Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1899)
- Date
- 1899-08-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449018--48983-2499399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1468 geöffnet und Ziperl stand auf der Schwelle: „Grüß ihnen Gott, gnädiger Herr Rabbiner leben", so begann Ziperl ihre hochdeutsche Anrede. „So selten auch ein Doktor sein, ein Doktor für die Gesunde, leben sollen sie und ihre Herrn Eltern. Ein Doktor, man macht keine Schmuoh. Aber was ich sagen wollte, haben sie schon gespiesen, Herr Rabbiner?" Der Rabbiner nickte mit dem Kopfe. „Nein, dann wünsche ich ihnen guten Apetit. Rochel Leb Naschers (so hieß unsere Gastwirthin) gibt nicht den Magen zu verderben, von allem etwas, viel Geschirr, aber wenig darauf. Aber was ich sagen wollte, man macht keine Schmuoh. Ziperl wollte nicht zu ihnen kommen, meine selige Frau, in Ganeden^) ruht sie, hat immer gesagt: eine Mad muß sich acht geben, ja eine Mad muß brav sein. Man sagt aber, der Herr Rabbiner, der Herr Doktor wollt ich sagen, wird sich bald verheirathen, deßhalb bin ich gekommen, denn wer sich nur verheirathen will, ist schon so gut wie verheirathet. Die Mad wollte auch gebeten haben, ihr alle Woche am Freitag etwas eine Kleinigkeit zu geben. Ich nehme alles, wenn es auch nur ein Erdapfel ist. Herr Doktorleben haben doch selbst nicht viel; sie können aber auch Geld geben, drei Kreuzer ist für ihnen genug gegeben. Herr Doktor, Herr Rabbinerleben können es der Mad zum Thore bringen, ich werde die Güte haben, es zu nehmen, wenn die junge, schöne Frou bei ihnen sein wird, komme ich jeden Freitag in die Küche. Sie finden^) doch mein Vater. Der vorige Rabbiner war auch mein Vater und alle Herren beim 13) Paradies. 14) sind. grünen Tisch finden meine Vätern, denn ich bin doch ein Josem15) Die vorige Frau Rabbinerin hat mir, als sie wegzogen, einen Teller zum Andenken geschenkt, er war zwar nicht mehr ganz, aber sie war doch ein braver Mensch. Pesach hat sie mir zwei Eier geschenkt, jeden Jomtow Kuchen und Kaffee. Einmal habe ich zu ihr gesagt, Frau Rabbinerin geben sie mir keinen Thee, ich bin nicht so nobel gewöhnt, ich trink in der Früh gern Kaffee, da sagte sie, ich habe ihnen doch Kaffee gegeben, entschuldigen sie gnädige Frau Rabbinerinleben, sagte ich, er hat eine Färb wie Thee. Aber sie war doch sehr brav, man macht keine Schmuoh, er war sehr mager, guten Appetit, Herr Rabbiner, Herr Doktorleben." Ich mußte bei diesem Gespräch lächeln, so sehr ich mich auch zurückhielt, darüber schien Ziperl sehr ungehalten zu sein. „Entschuldigen Sie, Herr Rabbiner, haben Sie denn so viel zu thun, daß sie brauchen einen Gesellen, einen Milesier," so fragte Z perl, indem sie mit giftigem Blick mich ansah. Auf vieles Zureden des Rabbiners beruhigte sich Zipperl und bat ihn zum Schlaffe noch, er möge ihr, wenn sie gestorben sei, eine Leichenrede halten. „Sie müssen mir nachsagen, daß ich brav war, ja die Mad war brav, sie kehrt den Tempel aus, sagt im Vorhaus immer Amen, ist sehr fromm, die Mad war brav! Sie finden doch mein Vater, Sie dürfen mir die Wahrheit nachsagen." Ziperl empfing ein kleines Geldgeschenk und ging, setzte aber vor dem Fenster ihre Ansprache als Monolog fort. (Fortsetzung folgt.) 15) Woise. Der „Israelit" erscheint w5«*hantlicli zweimal, Meafaga and Dennarataga, jedesmal ix mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Max atonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch $. A Klrinachrr, Leipzig, Moßplah )>. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petit-«-le oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 7b Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang >ür Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen-sterr., fürs Ausland 1« R«tchs-Mark, an di« Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3784. Telephon 315. •in« der an dt« Redaction «ingesandten «annseripten findet nicht statt, «an bittet destzald, sich van allen Ginsendnngen «ine Capto -nrüdzttdehaltsn Gt«>ensnch«nde erhallen ans »nasch die JnseratonBettage vier Wachen lang gratis nnd franea »ngesandt. Inhalt (Hanptvlatt) Leitender- Artikel: Unsere Gebete an den Jomim Hanauroim. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: München. Hamburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Holleschau. Frankreich: Paris. Amerika: Philadelphia. - Feuilleton: Typen aus dem Ghetto. Inhalt der ersten Beilager Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. M. Rhoden. Vom Rhein. Ems. Frankreich: RenneS. — Personalien: Bischofsheim. — Vermischtes. Inhalt der rlveiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Borkum. Ans Unterfranken. Weimar. Aus Norddeuischland. Oesterr.-Ung. Monarchie: Raab. Budapest. — Vermischtes. Anhalt der dritten Beilage: Glückwünsche zum Neuen Jahre. Extra-Beilage r Israelitischer Wandkalender. BerantworUiche Redactton: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdnrckerei-Actten-Gesellschast in Mainz. Hierzu ffrr BeU«s«tt