Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1899)
- Date
- 1899-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1466 aus allen Enden des Vaterlandes eingelaufen, ein Beweis, datz die Zukunft des Vereins gesichert und ein Sammelpunkt für alle diejenigen werden wird, die mit Freuden an jene Zeit zurückoenken, da sie ihre patriotischen Pflichten im Waffenrock des Kaisers erfüllt. Frankreich. Paris, Ende August. Die gegenwärtig in Frankreich sich vollziehenden Ereignisse sind nicht bloS für das französische Judenthum, sondern für den bx-L" Wa von hochragendster Bedeutung. Im Auslande fühlt dies jeder, der mit seiner Religion und mit seinem Volke noch nicht ganz gebrochen hat. Unsere theueren Brüder rn in aller Herren Länder werden es daher sicherlich nicht Unterlasten, während der herannahenden pan: dw *o» in ihren mton unserer nsis '2ew utik zu gedenken und der Allgütige tnv wird sich unser erbarmen im m=>T der großen, heiligen hddw 'bv2 die in diesem Lande gelebt und für b's hvrwr gewirkt haben. Wollen wir von dieser bewährten Waffe, die wir vom Erzvater rry W2« 2py’ geerbt haben Gebrauch machen und auch solche verirrte Schafe, die öffentlich andere Mittel und Wege zur Rettung*) predigen in unsere Gebete einschließen rw bhh' warm ,_n fax njrtrn nbixa. Amerika.? Philadelphia. Die klerikale Presse in Amerika, sowie einige Blätter der „gelben" d. h. der radikal chauvinistischen Presse fangen in der letzten Zeit an, die Lügen der antisemitrschen Presse in Frankreich jetzt auch in den Vereinigten Staaten zu verbreiten. Die jüdischen Zeitungen geißeln mit Recht die Methode der „Philadelphia Preß" und „Rew-Aork Journal" die ihre Informationen über französische Verhältnisse direkt von Drumont und Rochefort beziehen. Indessen viel bedauerlicher ist es, daß ein Mann von der Bedeutung und dem Einfluß des Erzbischofs Jreland so weit gehen kann, zu behaupten, daß jüdisches Gold das Urtheil des Kaffationshofes im Fall Dreyfus beeinflußt hat. Es ist dies übrigens nur ein Symtom der Stimmung, in der sich sogar in Amerika der Klerikalismus befindet, und man könnte noch viele hinzufügen, denn die ganzen katholischen Wochenblätter in diesem Lande nehmen jetzt Partei gegen DreyfuS. Der allgemeinen Stimmung in Amerika gegenüber kommt freilich diese juden- und Dreyfusfeindliche Anschauung nicht auf. *) Im Univerf. JSra^lite hier, wird von gelehrt fein wollenden Herren eine geist- und geschmacklose Abschaffung des y2V tri* und des ’j/’:nn dw seitens einer einzube rufenden Rabbtnerverfammlung als Rettungsmittel (!) vorgeschlagen. Kkuilleto». Wypen aus dem Mhetto. Von Dr. H. Sigmundsohn. -I. Mein Freund Rabbiner Dr. K. lud mich ein, seiner Installation in C. mitanzuwohnen. Wohl dachte ich an all die Schrecken einer solchen Feier, an die Begrüßungsreden, Toaste, Vorstellungen u. s. w., aber ich nahm die Einladung an, denn ich wollte bei dem wohlbestallten Rabbiner von C. eine gemttthliche Woche verleben. Es war am Rosch Chodesch Cheschwan, der Regen goß in Strömen, als wir in C. ankamen. Am Bahnhofe wurden wir vom ehrsamen Vorstande erwartet. Der schlechten Witterung halber wurden nur einige Händedrücke gewechselt, und es ging so rasch, als die Pferde den Koth durchwaten konnten, in die Stadt. „Stadt C." stand in großen fettgedruckten Lettern auf dem Wegweiser, es stand weiß auf schwarz und man mußte es glauben, sonst hätte allerdings niemand in dem Flecken eine Stadt vermuthet. Wir fuhren direkt bis zur Synagogenstraße, dort erwartete uns die Schuljugend, die Gemeindeangehörigen und alles, was da kreuchte und fleuchte. Die Straße war etwas eng und wir mußten am Eingänge derselben die Wagen verlaffen. Quatsch, quitsch, welch herrliches Kothmeer! Halb gingen wir. halb hüpften wir, bis wir zum Portale des Gotteshauses kamen, allwo der Trauhimmel vulgo ('hupoh stand, unter dessen schützend Dach der neugewählte Rabbiner geführt wurde. Der Speach, des von der Gemeinde designirten Sprechers — er war ein pensionirter Alcf Bet Melamed und Talmi- Gelehrter, ein Dauerredner, der dem österreichischen Parlamente zur Ehre gereicht hätte — ging ohne Unfall für die Zuhörer vorüber. Der Rabbiner antwortete in kurzen, herzlichen Worten und öffnete mit dem vergoldeten Schlüssel die Pforten des Gotteshauses, indem er dem Wunsche Ausdruck verlieh, daß sich ihm auch die Herzen der ihm anvertrauten Gemeindeglieder erschließen mögen. Im Vestibüle begrüßte der Gemeindevorsteher den Rabbiner, er dankte abermals für die warme Begrüßung und Rabbiner und Gemeinde betraten das Gotteshaus. Kaum, daß wir unsere Plätze eingenommen hatten, o welcher Schreck, aus irgend einem Winkel