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Der Israelit · 1899-08-31 · Heft 69 (31.8.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 69 (31.8.1899)
Date
1899-08-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1470 Bart umrahmt wird, die kahle Stirn bedecken lange graue Haare, in den tiefliegenden Augen aber flackert ein unruhiges Feuer, Roth und Elend stehen auf diesem Gesicht geschrieben, der ganzen Figur merkt man es an, daß sie im fürchterlichsten Kampf um das bischen Erdendasein heruntergekommen und entkräftet ist. Im Jahre 1893 weilte Mayer Hirsch Mendelssohn in Frankfurt und kam infolge seines kranken Zustandes in die Behandlung eines hiesigen Arztes. Nachdem er wieder hergestellt war, ging er nach Leipzig und von dort stammt eine Todesurkunde, die er uns vorgelegt hat, nach welcher er in einem hiesigen Krankenhause verstorben sei. — Mendelssohn bewarb sich im Jahre 1893 um die Aufnahme in die in Leipzig bestehende Mendelssohn'sche Stiftung zur Unterstützung armer Verwandter, die Verwaltung recherchierte und erhielt die Nachricht von der Leipziger Polizeibehörde, daß besagter Mayer Hirsch Mendelssohn in Frankfurt verstorben sei, sich also nicht gut um die Aufnahme in die Stiftung bewerben könne. Polizei und Verwaltung geriethen sich in die Haare, aber das Streitobjekt war tot und zuguterletzt mußte sich der Todterklärte und die Stiftung mit den polizeilichen Nachweisen zufriedengeben. Es existiert noch eine Mendelssohn-Stiftung, an die sich Mendelssohn jetzt behufs Unterstützung wandte, aber mit dem gleichen Resultat — er war ja tot, was spuckte er noch unter den Lebenden herum. Nun mußte ein Auszug aus der standesamtlichen Eintragung über den in Frankfurt erfolgten Tod erlangt werden und endlich nach unglaublichen Kreuz- und Querzügen fortwährender Verwechslungen und Mißverständnisse stellte das Polizeipräsidium Mendelssohn ein Attest aus, daß er noch lebe, und nun bequemte sich auch das Standesamt dazu, den Nachweis zu liefern, daß im Jahre 1893 ein Mayer Hirsch Mendelssohn in die Todtenliste überhaupt nicht eingetragen worden sei. Die Todesurkunde soll auf Veranlassung seiner eigenen, noch schulpflichtigen Tochter, die den Vater für todt erklärt hatte, ausgestellt worden sein. Wo diese Tochter sich eben aufhält, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Man sollte es einfach für unmöglich halten, daß durch eine unglaubliche bureaukratische Fahrlässigkeit ein Mensch der Verzweiflung in die Arme getrieben werden kann. Mendelssohn ist vollständig mittellos und die paar Mark, die er sich erspart hatte, sind nebst den Geldgeschenken mildherziger Menschen längst in diesem Verzweiflungskampfe um das Sein und um den Besitz seiner Personaltitel draufgegangen. Er muß noch einige Wochen in Frankfurt bleiben, um die amtlichen Bescheinigungen des Krankenhauses und des Herrn Polizeipräsidenten abzuwarten, wovon soll der Unglückliche aber leben, bis an Händen der Frankfurter Papiere der Rath der Stadt Leipzig die Todeseintragungen wieder rückgängig macht und er endlich der menschenfreundlichen Stiftung seines Ahnen theilhaftig werden kann. Sollten unsere Leser dem Unglücklichen einige Scherflein zuzuwenden geneigt sein, so wären wir zur Entgegennahme gern bereit. Sendungen können auch an Herrn Restaurateur Grünebaum in Frankfurt a. M>, Zeit, gemacht werden. Da wir der Geschichte des Herrn Mendelssohn schon in vielen Zeitungen in ungarischen, elsässischen und norddeutschen begegnet sind, so ist vielleicht einer oder der andere unserer Leser in der Lage, uns über diese Angelegenheit weitere Mittheilungen machen zu können. Frankfurt <*. M , 17. Aug. In diesem Jahre werden aus den Alpen viele Unglücksfälle bei den Bergsteigern gemeldet. Ueberraschend ist der hohe Prozentsatz der Juden, die sich an diesem Sport betheiligen und ihm zum Opfer fallen. Allein in vorletzten Woche sind vier unserer Glaubensgenoffen verunglückt. Jetzt wird auch aus Tirol der plötzlich erfolgte Tod des SanitätSraths Dr. Salomon Herxheimer, des bekanuten Frankfurter Arztes, gemeldet. Svnitätsrath Herxheimer, ein -ifciger Alpinist, der noch vor wenigen Jahren Jungfrau und Schreckhorn bestiegen, verbrachte seine diesjährigen Sommerferien im Oetzthal, um dort Bergparthieen zu machen. Er unternahm einen Aufstieg in's Güldener Gebirg und wurde in der Hütte, die er mit drei Führern nach achtstündigem Marsch erreichte, von einem tödtlichen Herzschlag betroffen. Salomon Herxheimer stammte aus Wiesbaden, studirte in Würzburg und ließ sich als Arzt für Hautkrankheiten in Frankfurt nieder. Ec wurde rasch ein vielbegehrter Arzt und erwarb einen großen Ruf als praktischer Dermatologe. Mit wiffenschaftlichen Veröffentlichungen ist er wenig hervorgetreten, seine Praxis ließ ihm keine Zeit zu schriftstellerischen Arbeiten. Sanitätsrath Herxheimer hat ein Alter von 58 Jahren erreicht. Sein jüngerer Bruder, Dr. Karl Herxheimer, ebenfalls Dermatologe, ist Oberarzt der betreffenden Abtheilung des Städtischen Krankenhauses. Rhoden (Waldeck), 23. Aug. Hier steht ein altes Schloß, das dem fürstlichen Hause gehört. Daffelbe wurde 1042 erbaut und nachweislich nur von Mitgliedern des waldeck'schen Grafenspäteren Fürstenhauses bewohnt. An der Südseite des großen Hauplportals ist der jüdische Buchstabe ts> sechsmal angebracht, plastisch aus dem Sandstein hervortretend. Zu bemerken ist, daß Rhoden früher stark von Juden bewohnt war, und daß dieselben viele Privilegien genoffen. ES wäre interessant, zu erfahren, welche Bedeutung dieser Buchstabe im vorliegenden Falle hat.

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