Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1899)
- Date
- 1899-08-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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RH 1471 Gleichzeitig mache Ihnen die Mittheilung, daß Seine Durchlaucht Fürst Friedrich von Walden bei Gelegenheit eines Kriegerfestes sich längere Zeit mit dem Veteranen Weitzenkorn aus Marsberg (Westfalen) unterhielt, und ihm beim Abschiede 20 M. schenkte. Gewiß ein schönes Zeichen, von der loyalen Gesinnung unseres Fürsten. Bom Rhein. Al- Endziel meiner diesjährigen Erholunghreise hatte ich mir das wunderschön gelegene Codlenz au-ersehen. Von hieraus unterunternahm ich während eines mehrtägigen Aufenthalts Fuß- und Wagentomen in die Umgebung. Auf einer der Ersteren kam ich zufällig in Gesellschaft mehrerer, gleich mir vom Reisefieber angefteck- 1er Herren, die mich auf das rechtsrheinisch, wunderschön gelegene Saynthal aufmerksam machten. Ich hatte Zeit und so wollte denn auch nicht Unterlasten diese Naturschönheilen in Augenschein zu nehmen. Nach ganz kurzer Estenbahnfahrt kam ich nach dem Dorfe Sayn. Als ich einen Dorfbewohner nach den Sehenswürdigkeiten der nächsten Umgebung befragte, machte mich derselbe auf die israel. Heil- und Pflegeanstalt aufmerksam. Obwohl ich in Ihrer geschätzten, weitverbreiteten Zeitung schon oft diesen Namen gelesen hatte, so ahnte ich doch nicht, daß ich so nahe bei beifelbeu war. Flugs richtete ich rnüne Schritte dorthin, den hier überwältigenden Eindrücken Worte zn leihen: Vor mir lag ein kaum übersehbarer Park mit den denkbar schönsten Anlagen. Beim Anblick deffelbcn bedauerte ich, daß ich nicht meine ganze Erholungszeit hier zugebracht habe, umsomehr, als ich nrich überzeugte, daß die Küche, worauf ich Gewicht lege, streng koscher ist. Ich sagte mir, es müste wohl schwer ein Stückchen Erde geben, wo der von des Tages Last und Mühe ermüdete zu neuer Schaffenskraft sich bester erheben könnte, als hier. Mein Höst. Begehren nach näherer Besichtigung wurde mir zuvorkommend erfüllt und der Besitzer der Anstalt, Herr Jacoby war so liebenswürdig, die ganze innere Einrichtung mir zu zeigen. Ich muß gestehen: beim Einblick in diese musterhafte, nach den Regeln der Neuzeit, auf streng jüdischen Grundsätzen eingerichteten segensreichen Anstalt, war ich angenehm überrascht. Beim Mittagessen, dem ich mit gütiger Erlaubniß beiwohnte, hatte ich große Freude an dem gemülhlichen Zusammensein, der gleichsam eine Familie bildenden Patienten, deren Väter und wohlmeinende Berather Herr Jacoby und die beiden tüchtigen und beliebten AnstaUsärzte Herr Dr. Behrend und Dr. Rosenthal sind. In den ermähnten Parkanlagen beobachtete ich, wie die Patienten sich scheinbar frei bewegten, während sie von gut instruirten Wächtern überwacht wurden. Bei schlechtem Wetter können die Patienten in einer wirklich schön und gut eingerichteten Wandelbahn sich ergehen. Dem religiösen Bedürsniß wird in einer sehr schönen Anstaltssynagoge Rechnung getragen. Mit einem Wort: ich kann rucht unterlassen diese Musteranstalt meinen Glaubensgenoffen zu empfehlen. Wer also einen Gemüthskranken sin seiner Familie hat, der bringe ihn nach Sayn. Ein Freund der leidenden Menschen. Ems, 26. August. Gestern wurde uns ein seltener Genuß zutheil. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer aus Berlin, der sich als Paffant einige Tage in unserem schönen Ems aufhielt, hatte die Güte, auf Bitten des Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Weingarten einen Vortrag zu Gunsten des hiesigen „Central- Waisen- und Mädchenheim" zu halten. Er sprach im Hotel Löwenstein vor einem kleinen, aber gewählten Publikum über „Die Colonien Palästina." In anschaulichster Weise schilderte er den Schauplatz unserer Geschichte und die Erfolge der dort angesiedelten russischen Juden, welche in 27 Dörfern dem Getreidebau, der Wein- und Tabakscultur, der Rosenzucht und damit verbundenen Bereitung des Rosenöles, sowie der Maulbeeranpflanzung und Seidenfabrikation leben. Lebhafter Beifall belohnte den fesselnden, gediegenen Vortrag, und auch der pekuniäre Erfolg war ein für das Waisenhaus hocherfreulicher. J. L. Frankreich. Rennes, oO. August. Einen besonders inlereffamen Zwischenfall brachten die gestrigen Verhandlungen des Kriegsgerichts. Major Lauth bestreitet in der Aussage Cordiers mehrere Punkte von nebensächlichem Jntereffe. Unter Anderem sagt er, auch ver Oberst Corrdier sei Antisemit gewesen und habe einmal geäußert: „Wir brauchen keine Juden im Generalftab! Cordier antwortete: Das ist vollkommen richtig. Ich war Antisemit, aber ich bin ein ehrlicher Mann und niemals werde ich falsche Zeugenaussagen gegen einen Juden machen und werde einen Juden niemals einer Verbrechens beschuldigen, weil er ein Jude ist! (Große Bewegung und Beifall.) Wersonalien. -f »tschofShel« (Hessen). Am kommenden nmi mi ü"?y:in feiert Herr H i rsch Selig, Vorstand der hiesigen israel. Gemeinde das 25-jährige Jubiläum als ypm }JD. Möge es demselben vergönnt sein noch recht lange diese heilige Funktion auszuüben. E. A. Vermischtes. Kimherley. Die hiesig«, seit 26 Jahren bestebendjüdische Gemeinde „die Grigualand West Hebrew Congregae