrigen auch nur achten konnten. Aber für unsere Gefängnisse und Zuchthäuser stellen sie im Verhältniß bei weitem nicht die Zahl von Insassen, wie andere Nationalitäten. Und dabei ist Israel nicht sittlich verfault. Jüdisches Familienleben wird von dem der christlichen Nachbarn wohl selten übertroffen an Reinheit, edler Sitte, Hingebung und Ehrerbietung. Ohne gänzlicher Enthaltsamkeit zu huldigen, ist der Jude selten Trunkenbold. Den jüdischen Wucher und Schachergeist wird man unter den Völkern nicht müde zu geißeln und zu bewitzeln. Wenn man sich nur auch mitunter fragen würde, was für andere Erwerbszweige man denn in der Christenheit feit Jahrhunderten übrig gelassen habe für den Juden als Schacher und Wucher? Womit inan sündigt, wird man gestraft. Uebrigens sollte man mit dem Steinewerfen auch hier vorsichtig sein. Es gibt der unbeschnittenen, sogar ungetansten „Schacherjuden" aller Nationen nicht wenige. Der Aerger ist nur, daß e» dem Juden so wunderbar glückt. Eins aber gehört auch hierher. Weiß der Jude das Geld in seine Tasche zu bekommen, so versteht er auch damit umzugehen. Unsere hebräischen Mitbürger bezahlen ihre Steuern so gut wie wir für den Unterhalt der öffentlichen Anstalten. Aber daneben sorgt das Judenthum ganz allein für seine eigenen Armen, Kranken, Wittwen, Waisen, Greise und andere Mündel der Wohlthätigkeit und läßt sie weder den Christen noch dem Staat zur Last fallen. Uno wer in New-York z. B. ein Vergleich anstellen würde zwischen den finanziellen Zuständen in den christlichen Wohlthätigkeits-Anstalten einerseits und den hebräischen andererseits, dem möchte das Prahlen von christlicher Liberalität am Ende vergehen. Von der erstaunlichen Überlegenheit, welche die Kinder Israels seit ihrer sozialen Gleichberechtigung auf allen Gebieten intellrktttrllen Strebend und Schaffens, in Kunst und Wissenschaft, Literatur und Staatskunft an den Tag gelegt haben, braucht es nicht vieler Worte. Wo man ihnen die Schranken öffnet, läuft ihnen Niemand so leicht den Rang ab. .luäaeus facile princeps. Csblenz, 1. Sept. (Zur Affaire Singer.) Auf die Veröffentlichung der Rabbiners Herrn Dr. Maybaum sendet der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde zu Coblenz eine Zuschrift an die „Allgem. Z. des Jud.", die diese mit Anmerkungen des Herrn Dr. Mavbaum versehen läßt. Wir geben sowohl die Zuschrift als auch die Anmerkungen in Folgendem wieder: Es ist wahr, daß Herr Dr. Maybaum, ab Karlsbad, den Brief geschrieben. Der Vorstand konnte sich vorerst nicht entschließen, aus Rücksicht auf Herrn Dr. Singer und Familie, eine wahrheitsgetreue Schilderung der Kündigungsgründe schriftlich mitzutheilen. Später wurde die Beantwortung des Briefes im Drange der Geschäfte, ohne Absicht, vergessen. Der Vorstand bedauert, daß er durch die Provokation des Dr. Maybaum nunmehr genörhigt ist, alle Rücksichten fallen zu lasten, umsomehr .ls Herr Dr. Maybaum die vorherige schriftliche Aufforderung des Vorstandes, seinen beleidigenden Artikel, mit dem sich eventuell noch das Gericht befassen wird, zurückzunehmen, unbeachtet ließ. Ist es vielleicht auch nur ein „Taktfehler", wenn der Rabbiner den über 32 Jahre hier im Amte befindlichen Lehrer und Cantor im Schulzimmer ohrfeigt und ihm den Spazierstock zerbricht?*) Noch mit viel gravirenderen „Taktfehlern" könnte der Vorstand aufwarten, allein, es unterbleibe lieber.-) 1) Nach meiner Information wird das von Dr. Singer in Abrede bestellt. Maybaum. 2) Warum denn? Sie erklären ia. alle Rücksichten fallen zu lassen? Diese Methode, etwas schreckliches an zudeuten, während die beiden Rabbiner, welche in Koblenz vermitteln wollten, mir berichten, daß gegen Dr. Singer nichts anderes als obige Anklage vortiege, ist bei allen Redlichen gerichtet. M.